Willkommen auf meinem Blog

Auf dieser Seite findet ihr -in den verschiedenen Rubriken unter dem Titelbild- viele nützliche Infos rund um das Thema Vietnam und zudem jede Menge lustig-bis spannende Anekdoten aus meinem Alltag, als Schwiegertochter einer vietnamesischen Familie..
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Mittwoch, 3. Juli 2013

Vietnamesische Anredeformen

In vielen asiatischen Ländern -so auch Vietnam- ist es Tradition, sein Gegenüber
nicht einfach nur mit dem blossen Namen anzusprechen, sondern diesem jeweils
einen gewissen Titel voranzustellen.

Für diese vorn angestellten Titel gibt es ein -für "Laien"- scheinbar unerschöpfliches
Repertoire an Anredefloskeln, die sich nach der Beziehung zum Gegenüber, dessen
Alter-,  Rang- und teilweise auch dem Geschlecht richten.

Das hört sich zwar schlimm an, ist es aber in Wahrheit nur halb so wild!

Mit ein klitze-klein, wenig auswendig lernen ist das schnell drin und ein paar Mal
angewandt praegt es sich dann auch so ein, dass man es innerhalb der benötigten
Zeitfrist abrufen kann. ;) -Schliesslich kann man seine Gäste oder Gastgeber ja nicht
erst nach einer Stunde begrüssen ;)

Wie versprochen werde ich euch heute eine ausführliche Erläuterung zum Thema
geben und beginne mit den Anredeformen der Familienmitglieder, da sich von denen
eigentlich auch die Prädikate für sämtliche, andere Betitelungen ableiten.

Um die ganze Sache ein bisschen übersichtlicher und einfacher für euch zu gestalten,
habe ich euch die Bezeichnungen für die verschiedenen Konstellationen in einer
vietnamesischen Familie in einer selbstgebastelten Grafik zusammengefasst ;) :



Um weiterhin möglichst leicht nachvollziehbar für euch zu veranschaulichen, gehen
wir nun mal davon aus, dass das nette Geschwister-Pärchen in der Mitte der
Zeichnung wir sind. Also ihr meine lieben Leser und ich. Erstmal herrzlichen
Glückwunsch zu unserer grossen Familie und dem reichlichen Kindersegen,
den unsere Eltern erfahren haben ;)

Überhaupt ist die Familie ja recht Mitgliedes-reich, was jeden Vietnamesen
bereits ziemlich erfreulich wäre, denn einen grossen Clan um sich zu scharen,
ist der Lebensinhalt vieler.

Aber bleiben wir bei den, dem Vornamen vorn-angestellten Titeln.

Wie ihr im --ich glaube es war der- vorletzten Eintrag ja schon feststellen konntet,
gibt es in Vietnam nur eine recht begrenzte Auswahl an Nach-bzw. Familiennamen.

Da nun z.B. rund die Hälfte der Vietnamesen "Nguyễn" als Nachname trägt,
ist es relativ sinnlos, sich mit diesem Namen vorzustellen.

Wenn man mit 10 anderen Leuten im Wartezimmer einer Arztpraxis sitzt und 5
Leute der wartenden den selben Namen tragen wie man selbst, würde es ein
beträchtliches Durcheinander geben, wenn als nächster Patient einfach nur Herr
oder Frau "Nguyễn" aufgerufen würde.

Beispielsweise in Deutschland wo Familiennamen so abwechslungsreich und
vielfältig sind, wie Sand am Meer, kommt es nur in den seltensten Fällen vor,
dass mal jemand den gleichen Namen hat. Es gibt zwar auch hier welche,
die öfter vorkommen, so wie Meier oder Müller, aber in der Masse wiegt das
bei weitem nicht so schwer wie in Vietnam. Um eventuellen Verwechslungen
vorzubeugen musste man sich hier darum etwas einfallen lassen.

