Willkommen auf meinem Blog

Auf dieser Seite findet ihr -in den verschiedenen Rubriken unter dem Titelbild- viele nützliche Infos rund um das Thema Vietnam und zudem jede Menge lustig-bis spannende Anekdoten aus meinem Alltag, als Schwiegertochter einer vietnamesischen Familie..

Samstag, 20. Oktober 2012

Ngày Phụ Nữ Việt Nam

Heute ist der Frauentag für alle Frauen Vietnams.
Abgesehen von Glückwünschen oder Blumen hat das jedoch keinerlei Einfluss auf den Tagesablauf der Frauen.
Die Waesche will trotzdem gewaschen-, die Praesentation im Büro vorgestellt-, das Kind von der Schule abgeholt- und der liebe Ehemann der eben noch eine blühende Rose überreicht hat- liebevoll umsorgt werden ;)

An sich ist es eine nette Geste wie ich finde, aber die einzigen die wohl wirklich etwas davon haben, sind die Blumenbinder, die heute wieder eine Hochkonjunktur verzeichnen.

Ich schliesse mich den vielen Glückwünschen aber trotzdem mal an und wünsche allen meinen Leserinnen einen schönen Frauentag und hoffe, ihr findet Gelegenheit euch ein bisschen feiern zu lassen-, oder wie die unabhaengige Frau von heute es sicher tut:
euch selbst zu feiern! :)


Freitag, 19. Oktober 2012

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Trauriger Aberglaube

Hallo Leute,

tut mir leid, dass der letzte Eintrag schon wieder etwas laenger her ist, aber ich habe derzeit Schwierigkeiten auf die Seite zu kommen.

Der Eintrag mit den Anredefloskeln zieht sich von daher auch noch ein wenig in die Laenge, weil er doch recht ausfürhlich wird und ich haeufig nicht auf die Seite zugreifen kann um daran weiterzuarbeiten.

All zu lange wird es aber trotzdem nicht mehr dauern, denn rund 2 Drittel des Beitrages sind immerhin schon fertiggestellt.

Bis es soweit ist und ihr ihn lesen könnt, gibt es nochmal Neuigkeiten aus meinem taeglichen Leben.

Da hat sich vorletzten Sonntag oder Montag-Nacht schreckliches zugetragen.

King Kongs beste Freundin wurde vor unseren Augen überfahren.

Das schlimmste daran ist, dass dieser Zusammenstoss vermutlich pure Absicht war und sie es ansonsten sicher noch geschafft haette, da sie schon fast auf der anderen Strassenseite angelangt war.

Scheinbar gibt es aber den weit verbreiteten "Aberglauben", dass es Glück bringen soll,
einen Hund mit dem Auto zu überfahren und sich viele Autofahrer von daher gar nicht erst die Mühe machen auszuweichen, wenn ihnen ein Vierbeiner vor den Wagen laeuft, - sondern ganz im Gegenteil, dann erst recht noch draufhalten..

Ein völlig grausamer und sinnloser Einfall wie ich finde und ich frage mich ernsthaft,
wer auf so einen kranken Unsinn kommt..

Die kleine Maus (auch eine Chihuahua-Hündin von 2 Jahren) hatte jedenfalls keine Chance.
Der schwarze Jeep hat sie bei voller Fahr mit dem rechten Vorderreifen erwischt.

Einzig das Glück hatte sie, dass sie wohl auf der Stelle tot war.

Nicht auszudenken, was gewesen waere, wenn sie -schwer verletzt- noch gelebt haette.
Von einem "Tierkrankenwagen" oder einer "Notaufnahme" für Kleintiere können wir hier in Hai Phong noch nicht mal traeumen.
Wir haetten demnach rein gar nichts für sie tun können, waere sie noch am Leben gewesen.
Einzig vielleicht einen schweren Stein suchen, den man ihr auf den Schaedel trümmert um ihr Leiden
zu verkürzen, aber wer bringt sowas schon fertig..

Ich danke also dem lieben Gott (sofern es den überhaupt gibt, woran ich ohnehin so meine Zweifel habe..) dass ihr wengistens das erspart geblieben ist und sie innerhalb des Bruchteiles einer Sekunde, mit einem Schlag aus dem Leben gerissen wurde.

Ist schon ein recht seltsames Gefühl, wenn so ein Leben ausgelöscht wird.

Besonders traurig daran ist, dass die ganze Aktion so fürchterlich sinnlos war..
Sie haette es noch rechtzeitig geschafft, haette der Fahrer nicht gezielt auf sie zugesteuert.

