Willkommen auf meinem Blog

Auf dieser Seite findet ihr -in den verschiedenen Rubriken unter dem Titelbild- viele nützliche Infos rund um das Thema Vietnam und zudem jede Menge lustig-bis spannende Anekdoten aus meinem Alltag, als Schwiegertochter einer vietnamesischen Familie..
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Mittwoch, 18. April 2012

(CATINAT) - Wohin mit mir und den Kindern in Sài Gòn? Vorschlag 5 – Spiel(un)moeglichkeiten

Ich wollte meinen Bericht ueber Spiel(platz) moeglichkeiten in Sài Gòn mit dem Aufsetzen einer strengen, ernsten , vorwurfsvollen Miene beginnen : Na ja, was die da in Sài Gòn fuer unsere Kleinen tun , das ist mal besch… .
Ich wurde bei meinen Recherchen eines Besseren belehrt. Hinter allen Ueberlegungen steht ja auch die Einsicht, dass der Platz fuer Freiflaechen zum Spielen fuer Kinder in einer Mammutstadt wie Sài Gòn recht spaerlich sein kann.


Koennen Kinder hinter diesen Wohnhausmauern in einem noerdlichen , wohlhabenden Bezirk von Sài Gòn , Phu Nhuanh, “im Freien” befreit spielen und Freundschaften pflegen ?

Und dennoch : Man tut was ! Alle Achtung !

Allerdings : man muss einige 100 Meter weit dahin fahren .


Da ist ein grosszuegiges Spielplatzangebot an der 94
Phan Đăng Lưu, P.5. Buslinie 36 , von Bến Thành Richtung Bến Thới An; aussteigen; Ecke Phan Đăng Lưu - Đinh Tiên Hoàng.

Nebenbei Strassennamen – Bedeutung : Phan Đăng Lưu (1902 geb. , 1941 von den Franzosen hingerichteter kommunistischer Aktivist und Patriot );
Đinh Tiên Hoàng (benannt nach dem Kaiser, der im 10. Jhdt. als erster Kaiser nach der Befreiung von der Han Dynastie die
Đinh Dynastie in Vietnam begruendete.)


Allerdings auch sehr stark frequentiert. Keine Eintrittsgebuehr. Der Belag ist Kunstrasen. Ich hatte nur Bedenken an den Schaukeln hinten , weil Kleinere sich von hinten an die ausfahrende Gondel naehern koennen. Beim Gespraech mit dem leitenden Manager der Einrichtung :”Es ist noch nie etwas passiert”. 

Sogar ein Schwimmbassin fuer Kinder vist auf dem Areal. Allerdings gebuehrenpflichtig. 


Aber welche Moeglichkeiten haben wir in der Innenstadt ? 

Da ist zum einen der Park “in drei Teilen” zwischen Phạm Ngũ Lão und Lê Lai im District 1 . Westlich wird er von der Stelle mit dem Circus (“Romeo und Julia”) begrenzt , oestlich vom Platz vor dem Bến Thành – Markt. Dieser recht gruene Parkabschnitt im Osten heisst Park 23/9 . In Gedenken an die Nacht am 23. September 1945 , als franzoesische Reaktionaere in Sài Gòn auf Vietnamesen schossen, die dort die Unabhaengigkeit nach der Erklaerung vom 2.9.1945 im Sueden der Republik weitergaben. 
 
An diesem huebschen Park mit viel Gruen und Pavillons zum Unterstellen bei Regen hatte ich auszusetzen, dass es nur ungepflegte Spielgeraete fuer Kinder gebe , bzw. gar keine mehr. Der Grund war aber : zwei Spielplaetze dort wurden von Grund auf erneuert . Sie sind nun gut bestueckt :


Und niemand schaut mehr in die Roehre :


Alles ganz neu und frisch. Weicher Bodenbelag . Scheinbar noch nicht richtig von den Kids angenommen.

Heinz –Hugo und seine Erna haben erst nur den Sandkasten vermisst. “Aber is auch wahr . Pinkeln doch nur die Hunde rein.”