Die Menschen mit ihrem Vornamen statt dem Nachnamen anzureden, ist ein
Teil davon. Allerdings kommt es auch mit dieser Hilfe noch zu Verwechslungen.
In Vietnam sind zwar im Grunde genommen so gut wie alle Namenswünsche
und Konstellationen erlaubt, verwendet werden für die Namensgebung jedoch
trotzdem meist nur die "üblichen 10 Verdächtigen", wenn man so will ;)

Um das Ganze demnach wirklich so gut wie Eindeutig zu machen und Irrtümer
auszuschliessen, wird dem Vornamen dann noch der Rang der Person angehängt.
Diese Ränge haben in Asien eine lange Tradition und beruhen auf dem seit jeher
bestehenden Hirarchiestrukturen der Asiaten.

Zudem spielt das Individuum keine sonderlich grosse Rolle in Laendern wie
Vietam und wer sich mit jemanden unterhaelt, setzt sich stets in eine Beziehung
zum anderen. In der vietnamesischen Sprache handelt es sich hierbei um den
Ausdruck familiärer Beziehung zueinander, weshalb ich auch den Stammbaum
oben vorweggeschickt habe.

Das im westlichen Sprachgebrauch stets verwendete -jedoch auch sehr
unpersönliche- "ich"  und "du" gibt es so im Vietnamesischen eigentlich nicht,
bzw es ist sehr unhöflich und findet normalerweise keinerlei Verwendung.
Für "ich" gibt es das Wort "tôi" (oder "mình" wenn man über sich selbst spricht)
und auch für "du" gaebe es das Wort "mày". Letzteres ist allerdings so salopp
und frech, dass es anstandshalber für gewöhnlich durch "bạn"
(Freund/Bekannter) ersetzt wird. Ich "tôi" und du "bạn" sagt man aber in Vietnam
nur dann, wenn die Person mit der man es zu tun hat, nicht klar eingeordnet werden
kann...Heisst wenn z.B.unklar ist, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt,
oder sich das Alter nicht wirklich einschaetzen laesst.

In allen anderen Faellen spricht man sein Gegenüber dann üblicherweise mit
"grosser Bruder", "Tante" oder "Onkel", usw an. -sprich man setzt sich zumindest
verbal in eine familiaere Beziehung. Woran sich festmachen laesst, ob der
Gesprächspartner aber nun als grosse Bruder, als Tante oder als Onkel bezeichnet
wird, dass erkläre ich euch jetzt:

Kommen wir deshalb erstmal zurück zu unserer Grafik und "uns" (ihr erinnert euch,
"wir" sind das niedliche Geschwisterpaerchen in der Mitte der Abbildung). Sprich
wir sind "Em". Ihr (die Leser) meinetwegen der Junge, ich das Maedchen.

Unsere grosse Schwester sprechen wir mit "Chị" an, was übersetzt wörtlich
"grosse Schwester" bedeutet und unser aelterer Bruder ist "Anh". Also
"grosser Bruder". Dem fügen wir dann noch den Vor- oder Rufnamen des
jeweiligen Geschwisterteiles hinzu. Heisst unsere grosse Schwester "Mai" mit
Vornamen, wird sie somit "Chị Mai" (grosse/aeltere Schwester Mai) von uns
gerufen.

Das eigene Geschlecht spielt für die Wahl der Anrede unseres Gegenübers keine
Rolle, wenn wir jünger sind. Entscheidend ist lediglich das Geschlecht der Person,
die wir ansprechen wollen. Von daher ist es auch egal, ob ihr meine Leser
(die ihr ja maennlich seid) oder ich selbst (die das Maedchen darstellt) unseren
grossen Bruder, oder unsere grosse Schwester rufen. Es sind immer "Anh" oder
"Chị" - unser grosser Bruder oder unsere grosse Schwester und wir sind im
Gegenzug (völlig gleich ob ihr oder ich, also ob maennlich oder weiblich) immer
"Em" (der jüngere Geschwisterteil - demnach kleiner Bruder UND 
kleine Schwester).