Als ich den Wagen anrasen sah, habe ich einen kurzen Augenblick die Augen geschlossen und ein Stossgebet zum Himmel geschickt, dass sie es schaffen möge..
Aber schon vor dem wieder-öffnen der Augen war mir klar, dass dem nicht so ist :(

Ihr Besitzer ist total am Boden zerstört, auch wenn er versucht es sich nicht anmerken zu lassen und King Kong, der an diesem Abend stundenlang neben der Kleinen hergelaufen ist und mit ihr gespielt hat, haelt seitdem jede Nacht dort Totenwache.

Würde ich ihn nicht nach einiger Zeit zum nach Hause gehen zwingen, würde er dort sicher nicht mehr weggehen. Ein wirklich herzzerreissender Anblick, dass kann ich euch sagen :(
Umso schlimmer zu ertragen mit dem Wissen, dass sie vermutlich Kinder von ihm erwartet hatte..

Ich hoffe Tung behaelt recht und auch dieser Kerl wird irgendwann für das zahlen müssen, was er angerichtet hat..

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Erdbeben in Hải Phòng

Heute Vormittag, gegen 10:20 Uhr, bebte die Erde bei uns.

Mein Mann und ich saßen gerade im Wohnzimmer, als das ganze Haus erschüttert wurde.
Wie ich eben erfuhr war es tatsaechlich das, wofür wir es hielten: Ein Erdbeben!

Unser Erstes überhaupt und dann auch noch gleich mit einer satten 4,4 auf der Richterskala!

Das Epizentrum in Thủy Nguyên/Hải Phòng (Bildquelle tienphong.vn)
Ein duch und durch beangstigendes Gefühl muss ich sagen.

Wie ich gerade in diversen vietnamesischen online-Nachrichtenportalen nachlese, hat das Erdbeben allerdings nicht nur die Hafenstadt Hai Phong getroffen, sondern sich auch bis über die Haupstadt Ha Noi und hinauf nach China hin erstreckt.

Vergleichbar ist ein Erdbeben dieser Staerke wohl mit starken Turbulenzen verursacht durch Luftlöcher, waehrend eines Fluges, oder bei einer Schifffahrt mit sehr starken Wellengang..nur alles ein bisschen maechtiger.


Im Viertel Mỹ Đình müssen sogar Menschen aus Hochhausern, in Panik hinaus auf die Strasse geflüchtet sein.
Nach rund 10 Sekunden war der ganze Spuk aber auch schon wieder vorbei.

Zugegeben bin ich nicht so das Erdkunde-und Geographie-Genie, weshalb ich nicht mit Sicherheit sagen kann, ob Vietnam in einer für Erdbeben typischen Region liegt oder nicht, aber da dieses Beben auch für meinen Mann -der immerhin schon 34 Jahre auf dem Buckel hat- das erste tatsaechlich spürbare war, dürfte es -zumindest in diesem Umfang- druchaus eine kleine Besonderheit gewesen sein.

Hoffe wir, dass es bei diesem einen, Gott sei Dank noch ungefaehrlichen Erlebnis bleibt.

Samstag, 29. September 2012

Tết Trung Thu - Das vietnamesische Kinderfest

Traditionelle T-T-T-Zeichnung
Bevor ich mich wie versprochen den Anredeformeln widme, möchte ich euch aus aktuellem Anlass erst noch etwas über das vietnamesische Mit-Herbstfest, genannt "Tết Trung Thu" erzaehlen.

Tết Trung Thu, dass wohl fröhlichste und bunteste Fest in Vietnam
Es ist das Fest der Kinder und sicher mit eine der bedeutendsten Feierlichkeiten in Vietnam,
dass jeweils am 15. Tag des 8.Mondmonts stattfindet.
Dem westlichen Kalender nach ist das in etwa um Mitte September bis Anfang Oktober herum.
Daher auch der Name "Mit-Herbstfest".

Das Fest, dass Kinderaugen zum leuchten bringt
In der vietnamesischen Volklore wird erzaehlt, dass die Eltern in dieser wichtigen Zeit -naemlich der Erntezeit- so hart arbeiten mussten, dass sie sich nicht um ihre Kinder kümmern konnten.
Sie nutzen dieses Fest als günstige Gelegenheit, um die Vernachlaessigungen wieder gut zu machen und den Kindern ihre Liebe und Wertschaetzung zu bekunden, weshalb "Tết Trung Thu" zustaetzlich noch als "Kinderfest" bekannt ist.