Angenommen ? Oder ? Schaun wir doch mal in den attraktiven bunten Haeuschen nach . Welche Ueberraschung ! Und Erna war’s wieder echt peinlich . Darueber im naechsten Beitrag “Freizeit “.

Dienstag, 13. März 2012

(KEO) - Das Ende einer Aera?!

Gerade waren wir noch unser nächtliche Runde mit King Kông.
Schon beim ersten Schritt aus unserer Gasse viel mir auf, dass das junge Ehepaar, die für einige Monate im Haus direkt neben uns gewohnt hatten, heute nicht wie üblich nachts ihre Phở-bò (eine kräftige Rinderbrühe mit Nudeln) auf dem Gehsteig gegenüber verkauft.

Wunderbar zu erkennen, die gelbe "Trennlinie"
Das ist äusserst untypisch, denn die beiden verkaufen sonst tatsächlich 365 Tage im Jahr und selbst zu Anlässen wie Tết (dem vietnamesischen Neujahrsfest) -wo eigentlich das ganze Land still steht-, oder gar einem Todesfall in der Familie stehen die Eltern einer kleinen Tochter jede Nacht -bei Wind und Wetter- auf offener Strasse -bei schlechtem Wetter lediglich geschützt durch eine gespannte Plastikplane- und köcheln ihre Suppe.

Meist wird die Arbeit unter den Familienmitgliedern aufgeteilt
So wie diese Zwei, verkaufen bei uns in Hải Phòng und allen anderen Städten des Landes, rund alle 50 Meter geschäftstüchtige Vietnamesen ab dem frühen Abend bis etwa 2 Uhr, teilweise aber sogar bis in die Morgenstunden hinein, ihre Gerichte an Nachtschwärmer, Schlaflose, Partygänger, Pendler, Spätschichtler oder Frühaufsteher.
Für viele Vietnamesen ist das die einzige Möglichkeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und nicht weniger viele von ihnen Leben derzeit auch davon.

Die obligatorischen Platstikstühlchen
Diese kleinen "Betriebe" sind meist Familienunternehmen, in denen jeder mitanpackt und alles sozusagen noch echte Handarbeit ist.
Die Grossmutter erhitzt die Kohle des kleinen Ofens, auf dem später die Suppen und Speisen stundenlang warmgehalten werden, wäscht und sortiert die Kräuter und Beilagen während die Schwiegertochter und ihr Mann beispielsweise die grossen Knochen für den Sud in handliche Stücke hacken, Geschirr, Sossen und Getränke herrichten um dann alles auf einem Wägelchen zu verstauen, dass zu Fuß an eine Strassenecke in der Umgebung gekarrt wird.
Dort wird Abend für Abend die fahrbare "Küche" aufgebaut, winzige Plastikstühlchen und Tischchen werden aufgestellt, Stäbchen, Servietten, Zahnstocher, Zitronenstückchen, Salate und Würzmittel verteilt, der riesen Kochtopf drapiert und dann können die ersten -von nicht wenigen Gästen- kommen.
Und so wie alles Abend für Abend wieder neu aufgebaut werden muss, wird es natürlich auch jede Nacht wieder abgebaut und kleinsäuberlichst auf den Handkarren geräumt, um wieder nach Hause gezogen zu werden.

Phở bò
Diese Strassenimbisse gehören zu jedem Stadtbild Vietnams und sind im Grunde auch so etwas wie eine Lebenseinstellung für die Leute hier.

Selbst der Abwasch wird bei den typischen Garküchen vor Ort erledigt
Und nun verkündet Tùng mir -die mal wieder gar nichts mitbekommen hat- gerade auf meine verdutzte Feststellung, dass unsere ehemaligen Nachbarn heute gar nicht verkaufen, dass eben ein neues Gesetz erlassen wurde, dass das Aufstellen dieser Garküchen und Verkaufsstände nurnoch an Plätzen gestattet ist, die gewisse Kriterien erfüllen, die zumindest bei uns in der Stadt so gut wie nicht zu finden sind.
Zwar war das Ganze zuvor auch schon nicht so ganz legal, allerdings hat da die Polizei bei einem kleinen "Trinkgeld" im Normalfall noch weggeschaut und die Verkäufer weitestgehend in Ruhe gelassen.