Wir haben nun bereits "Anh" -den grossen Bruder, "Chị" -die grosse Schwester
und "Em" -uns selbst wobei gleich ist ob wir maennlich oder weiblich sind.
Das mag auf den ersten Blick vielleicht etwas viel erscheinen, ist aber dafür im
Grunde genommen auch schon die halbe Miete der Anredeformen, denn diese
3 Pronomen verwenden wir auch, wenn wir auf weiter entfernte Verwandte wie
Cousins oder Cousinen, Arbeitskollegen und Freunde, oder uns völlig fremde
Menschen treffen, bei denen bereits ersichtlich ist, dass sie in etwa max. den
Altersunterschied zu uns haben, den ein grosser Bruder oder eine grosse
Schwester eben für gewöhnlich haetten. Diese sind in der Regel ja höchstens an
die 15 Jahre aelter als wir (selbstverstaendlich gibt es auch den einen oder
anderen, dessen od.deren Eltern auch in sehr hohem Alter noch fleissig waren u.
der od.die deshalb einen Geschwisterteil hat, zu dem der altersmaessige Abstand
vielleicht sogar 20 Jahre oder mehr betraegt, allerdings ist das alles andere als
die Norm und wird deshalb nicht in unsere Veranschauung miteinbezogen) :)

Ich hoffe das ist einigermaßen verstaendlich bis hierher.
Treffen wir also jetzt auf jemanden, von dem wir wissen -oder bei dem
offensichtlich ist, dass sein Altersabstand zu uns max. an die 15 Jahre betraegt,
dann sprechen wir auch diese Person je nach seinem Geschlecht entweder mit
grosser Bruder, oder kleiner Schwester an und betiteln uns selbst dabei als "Em".

In umgekehrter Reihenfolge, sprich wenn wir die Person sind, die etwa um
höchstens 15 Jahre aelter ist als unser Gespraechspartner, dann bezeichnen wir
uns als "Anh" (als grossen Bruder, wenn wir maennlich sind) oder als "Chị"
(grosse Schwester, wenn wir weiblich sind) und nennen den oder die anderen
geschlechterunabhaengig "Em".

Wie es sich bei Menschen verhaelt, die nochmal etwas- bis hin zu wesentlich
aelter sind und wie diese im Gegensatz widerum uns ansprechen, werde ich euch
dann im naechsten Eintrag, dem zweiten Teil der vietnamesischen Anredeformen
erlaeutern und euch eine Tabelle erstellen, in der alles dann nochmal schön
ordentlich und übersichtlich zusammengefasst ist, damit ihr am Ende jede der
im Gespraech benötigten Pronomen auf einen Blick nachschlagen könnt.

Montag, 1. Juli 2013

Impressionen aus Hội An

Eigentlich wollte ich lediglich für einen Beitrag die schönsten
Schnappschüsse aus Hoi An von meinem Bruder und seiner
Freundin für euch heraussuchen, aber am Ende habe ich
beim durchgehen so viele eindrucksvolle und atemberaubende
Bilder entdeckt, dass ich mich nicht entscheiden konnte und
das Ganze aufgrund der Menge wohl über 3-5 Beitraege
werde aufsplitten müssen...

Ich nehme aber mal schwer an die Bilder werden euch mindestens
genauso gut gefallen wie mir und es wird euch von daher nichts
ausmachen, demnaechst mehrere dieser Eintraege hier vorzufinden.

Aber ich will euch gar nicht allzu lange auf die Folter spannen und
lege nun einfach mal mit den ersten Aufnahmen los.
Ich wünsche euch viel Spass beim betrachten! :)
(Übrigens bei Klick auf das erste Bild gibts die Grossansicht)









































Sonntag, 18. November 2012

Đàm Vĩnh Hưng - Ein Kuss geht um die Welt

Hin und wieder sehe ich mir den Newsticker auf meinem Blog durch, der die letzten Nachrichten über und aus Vietnam in den deutschen Medien anzeigt.

Dabei bin ich heute überraschenderweise über das kleine Skandälchen mit "Đàm Vĩnh Hưng" gestossen.

"Mr.Đàm" wir er noch genannt wird, ist sicherlich mit einer der bekanntesten und besten Sänger in Vietnam, die ich kenne.
Er hat eine einmalige Stimme mit grossem Wiedererkennungswert.