Das Fest, dass ganz den Kindern gewidmet ist
Vergleichbar ist es ein wenig mit dem deutschen Sankt Martins-Tag, denn die Kinder ziehen auch hier mit wunderschönen Laternen -die meistens einen 5-eckigen Stern darstellen- in kleinen Prozessionen durch die Strassen.

Die typischen Sternlaternen
Der Anlass für diese Umzüge unterscheidet sich allerdings enorm von seinem deutschen Pendant.

Die kleinen Lichter der Laternen sollen naemlich laut einer der Sagen, die sich um dieses Fest ranken einem Mann Namens Chú Cuội, der aufgrund eines kleinen "Missgeschicks" seiner Frau auf dem Mond sitzt, den Weg zurück auf die Erde leiten.

Mit diesen Laternen weisen die Kinder Chú Cuội den Weg
Angeblich gab es einst einen Baum mit besonderen Kraeften. Es war verboten, sich an diesem Baum zu erleichtern! Eines Tages, tat die Frau Chú Cuội`s, die Hầng mit Namen hiess, es allerdings doch, woraufhin
der Baum begann in die Höhe zu spriessen.
Der unglückliche Chú Cuội, der sich an einem Ast festgeklammert hatte, wurde mit dem Baum empor gehoben.
Immer weiter und weiter gen Himmel, bis er die Wolken passierte und schliesslich auf dem Mond landete, wo er noch heute festsitzt.

Kinderbuch über den Mann auf dem Mond
(Trotz der etlichen Umzüge übrigens, die seitdem schon stattgefunden haben. Immerhin gibt es diese Festlickeit bereits rund 3000 Jahre. Ich wage also zu bezweifeln, dass der Gute da jemals wieder runterkommen wird) ;)
Aber lassen wir die Kinder ruhig in dem Glauben, dass sie es eines Tages schaffen werden :)
Diese Version der Sage ist aber nicht die einzige. In einer anderen Form ist es Chú Cuội`s Frau Hầng, die dort oben auf dem Mond ihr Dasein fristet.

Die tollpatschige Hầng
Eine weitere Legende erzaehlt vom Ursprung des mystischen Symboles des "Drachenkarpfens" (vietn.Cá hóa Rông). 
Das Bild dieses Karpfens dürfte sogar vielen im Ausland bekannt sein.
Der Geschichte nach war es der grösste Wunsch dieses Karpfens, ein Drache zu sein. Er arbeitete hart dafür und auf diese Weise gelang es ihm letztendlich sogar und er wurde tatsaechlich zu einem Drachen.


Das über die Grenzen Vietnams hinaus bekannte Bild vom Drachenkarpfen
Die Sage soll Kindern lehren, dass sie alles erreichen können, wenn sie nur selbst an sich glauben und für ihre Ziele einstehen.

Althergebrachter Zeichenstil
Neben den Laternenumzügen und diversen Sagen ist es zudem Tradition, dass Formationen aus jungen Profi-oder Amateurtaenzern, die mit glaenzenden und prunkvollen Drachenkostümen bekleidet sind, bereits einige Tage vor dem eigentlichen Festtag von Haus zu Haus ziehen und die Hausherren um Einlass bitten.


Drachentaenzer, die von Haus zu Haus ziehen
Stimmen die Hausherren zu, tritt die Gruppe ein und führt einen von lauten Trommelschlaegen begleiteten Tanz auf, der Glück und Segen über das Haus bringen soll.
Hierfür erhalten die jungen Taenzer dann in der Regel eine kleine "Almose", auch Glücksgeld genannt.
Diese Taenze werden wörtlich übersetzt Löwentaenze (Múa lân od.Múa Sư Tử) genannt, obgleich es ja eigentlich Drachentaenze sind.

Professioneller Drachentanz
Wie zu allen Feierlichkeiten in Vietnam üblich, nutzt man auch die Tết Trung Thu-Zeit, um Verwandte und Bekannte zu besuchen.
Zu diesen Anlaessen werden Geldgeschenke, Spielsachen und Masken an die Kinder verteilt und der traditionelle Mondkuchen wird dem Gastgeber überreicht.

Der Mondkuchen
Dieser Mondkuchen (Bánh Trung Thu)  ist ein -für gewöhnlich- viereckiges, süsses Gebaeck, in dessen Mitte sich ein hartgekochtes Ei befindet.
Ich bin zugegeben kein allzu grosser Fan dieser "Köstlichkeit", aber so gut wie alle hier sind verrückt danach und schon lange im Vorraus, verwandeln sich plötzlich Cafes oder kleine Laeden in Mondkuchen-Fachgeschaefte. 
Tische, Stühle oder Verkaufsthresen werden zur Seite geraeumt- und unzaehlige der herrlichen Schmuckkartons, meist in roter Farbe, in den Raeumlichkeiten aufgetürmt.