Perfekt organisiert
Als ich meinte, das neue Gesetz sei vielleicht nur eine Art, dass derzeitige "Trinkgeld" etwas zu erhöhen, sagte mein Mann, dass es diesmal einer dieser Beschlüsse wäre, bei denen die Hüter des Gesetztes Anordnung haben, die Augen nicht zuzudrücken.

Das Fleisch für ein Phở gà wird vorbereitet
Finde ich richtig schade und bin in Gedanken bei den vielen, vielen Familien, die nun von einem Tag auf den anderen ohne Einkommensquelle dastehen. Wie sollen die sich und ihre Lieben denn nun ernähren?!
Ausserdem geht so gleich auch noch eine ganze Ecke von dem Gefühl der Sicherheit zu später Stunde draussen auf den Strassen verloren.
Es war doch irgendwie beruhigend, alle paar Meter eine Lichtquelle mit den vertrauten Leuten zu wissen..

Samstag, 11. Februar 2012

(KEO) - Leben wie die Könige

Nachdem mich vor meiner Umsiedlung nach Vietnam häufig die absurde Meinung überrascht hat,
Vietnamesen würden sicherlich allesamt noch in Holzhütten im Dschungel, in Stelzenhütten im Fluss oder sogar in Baumhäusern hinter ihren Bananenplantagen leben, will ich den "Zurückgebliebenen" hier mal einen kleinen Eindruck vermitteln, was für Unterkünfte eine nicht gerade kleine Zahl an Vietnamesen inzwischen so ihr eigen nennt.

Die Immobilie, die meine Schwiegermutter uns angeboten hatte
Die "Hütten" sind im Vietnam von Heute nämlich weit gefehlt und nach der Reise zu unseren Verwandten in einem der Dörfer in der Region Bắc Giang vor ein paar Wochen, auf der ich erstaunt festgestellt habe, dass nun bereits auch die ländlichen Gegenden nicht mehr kleckern, sonder klotzen finde ich, dass jetzt wirklich der passende Zeitpunkt für diesen Bericht ist.

Auch mit "altbackener" Küche, kann es sich sehen lasse
Dem werde ich ein einigen Tagen auch noch einen Artikel über die brandneue Designerküche meiner Schwiegermutter, mit Raumschiff-Doppeldecker-Kühlschrank hinterher schieben.

Eines von vielen, die in den Mehrstöckigen Häusern zu finden sind
Aber erstmal gibts für euch die Fotostrecke über "Buden", die noch nicht mal die echte Oberklasse repräsentieren, sondern im Stadtbild von Hải Phòng derzeit bereits Gang und Gebe sind.
Im Moment wird hier nämlich wieder gebaut, gebaut und zwischendrin auch noch etwas gebaut..

Kein deutsches Mehrfamilien- sondern ein vietnamesisches Einfamilienhaus
Heute sieht in der Stadt schon nichts mehr so aus wie gestern und übermorgen erkannt man den Strassenzug von morgen nicht mehr wieder, weil stetig noch neuere und noch moderner Bauten aus dem Boden gestampft werden. Natürlich lässt man sich dabei auch nicht lumpen und jedes neue Projekt ist von Stararchitekten und Stardesigner penibelst ausgearbeitet worden.

Wohnbereich meiner Schwiegermutter
In den grossen Städten wie Hà Nội und Sài Gòn entstehen sogar ganze kleine Städte, die wie eigene kleine Welten funktionieren. Die sind der Superlative Vietnams und ausländischen Investoren vorenthalten und auch hermetisch gegen alles- und alle anderen, mit hohen Mauern, Stacheldraht, Wachhäusern, Wachmännern und manchmal auch Wachhunden abgeriegelt.

Kann Fernsehen denn auf diese Weise Sünde sein?!
Und damit die "Schickeria", in die man als Aussenstehender gar nicht erst reinkommt, auch wirklich unter sich bleiben kann, haben diese "Themeparks" gleich ihre eigenen, seperaten Schulen, Kindergärten, Kliniken und Supermärkte.
Fehlt eigentlich nurnoch ein eigener Gerichtssaal - und natürlich: ein König!
Schlösser gebe es dort auf jeden Fall zur genüge...:

Wie für griechische Götter gemacht
So sieht der Zugang zum Himmel aus
So sauber und steril, dass man auf offener Strasse operieren könnte
So bleibt man unter sich..Die internationale Schule des Viertels, äh von Hanoi
So leer sind die Strassen Vietnams eher "selten" ;)
Aber verlassen wir Disneyland...
..und kehren zurück in die normale Welt. Aber selbst in der zieren wahre architektonische Schmuckstücke die Strassenzüge, von denen sich jede bessere Villa in Grünwald oder dem berlinerischen Gegenstück Grunewald, gut und gerne noch eine ganze Scheibe abschneiden kann..:

Eigentlich schon Standard in Hải Phòng

Modern, stil-u.geschmackvoll
Sogar unser Armenviertel, dass normalerweise immer direkt an den Bahnsträngen durch die Städte und Dörfer liegt, kann sich bei uns im Grunde sehen lassen..

Fast schon proudly presented: Das "Armenviertel"
Fast schon altmodisch, erscheinen da im Vergleich die noch nicht renovierten Gebäude in der Nachbarschaft, die allerdings mit Sicherheit nicht mehr lange in diesem Zustand bleiben werden, da bereits knapp die Hälfte des Viertels schon mit dem Umbauen begonnen hat und Nachahmer hier nie sonderlich lang auf sich warten lassen:

Unsere Nachbarhäuser
Blöd nur, dass dieser post somit Morgen schon nicht mehr akutell sein wird... ;)
(Mit besten Dank an Hanoigirl für die Bilder aus "Disneyland")

Mittwoch, 8. Februar 2012

(CATINAT) - Meine Freizeit in Sài Gòn (3.Teil)

Ich darf das alles in der Gegenwartsform beschreiben, obwohl ich „umgezogen“ bin. Allerdings nicht alleine : der Waiter aus dem Sài Gòn - Cafe ist in die Bùi Viện ins „La Vang“ gezogen , und ich zum Teil mit ihm.


Zum anderen Teil wanderte ich in die Dependance von Cappuccino gleichen Namens in der Bùi Viện . Auch dort stosse ich auf „alte Bekannte“ unter den netten maennlichen und weiblichen Bediensteten . Geschichte eben ....
13 Jahre verbinden uns. Auf dem Bild traegt er das Sofateil , auf dem er naechtigt, zum Reinigen auf die andere Strassenseite des Doppelbistros mir der einen Kueche im Hintergrund.


Meine Frau hat verstaendlicherweise einen Horror vor Alkohol : im Augenblick wieder kuemmern wir uns fast verzweifelnd um den uns so lieben Schwager, der „es nicht lassen kann“. Ich habe es versucht, ihn allabendlich zum Bier einzuladen, um den Konsum etwas zu kontrollieren. Da fand seine Frau, die Schwester meiner Frau, in ihrer Wohnung schlecht versteckt, viele Wasserflaschen mit Hochprozentigem. Die Wohnung, die sie bewohnen, durfte ich nach Jahren fotografieren – demnaechst werde ich sie hier vorstellen. Wie einfache Saigoner Staedter wohnen.



Mein Spezialgedeck im La Vang

Ich trinke abends , meistens im La Vang, ein oder zwei Pinnchen vietnamesischen Rhum zum Kaffee. Die Waiter wissen : sie bringen es mir in der weissen Tasse abgefuellt , die ich unter die weisse Muetze tue, falls meine Frau vorbeikommt. Es geht also nach so langer Zeit „familiaer“ zu.
Mehr und mehr habe ich den Geschmack daran verloren, mich anderen Gaesten dort zu widmen. Ich hoere manchmal zu. Nur wenn die Gaeste, woher auch immer, sehr, sehr nett sind und mich etwas fragen, wende ich mich ihnen zu. Meine Freunde, sagt auch meine Frau : sind die Buecher, die ich dort lese. Eigentlich alles , vom Thriller ueber Gedichte bis zu Astronomischem. Und ich schreibe. Mein drittes privates Buch jetzt. Alles dies immer in der Zeit zwischen 21 und 24 Uhr. Es ist fuer die Enkel , wenn ich nicht mehr da bin.