Das übliche Strassenbild zu Tết Trung Thu
Neben den vielen Mondkuchen werden zudem auch fast an jeder Ecke lustige Kostüme, Masken und meist wild blinkende Spielsachen für die Kinder angeboten.

Eine der praechtigen Schmuckboxen, die zu T-T-T verschenkt werden
Morgen ist es übrigens schon wieder so weit und wir werden bestimmt mit unserer kleinen zum Opernhaus fahren, um uns eine der atemberaubenden Tanzaufführungen anzusehen, die dort geboten werden. 
Schade eigentlich, denn dann wird auch das all-abendliche, lustige getrommle wieder ein Ende finden. ;)

Die Strassen sind gesaeumt von Spielzeugstaenden
Ich wünsche allen meinen Lesern ebenfalls ein schönes Tết Trung Thu, auch wenn die meisten von euch morgen sicherlich wohl eher auf der Wiesn anzutreffen sein werden! ;)

Dienstag, 25. September 2012

Vietnamesische Namen

Einige von euch haben sich sicher schon gefragt, für was mein Name "Keo" eigentlich steht,
denn im Vietnamesischen haben die Namen stets eine Bedeutung.

Für Mädchen wählt man hauptsächlich Namen, die Sanftheit und Femininität ausdrücken.
Duyên (Anmut), Hương (Duft), Tuyết (Schnee) oder Hạnh (Tugendhaftigkeit)
zum Beispiel.

Sehr grosser Beliebtheit erfreuen sich für weibliche Nachkommen aber auch die Bezeichnungen für Blumen:
Hoa (die Blume selbst), Cúc (Chrysantheme), Lan (Orchidee), Huệ (Lilie), Nhài (Jasmin) usw..

Für Jungen werden hingegen eher Namen gewählt, die Stärke, Kraft und dergleichen kennzeichnen:
Mạnh (Kraft/Stärke), Dũng (Tapferkeit), Phong (Wind), Hùng (Heldenhaftigkeit), ect.

Dinge aus der Natur, die für uns in gewisser Weise Maskulinität verkörpern, sind allerdings auch sehr beliebt für die männlichen Sprösslinge.
Beispiele hierfür sind:
Sơn (Berg), Lâm (Wald) und Hải (Meer).

Darüber hinaus gibt es Namen, deren Bezeichnungen sowohl für Jungen, wie auch Mädchen als passend empfunden werden.
Diese Namen unterscheiden sich dann zwar voneinander, haben aber die gleiche Bedeutung.

So kann z.B. "Fluss" einmal Giang (bei Männern) und ein andermal (bei Frauen) heissen.
Jungen, deren Namen in etwa die tiefe Dankbarkeit gegenüber den eigenen Eltern ausdrückt werden
Hiếu genannt, wohingegen man Mädchen -deren Name das selbe bedeutet- Thảo ruft.

Alles in allem stehen die Namen aber durchweg für positive Eigenschaften.

Das war jedoch nicht immer so, denn früher war das genau Gegenteil der Fall.
Die ausgewählten Namen sollten möglichst hässlich sein, oder zumindest für etwas hässliches stehen.
Dem dörflichen Aberglauben zufolge, sollte dadurch das Kind leichter durchzubringen sein und zudem
geschützt vor Geistern, denen der Raub der Seele des Kindes auf diese Weise angeblich erschwert wurde.

Auch das die einzelnen Namen der Kinder in richtig zusammengesetzter Reihenfolge einen ganzen Satz ergaben war nicht unüblich.
Bei der hohen Anzahl der Nachkommen innerhalb einer Familie war das auch nicht sonderlich schwer zu bewerkstelligen.

Ein weiterer Unterschied von damals zu heute betrifft den Zwischennamen (dazu komme ich gleich).

Vietnamesische Namen setzen sich in der Regel aus 3 Gliedern zusammen:

-Da ist einmal der Familienname (Họ) -am häufigsten vertreten sind zum Beispiel Nguyễn (welcher bald auch mein Familienname sein wird), Trần, Đỗ, Phạm und .
Insgesamt zählt Vietnam an die 300 Familiennamen.
Das für Westler gefühlt alle Vietnamesen Nguyễn heissen (in Wahrheit sind es "lediglich" rund 40 Prozent, die diesen Nachnamen tragen), bedeutet übrigens nicht, dass alle Vietnamesen miteinander verwandt sind.
Der Ursprung dieser Besonderheit ist auf die Kaiserzeit zurückzuführen.
Hier wurde allen Zugehörigen einer Dynastie ein einziger Name, -nämlich der des Kaisers- zugeteilt.