Inspirieren lasse ich mich dabei vom ersten Stock aus von dem Blick auf die Einmuendung der Đỗ Quang Đẩu . Ein Holzrahmen auf dem Gelaender vor mir koennte den Fernseher noch voll ersetzen. Das Programm : Sex and Crime. Drei Handtaschenueberfaelle, eine Messerstecherei, ein recht blutiger Unfall mit Motobikes. In drei Monaten. Ein Bekannter, ein netter Landsmann, ca. 35 Jahre, oft Gast im La Vang, kam dagegen vor ein paar Wochen eher unspektakulaer aber geheimnisvoll auf der Toilette seines Hotels ums Leben. 
 

                                                So kann es schon mal aussehen

Buecher kann ich schraeg gegenueber tauschen. Um Mitternacht will auch mein Waiter seine wohlverdiente Ruhe haben. Was er mit seinen Angestellten leistet, ist Schwerstarbeit . Auch wegen der Strassenueberquerungen und den Etagenstiegen.

Dann kommt auch meine Frau vorbei, und wir haben den Abend gerne beendet mit einem naechtlichen Rundgang durch die Boulevards, die nun unter die Herrschaft der Ratten fallen. Ein weiteres interessantes Thema , an dem ich arbeite.

Wir schliessen unseren Rundgang noch gerne mit einem kleinen Saftumtrunk am Rande des Boulevards Cư Trinh ab, auch mit kleiner Gruppe.


Leider, leider , auch hier Geschichte : gegenueber dem ehrwuerdigen Hotel Metropole. Das ist jetzt abgerissen. Aber hinter dem Abriss habe ich noch eine reizvolle alte Nestle-Reklame gefunden.


Das Wesen einer organischen Metropole besteht darin, dass hier etwas altes vergeht, nicht weit davon aber etwas Neues entsteht. So brauche ich mir um die Zukunft meiner Freizeit in Sài Gòn also keine Sorgen zu machen.

Samstag, 4. Februar 2012

(CATINAT) - Meine Freizeit in Sài Gòn (2.Teil)

 Ein Abstecher in die Gegenwart, wie sie aus der Vergangenheit geboren wurde. „Einer Meeresmuschel aehnlich“.


Das gute alte Sài Gòn –Café , einst schon „Kult“

Das „Cappuccino“ liegt schräg gegenüber dem Sài Gòn-Café. Falsch : „lag“ ist richtig . Das Sài Gòn -Café war sechs Jahre lang mein Stammcafé in der Đề Thám - Straße . Hier verkehrten Vietnamesen, Touristen und als Stammgäste amerikanische und englische und australische Sprachlehrer. Manche kamen , setzten sich hin und spielten vietnamesische Lieder auf der Gitarre. Der bekannteste war Richard Fuller, der auch im vietnamesischen Fernsehen auftritt. Er lehrt englische Sprache mit ungeheurem Charisma über Musik und Bewegung. Ich habe so viel gelernt von ihm. 2006 schloss das Sài Gòn -Café, das zu einem fast schon klassischen Literatencafé geworden war – nicht nur zu meinem Entsetzen. Eine Fastfoodkette namens Lotteria kaufte es und baute es um. Es hielt sich zwei Jahre. Dann gab es auf und im August 2008 zog das laute Allez-Boo ein. Ich betrachte diese Ecke gegenüber meinem derzeitigen „Cappuccino“ mit großer Nostalgie. Auf der anderen Seite erfahre ich : Ich habe schon „Geschichte“ in Sài Gòn. Unser Stadthaus liegt etwa einen Kilometer von dieser Stelle entfernt. 
 

Nach „Lotteria“- Plastikfood kam Allez Boo , vorwiegend : laut
„Gelegen“ ist diese Gelegenheit natürlich – wie könnte es anders sein ? – in einer zur Đề Thám -Strasse hin offenen Cafeteria. Es wurde dann auch mein neues „Stammcafé“ in Sài Gòn , da ich fast täglich hierhin komme. 






