-Als nächstes kommt der Zwischenname (tên đệm/tên lót), an dem man zumeist auch gleich das Geschlecht seines Trägers feststellen kann. Früher war es Brauch, Mädchen mit dem Zwischennamen Thị zu versehen und für männliche Nachkommen wählte man den Zwischennamen Vân.
Auf diese Weise war es recht einfach bereits bei der blossen Nennung des Namens herauszufinden, mit welchem Geschlecht man es zu tun hatte.
Heute ist das nicht mehr so leicht, da die Zwischennamen Thị und Vân zunehmend an Bedeutung verloren haben und immer häufiger durch Namen wie Ngọc, Kim, Đức und einige weitere -die nicht geschlechterspezifisch sind- ersetz werden.

-Zuletzt erfolgt der uns haupstächlich bekannte Name, nämlich der Rufname (im Vietnamesischen tên gọi oder tên húy), den ich am Anfang des Eintrages schon ausführlich beschrieben habe.
Aber auch hier verschwimmen die Grenzen zwischen der definitiven Einteilung für Männer und Frauen so nach und nach.

Im grossen und ganzen kann man aber derzeit durch die Gesamtzusammensetzung des Zwischen-und Vornamens am Ende trotzdem noch einigermaßen erkennen, ob es sich beim "Gegenüber" um eine weibliche oder männliche Person handelt (auch wenn die Person einem eben gerade nicht gegenüber steht) ;)

Links und rechts jeweils die Namen der Eheleute, die hier zufällig beide den Nachnamen Nguyen tragen

Die Tatsache, dass oft auch gleich die kompletten Namen von entscheidenden Persönlichkeiten, Helden oder vergangenen Herrschern vergeben werden, erleichtert das Zuordnen zudem.

Schliesslich lernt hier jedes Kind bereits in der Schule, dass Minh Khai eine berühmte Nationalheldin war (die mit vollem Namen übrigens noch bezeichnend "Nguyễn Thị Minh Khai" hiess) und folglich Leute mit Namen "Minh Khai" im Normalfall weiblicher Natur sein müssen.

Bei einer Heirat unter Vietnamesen ist es übrigens anders als bei uns Sitte, dass beide Ehepartner ihren Geburtsnamen weiterführen und kein gemeinsamer Familienname gewählt wird, auch wenn das Gesetz diese Möglichkeit nicht ausschliesst.

Mein Mann und ich haben uns trotzdem darauf geeinigt, künftig einen gemeinsamen Ehenamen zu tragen,
da es im Alltag sicher einiges erleichtern wird und wir ausserdem hier beide etwas "altmodisch" veranlagt- und deshalb der Auffassung sind, auf diese Weise unsere Zugehörig- oder besser Zusammengehörigkeit ausdrücken zu können.

Früher war es - wenigstens im Umgang bzw der Kommunikation der Bevölkerung untereinander- durchaus auch in Vietnam üblich, eine Frau nach der Heirat zumindest mit dem Namen ihres Ehemannes zu betiteln.

Aus einer "Phạm Minh Cúc" wurde nach einer Hochzeit -wenn der Gatte beispielsweise den Namen "Nguyễn Khanh Trường" trug- dann einfach: "Bà (was die höfliche Anrede für eine Dame ist) Trường".
Auch heutzutage nutzen viele ältere Menschen hin und wieder noch diese Form der Anrede.

Neben der Zusammensetzung des gewöhnlichen Namens bestehend aus dem Nach-, Zwischen- und Vornamen und der Anredeform über den Namen des Ehemannes gibt es -als wäre das für den normalen Westler noch nicht kompliziert genug- zusätzlich noch eine dritte Variante. ;)
Diese wird häufig für Kinder- und Personen die einem nahestehen verwandt.
Vergleichbar ist sie mit dem uns geläufigen Kosenamen und wird "tên biệt hiệu" genannt.

Für den "tên biệt hiệu" werden bevorzugt, treffende Eigenschaften oder markante Merkmale gewählt.

So wird unsere Tochter zum Beispiel "Bi" (Murmel, Kugel) gerufen, weil sie schon als Kleinkind so wunderschöne und besonders auffällige Kulleraugen hatte.
Der Sohn eines unserer Freunde wird liebevoll "cỏ" genannt, da sein Charakter -laut seiner Eltern- bildlich wohl am passendsten mit einem Grasshalm zu umschreiben wäre, der sanft vom Wind hin-und hergeweht wird.

Die Anlässe und Gründe für die Wahl solcher Kosenamen und deren Interpretation, obliegt aber den Namensgebern und ist von Fall zu Fall bestimmt auch unterschiedlich.
Am geläufigsten sind sicherlich "Bi" (Kugel, Murmel), "Còi" (etwa wie "winzig", von kleiner Statur) oder Cún (vergleichbar mit "Welpe", "Junges").

Auch Aussagen über die Körperform werden gerne als Namenszusätze genutzt.
Ein Junge Hùng heisst und vielleicht etwas rundlich ist, wird so dann beispielsweise zu "Hùng béo", also dem "dicken Hùng", ein Mädchen mit Namen Mi, dass besonders dünn ist, wird demnach zu "Mi gây" (der dünnen Mi) usw..

Dadurch das sämtliche Namen so häufig vertreten sind, ist im Prinzip jedes Mittel recht, welches für die Zuordnung eines Namens -zu einer bestimmten Person- behilflich ist.

Mein Spitzname "Keo" (was übersetzt "Kleber" ist und nach dem auch meine Seite benannt ist),
ist zwar wirklich nicht sonderlich schön, tragen tue ich diesen Namen trotzdem gern, da er von meiner besten Freundin stammt, die ihn mir bereits in sehr jungen Jahren zugeteilt hat.
Die schlichte Wahlbegründung ist mein -noch aktueller- Familienname.
(Man kann sich vorstellen, was ich in meiner Schulzeit durchmachen musste..umso mehr freue ich mich, bald den Namen meines Mannes tragen zu können) ;)

Als ich nach Vietnam kam, wurde ich regelmässig -der Einfachheit wegen- nach einem vietnamesischen Namen gefragt und weil mir da auf die schnelle nichts besseres einfiel und anh Tùng (Wasserfichte od.Chinazypresse) jetzt auch nicht unbedingt zur kreativsten Gattung gehört, war es eben auch hier noch Keo und wird es bestimmt auch bis in alle Ewigkeit bleiben, weil die Leute sich einfach schon daran gewöhnt haben, dass ich Keo bin.
Naja...shit happens ;)

Spätestens wenn ich endlich in Besitz der langersehnten vietnamesischen Staatsbürgerschaft gelange, wird das "berichtigt", denn jeder Bürger, der einen vietnamesischen Pass hat, ist zum Tragen eines ebenfalls vietnamesischen Namens verpflichtet.
Den Familiennamen hätte ich bis dahin ja wenigstens schon mal und für den Vornamen würde ich mir dann mit Sicherheit etwas schöneres einfallen lassen ;)

Abschliessend ist zu sagen, dass der vietnamesischen Namenswahl im Grunde genommen keine Grenzen gesetzt sind und jede nur erdenkbare Bezeichnung und Konstellation möglich ist.

Beim nächsten Mal werde ich nochmal genauer auf die diversen Anredeformeln eingehen.

Wer die Kiste mit den verschiedenen Namen schon verwirrend fand, der wird bei diesem Thema dann erst so richtig viel Spass haben.. ;)

Freitag, 21. September 2012

Wenn Schwiegermütter krank sind..

..dann können sie zur Abwechslung sogar auch mal richtig zahm werden!

Zumindest, wenn man ihnen ein bisschen Angst dazu macht hehe ;)

Eigentlich hätten wir letzten Sonntag Abends zum Essen zu meiner Schwiegermutter gehen sollen.
Daraus wurde aber nicht, denn kurz bevor wir zu ihr gehen wollten (ihr Haus liegt ja nur eine halbe Gehminute von unserem entfernt) erreichte uns ein Anruf von unserer Kleinen, die uns mitteilte,
dass es der Oma ganz schlecht gehen würde und sie scheinbar grosse Schmerzen hätte.

Bereits am Nachmittag muss anh Tungs Mutter beim Arzt gewesen sein, der ihr mitteilte
dass es vermutlich eine Blinddarm Entzündung sein müsste und dass sie morgen früh ins
Krankenhaus fahren solle.

Ein Vater hält Wache am Krankenbett seiner Tochter
Dass so ein Blinddarm auch brechen kann und sich die Krankheit somit binnen kürze zur
Lebensbedrohung  steigert, weiss man eigentlich auch in Vietnam,
weshalb ich es nur noch unverantwortlicher fand, dass der Krankenhausbesuch erst am nächsten
Morgen erfolgen sollte.