Vieles hier ist recht schnelllebig.
Die nette Bedienung über- und versteht meine ersten Sprachversuche in vietnamesisch. Leider kann ich ja nicht singen, sodass mir die Intonationslexik dieser sogenannten nicht agglutinierenden Sprache schwer fällt : Die Wörter bestehen aus meist knappen Silben, die auch nicht verändert werden. Der Vorrat solcher Silben, die oft tief in der Kehle gebildet werden, ist schnell aufgebraucht. Der Kunstgriff, diese Beschränkung zu erweitern, besteht in einer sechsfach möglichen Verschiedenheit der Intonation der Vokale. Für das Ohr klingen diese Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung sehr ähnlich, für mein ungeübtes Ohr oft kaum wahrnehmbar. Für Kehle und Zunge ist die Erzeugung der Laute : „halsbrecherisch“. Meine Bemühungen fallen hier im Café mit dem überraschenden Namen „Cappuccino“ in der
Đề Thám – Strasse auf buchstäblich fruchtbaren Boden und mir wird hier alles Wünschenswerte, was Vietnamesen für europäisch-amerikanische Kost halten, zu relativ niedrigen Preisen nett serviert. Unter anderem Khoai tây chiên , Pommes Frites, in der Karte ausgewiesen als French Fries.Die Portion zu 20.000 Dong, das sind etwa 80 Cent. Der Kaffee kostet etwa 50 Cent, eine mittelgroße Pizza zwei bis drei Euro. Ein Glas Wein – rot oder weiß – aus dem ehemaligen französisch kaiserlichen Kurgebiet, vor Jahrzehnten mit Jagdmöglichkeit auf Tiger im Mittelgebirge, Dalat, kostet 60 Cent. Dieser Wein lässt die Erinnerung sprudeln und macht die Hand locker zum Schreiben.
Zum Sprachenlernen : jeder Mensch lernt anders. Ich komme am besten zurecht mit „Tiếng Việt - Vietnamese for beginners“ von Phan Văn Giưỡng. Es gibt mehrere Stufen und Baende, preislich erschwinglich. Mit CD’s und Arbeitsbuch. Auch die Beschaeftigung damit gehoert zur Freizeit.

Und das ist „Sie“ , die Schaumgeborene . Von Sandro Botticelli . Schmueckt auch das „Cappuccino“ in Sài Gòn . Đề Thám – Strasse. Natuerlich erinnere ich mich bei ihrem Anblick auch an eine ehemalige langjaehrige Freundin , die ihr nicht unaehnlich war. Psst, So etwas sagt man besser nicht seiner vietnamesischen Frau. 
 

Donnerstag, 2. Februar 2012

(CATINAT) - Meine Freizeit in Sài Gòn (1.Teil)

Ein Abstecher in die Gegenwart, wie sie aus der Vergangenheit geboren wurde. „Einer Meeresmuschel aehnlich“.

Wo ich wohne, und was noch wichtiger ist : wo ich LEBE, das hat Euch Moi gezeigt. Mein kleiner Freund von nebenan. Bekannte von mir machen den Fehler, zu glauben , dass ich in Sài Gòn  dort wohne, wovon ich zum Teil gleich berichten werde, wenn es um meine „Freizeit“ geht. Rein raeumlich sind beide Viertel , das Backpackerviertel der Đề Thám  und der Bùi Viện als Freizeitrefugium und das labyrinthhafte Altstadt - Wohngebiet  mit der Nachbarschaft der Familie von Moi  scheinbar fast eins. Weit gefehlt !
Auch wenn ich in drei Minuten von zuhause im Bùi Viện  - Đề Thám  - Phạm Ngũ Lão bin : es sind zwei Welten. 
Mein Umfeld in der Altstadt ist von Auslaendern fast voellig unberuehrt. Ich fuehre nur ganz, ganz selten einen Bekannten durch das Labyrinth mit mehreren Ausgaengen , dem am dichtesten besiedelten Flecken ganz Vietnams. Vor allem : wie man wieder hinauskommt , ohne Angst zu bekommen beim Stolpern ueber die Gruppen von Einheimischen, die draussen vor der Tuer kochen, spielen, arbeiten, manchmal sogar schlafen, trotzdem mit dem Motobike sich durchschlaengeln ...
Wie schrieb ein Forumsmitglied „ da stinkt es, da ist es laut, da ist es schmutzig“  – schrecklich. Von allem auch : ein bisschen etwas Wahres. Aber auch : der Duft der Kerzen und des Gebratenen , die Musik aus den offenen Wohnungen und das Kinderlachen  , die wunderbare Pflege von Koerper und Waesche bei jeder einzelnen Familie mit den stets sauberen Kindern .