Aber meine Schwiegermutter, die immer Stärke und Macht verkörpert, ließ sich selbstverständlich
nicht beirren und wollte von einer von uns vorgeschlagenen Fahrt in die Notaufnahme demnach nichts hören.
Auch mein Angebot, die Nacht vorsichtshalber bei ihr zu verbringen lehnte sie mit den Worten ab, dass das doch überhaupt nicht nötig sei.

Gott sei Dank gab es in der Nacht keine weiteren Probleme mehr und am darauf folgenden Tag brachten wir sie umgehend in die Klinik.

Das Viet-Tiep Krankenhaus in Hai Phong hat in der Stadt einen recht guten Ruf und seit wenigen Jahren nun auch einen neuen, hoch modernen Bau, der jeder besseren deutschen Privatklinik wohl in nichts nachstehen dürfte.
Ausgestatte mit der neuesten Technik und Ärzten die allesamt im Ausland promoviert haben,
schätze selbst ich -die mit westlichen Standard aufgewachsen ist- diesen Teil des Viet-Tiep`s (was übersetzt soviel wie das Vietnamesisch-Tschechisches Freundschafts-Krankenhaus heisst) als Adresse des Vertrauens.

Ein Gemisch aus Patienten und Angehörigen
Im letzten oder vorletzten Jahr, als bei mir der Verdacht eines Rezidivs meines Morbus Hodgkin bestand, ließ ich mich dort untersuchen und war wirklich begeistert.
Sowohl über die fachlichen Kompetenzen des Arztes (dessen Diagnose ich Anfangs misstraute, die sich allerdings als vollkommen richtig erwies), als auch dem Gesamtzustand und -bild des Hospitzes.

Ein gravierender Unterschied zum alten Teil der Klinik ist der, dass dort keine Bestechungsgelder angenommen werden dürfen und ..-es auch tatsächlich nicht werden!

So wird jeder Patient gleich behandelt und es kann sichergestellt werden, dass man nicht auf einer Bahre verblutet, weil der Arzt zuerst die Leute behandelt, die ihm vorher mehr Geld zugesteckt haben..

Meine Schwiegermutter fragte am Empfang fast ein wenig ängstlich und ungläubig, ob sie denn ihre Versicherungskarte auch abgeben könne, was die Empfangsdame bestätigte und die Mutter meines Mannes (die trotz oder gerade wegen ihres enormen Reichtums ziemlich auf ihr Geld bedacht ist) zu einem erfreuten aufquiecken veranlasste. :)

Aber ich schon zu weit vorraus und muss nochmal ein Stück zurück in den Ereignissen dieses Morgens.

Die Pflege der Angehörigen ist in Vietnam für gewöhnlich Familiensache
Meine Schwiegermutter steuerte nämlich zunächst einmal den ursprünglichen Trakt der Klinik an.
Dort wurde sie auf eine Liege gelegt und von einem wirklich noch blutjungen Arzt untersucht, der dementsprechend unsicher wurde, als wir an diversen Stellen nachhackten.

Er drückte ein wenig an ihrem Unterleib herum und fragte nach Art und Stärke der Schmerzen,
welche meine Schwiegermutter natürlich wieder beschwichtigte.
Erst als ich sie eindringlich ansah und ihr erklärte, dass sie die Wahrheit sagen solle und nicht die Starke markieren müsse, weil es sonst unter Umständen wirklich gefährlich für sie werden könnte, gab sie zu, dass es doch heftiger war, als Anfangs behauptet.

Nach einigem Überlegen meinte der Jüngling in Weiss dann, dass es der Blinddarm sei, aber die Sache noch nicht so akut wäre, dass man sie dabehalten müsse.
Lediglich wenn sich ihr Zustand verschlimmern würde und sie zusätzlich noch Fieber bekäme,
sollten wir unverzüglich wiederkommen.

Wir -die wir uns jedoch aufrichtige Sorgen um unsere Mutter machten- (in Vietnam wird auch die Mutter des Ehemannes oder der Ehefrau einfach nur "Me", also "Mutter" vom Schwiegerkind genannt),
gaben uns damit nicht zufrieden und bohrten mit der Gefahr eines Durchbruchs nach,
was den jungen Doktor zögern ließ.

Nach erneutem Überlegen bot er uns dann an, meine Schwiegermutter doch einige Tage zur Beobachtung dazubehalten und eine Heimkehr nur auf eigene Verantwortung zu genehmigen.
Es sei allein unsere Entscheidung.