Gut, dass besagtes Forumsmitglied so empfindet. Er kommt dann nicht hierher.

Die Frage, moechtest Du hier leben ? stellt sich mir hier nicht mehr. Die entscheidendere Frage , moechtest Du hier sterben ? -  zu der werde ich spaeter einmal im Blog hier Stellung nehmen.
Warum zeigt uns der Catinat keine Fotos aus den  Hẻms ? Ich fotografiere hier nicht. Nicht die Leute , die ich dafuer liebe, dass sie mir hier einen Alltag unter ihnen ermoeglichen.

Dabei hat alles eine Bedeutung und waere es wert , na ja , dokumentiert zu werden. Manchmal geht das mit Dingen. Der Ton (-Blech) ofen mit den drei Ziegeln zum Beispiel. Erinnert Euch an die Geschichte vom Kuechengott. Wieviel Personen kamen in der Glut um und wurden zu Asche ? Genau : drei. Ein grandioses Andenken einer uralten Kultur in ihrem Widerspruch zur chinesischen Uebereinflussung mit der Nutzung des Levirats. Eine Frau und zwei Maenner.


Heute ist fuer mich ein trauriger Tag. Vor einem Jahr hat Mois Mama die Familie verlassen. Drei Kinder sind jetzt beim Papa und seinem immerhin grossen Familienanhang. Ab und zu besuchen die Kinder mal die die Mama, die bei ihrer Familie im Mekongdelta wohnt. Sie kann nicht mehr zu uns zurueck. Vor einem Jahr um diese Zeit hat sie sich im Uebermass am Spielen mit den Gruppen vor den Haustueren beteiligt. Und dabei 5000 USD Schulden gemacht. Sie wird, so jung wie sie noch ist, nicht wieder „auf die Beine“ kommen. Ueberall wird gespielt. Eine Art Bingo, Brettspiele , alle Moegliche. Auch Moi drohte schon, einer Sucht zu verfallen : dem Internet. Da haben wir uns alle zusammengetan um ihn etwas davon zu befreien. Kein Kleingeld mehr von den Nachbarn, Absprachen mit den Internetbetreibern, am Anfang wurde er von der Familie sogar an eine Kette an die Haustuer gelegt. Man moechte sich auf die Lippen beissen, um nicht laut zu sagen : Shit - Tết.

Mois Schwestern - Nur ohne Mama neben sich
Moi und seine beiden Geschwister haben ihre Mama nicht mehr neben sich . Sie leben aber nach wie vor in einer sehr grossen , sehr gemischten Familie.
Nun habe ich mich gruendlich verquatscht. Sorry. Aber das ist Alltag hier. Zu jeder Nachbarfamilie gibt es eine Geschichte. Und was es mit der Meeresmuschel und der Geburt der Zeit auf sich hat, das : beim naechsten mal. 

Catinat

Sonntag, 15. Januar 2012

(KEO) - Was tun, wenn man kein Auto hat?!

Diese Frage stellt sich für einen waschechten Vietnamesen erst gar nicht, wenn es um die Frage der Transportmöglichkeiten geht.
Wozu auch?! Wir haben doch unsere Motorbikes!
Die Mischung zwischen "echten" Motorrädern und den niedlichen "dolce Vita", der italienischen Rollervariante.