Üblicher Anblick eines vietnamesischen Krankenzimmers
Im Krankenhaus liegen zu bleiben, ohne bereits am Sterben zu sein, kam für anh Tungs Mama jedoch nicht in Frage und sie bestand auf die Entlassung und wir zogen von dannen.

Draussen vor dem Gebäude, als mein Mann gerade das Motorrad holen ging, redete ich meiner Schwiegermutter aber erneut ins Gewissen und machte ihr klar, dass ihr unbedingter Drang danach, nur ja keine Schwäche zu zeigen sie womöglich ins Grab bringen könnte und das, obwohl die Krankheit im Normalfall keine allzu tragische Geschichte ist.

Das jagte ihr dann doch ganz schön Angst ein und sie begann zu zögern.
Dieses Zögern nutzte ich aus und überredete sie dazu, sich wenigstens noch eine zweite, meiner Meinung nach ordentliche Meinung im Neubau des Viet-Tiep`s einzuholen.

So standen wir dann also zu dritt wenig später an dessen Empfang.
Obwohl das Spital bedeutend besser besucht war, als zu der Zeit, in der ich mich dort hatte untersuchen lassen, ging es zügig voran und wir kamen rasch weiter.

Wer Geld, aber keine Zeit hat, kann sich auch "Pflegerinnen" mieten
Sie wurde vom behandelnden Arzt zum Ultraschall geschickt und während sie diesen über sich "ergehen" ließ, machten anh Tung und ich es uns im Wartebereich gemütlich und blickten auf einen der vielen Bildschirme, die über unseren Köpfen von der Decke hingen.

Ich traute meinen Augen nicht, als ich erkannte, was da gerade über die Mattscheibe zu laufen schien:
Die "Wanderung" einer Sonde durch irgendwelche Körperhöhlen.
Sehr appetitlich das Ganze. Besonders aus Perspektive des Sonden-Kopfes.

Als das Bild abrut unterbrochen wurde und sich kurz darauf die Tür eines Untersuchungszimmers öffnete und ein Patient heraustrat, machte sich ein leiser Verdacht breit, der sich beim nächsten Patienten scheinbar bestätigte, denn just in dem Moment, in dem der junge Mann im Raum verschwunden war, gabs eine neue Folge des Ekel-TV`s und noch ein weiterer vermutlich Erkrankter bescherte uns eine Episode, woraufhin ich lachend zu Tung meinte, ob dass tatsächlich die Live-Übertragung der Innereien seien woraufhin er mich im Gegenzug darauf aufmerksam machte, dass oben am Rand doch ganz klein der Name der jeweiligen Person für die Angehörigen abgebildet sei.

Sachen gibts... :)

Bevor ich aber weiter meine neue Lieblingsserie verfolgen konnte, erschien endlich meine Schwiegermutter mit positiven Neuigkeiten, denn die Untersuchungen hatten ergeben, dass es sich wohl nicht wie zuvor festgestellt um den Blinddarm handelte. Sie sah richtig erleichtert aus und freute sich, dass ihr doch nichts fehlte.

Reicht der Platz nicht, teilen sich die Patienten und Angehörige eben die Betten
"Wenn dir aber nichts fehlt, woher kommen dann die Schmerzen?!" wollte ich von ihr wissen.
So erklärte sie mir, dass sie früher an dieser Stelle operiert worden sei und die Schmerzen daher rührten.

Da hatten wir beide also nochmal Glück gehabt.

Anh Tungs Mama, weil ihr eine O.P. mit anschliessenden, sicher mindestens einwöchigen Krankenhausaufenthalt erspart blieb und ich, weil mir diese Woche ebenfalls erspart blieb, denn in Vietnam ist die Pflege der Patienten Sache der Angehörigen.

Essen verabreichen, das Stützen auf dem Gang zur Toilette, das Waschen, das Eincremen mit Wundsalben, Verabreichung von Tabletten usw..all das wird hier nicht von Ärzten oder Schwestern erledigt sondern von Seiten der Familie und in der Regel fällt diese Aufgabe der Schwiegertochter zu.
Ist der Kranke männlich, kümmert sich häufig auch ein Sohn, Bruder oder sonstiger, ebenfalls männlicher Verwandter um ihn, um Peinlichkeiten und Scham zu vermeiden.

Das Mitglied, dass zur Versorgung auserkoren wurde, richtet sich zumeist gleich im Nachbarbett-, oder auf einer aufgestellten Liege, für den Zeitraum der Behandlung mit ein.

Bin ich also ohne viel Aufwand trotzdem nochmal gut bei ihr weggekommen hehe ;)