Eine Couch?! Kein Problem
Das hier selbst bei Regen und Donner kein Mensch im geschlossenen und beheizten Auto fährt, sondern auch im grössten Unwetter brav mit seinem Zweirad durch die Strassen und Gassen tuckert, hat weniger etwas mit dem durchweg freundlicheren Klima als in deutschen Breiten zu tun, als schlicht mit der fiesen Tatsache,
dass Autos erst seit einiger Zeit auch der normalsterblichen Bevölkerung zum Erwerb geboten werden.

Ein paar Tiere?! Auch kein Problem! (Quelle nhutho06.violet.vn)
Wobei "normalsterblich" sind diejenigen, die sich am Ende auch wirklich so ein Teil leisten dann wohl nun doch nicht so ganz.
Die extrem hohen Zoll- u. Einfuhrgebühren und der gewichtige Steueranteil, lassen den Endpreis in astronomische Höhen schnellen, weshalb so ein Viertürer dann letztlich eher nur in den Wohnzimmer der oberen 10-Tausend landet.

Vergleichsweise einfach: Kleiderständer
JA, ihr habt richtig gelesen: "den Wohnzimmern"!
In Vietnam parkt man seinen fahrbaren Untersatz für gewöhnlich, nämlich noch dort, wo es am sichersten ist:
Den eigenen Vier-Wänden.

Zuhause bleiben, wegen dem bisschen Regen?! (Quelle: vietbao.vn)
Das erklärt auch die breiten Eingangstüren, die eher Eingangstoren gleichen und das Haus einer besseren Garage oder eines Ladens anmuten lassen. Das sind in der Regel grossflächige Flügeltüren, die komplett zur Seite hin aufgeschoben werden können und die komplette Hausbreite umfassen.
Zu dieser Haustüre -die meist einige Stufen weit, nach oben versetzt liegt- führt dann bei fast allen eine Rampe, über die der Schatz der Familie -das Motorrad oder Auto-, in die Wohnräume gefahren werden kann.

Wer findet den Fahrer?! (Quelle: tintuc.xalo.vn)
Jedem Ausländer stellt sich jetzt aber mit Sicherheit die Frage, "aber was wenn man mal etwas mehr einkauft, oder etwas sperriges zu transportieren hat?!" - Alles kein Problem! Die Vietnamesen sind geübt in der Kunst des Schichtens und des Stampelns. Wahre Logistikweltmeister könnte man sagen. Sollte man auch sagen, wenn man sich so auf den Strassen hier umsieht.

Eine Reifenpanne wäre kein Grund zur Panik. (Quelle: vcmedia.vn)
Da wird von Tieren, über einem Dutzend Menschen, Möbeln und Leitern, bis hin zu Kühlschränken alles aufs Motorrad gepackt oder geschnallt, was nicht niet- und nagelfest ist. Aber seht selbst in der kleinen Fotoreihe, die ich euch zusammengestellt habe, damit ihr das unfassbare, etwas besser fassen könnt.. ;) :

Möbeltransporter?! Die brauchen wir hier nicht. (Quelle: bbc.co.uk)

Die Festtagsdeko kommt auch auf 2 Rädern (Quelle: baothuathienheu.vn)

Nur ordentlich festgezurrt muss alles werden. (Quelle: vnepxpress.vn)

Dann kann auch der "Beifahrer" noch mit (Quelle: vnexpress.vn)

Nichts für schwache Nerven: Schweinetransport (Quelle: thanhphovinh.gov.net)
Die nächsten 3 benutzen zwar "Hilfsmittel" zum Transport oder sind Cyclos, aber deswegen nicht weniger spektakulär:

Ganze, oder zumindest "fast ganze" Autos (Quelle: tindachieu.com)

Ein kleiner Hänger zur Hilfe (Quelle: http://vietgiaitri.com)

Auch die Cyclos sind nicht weniger "transportfähig" (Quelle: http://vietbao.vn)
 Zum Abschluss noch eine Abbildung, wie so eine ganz normale "Haustüre" in Vietnam aussieht:

Die riesigen Flügeltüren von innen

Schiebegitter, Rolläden, Stufen und Rampen: Ein typsich vietnamesischer Hauseingang

Rollläden als moderner Schutz gegen ungebetene Gäste