Ich kenne die meisten seiner Lieder im Schlaf und hatte dadurch vor drei Jahren, etwa zur gleichen Zeit wie jetzt die riesengrosse Ehre, mit ihm auf der Bühne zu stehen und eines seiner Lieder im Duett mit ihm singen zu dürfen.

Saenger und Entertainer Đàm Vĩnh Hưng

Es gibt ein Video von diesem Abend, an dem er hier in Hai Phong im MGM-Club performt hat und ich könnte mich so dermaßen in den A...llerwertesten beissen, dass ich es mir bislang nicht geholt habe, denn ich fürchte nach so langer Zeit werde ich nicht mehr drankommen. :(
Auch die Bilder, die meine Begleiter mit ihren Handys geschossen haben sind durch die Beleuchtung und den Ton von so selten schlechter Qualitaet, dass sie im Grunde unansehnlich sind, was ich mehr als bedaure.

So einen beeindruckenden Moment hat man sicher nur einmal im Leben und mir ist in Zeiten von Facebook, Twitter, Apps, Smartphones und Co nichts geblieben, ausser der Erinnerung an diesen Abend. :(

Mein Mann, sein Cousin, dessen Frau, ein paar weitere Freunde und ich hatten einen Tisch in vierter oder fünfter Reihe. Wir waren schon laenger nicht mehr gross ausgegangen und bester Laune.
Mit meinen blonden Haaren blieb ich nicht lange unentdeckt und auch das ich lautstark jedes der Lieder mittraellerte ist "Mr.Đàm" nicht verborgen geblieben und so laechelte er schon kurz nach Beginn seines Auftrittes alle paar Minuten in meine Richtung.

Die mehr schlechte als rechte Qualitaet der einzigen Bilder dieses Abends :(
Als er dann aber irgendwann anfing über mich zu sprechen und mich auf die Bühne rief, war ich trotzdem alles andere als darauf vorbereitet. Waere schön gewesen, wenn ich mir vorher wenigstens einen oder zwei von der Flasche Whiskey auf unserem Tisch genehmigt haette, damit das Herz nicht ganz so tief in die Hose gerutscht waere, aber wir waren mit aelteren Familienmitgliedern unterwegs und da gehört es für mich zum guten Ton, auf Alkohol oder Zigaretten zu verzichten.

Also bin ich dann sehr wenig selbstbewusst auf die Bühne geführt worden und wurde da von einem strahlenden Đàm Vĩnh Hưng in Empfang genommen, der mich so gleich allerlei Zeug fragte.
Unsere Unterhaltung fand komplett auf Vietnamesisch statt und so war er hinterher scheinbar fast so beeindruckt von mir, wie ich von ihm.
Er ist ein furchtbar fröhlicher und natürlicher Mensch. So hatte ich ihn mir ehrlich gesagt auch vorgestellt.
Nachdem wir unser nettes, kleines Plaeuschchen vor tausend Augenpaaren die auf uns gerichtet waren beendet hatten, bat er mich ein Lied mit ihm zu singen.

Ich kenne zig Lieder von ihm, aber meint ihr mir waere eines eingefallen?! :)
Ich stand also etwas ratlos da und er schlug dann "Khóc cho người đi" (wörtl.übersetzt soviel wie: "weine für den, der geht") vor, dass wir strophenweise zusammen zum besten gaben.

Eine Whitney Houston oder eine Mariah Carrey sind sicherlich das genaue Gegenteil von mir und zudem ist die Version dieses Liedes von Đàm Vĩnh Hưng auf eine maennliche Stimme zugeschnitten:
Kurzum: Es klang bestimmt fürchterlich beschissen :) aber die Leute fandens total geil. haha :)
(Vielleicht ist es ja auch gar nicht so schlecht, dass es keinerlei Zeugnisse dieses Ereignisses mehr gibt) ;)

Das Bild, das scheinbar weltweit für Aufsehens sorgt ;)
So, jetzt bin ich ein bisschen vom eigentlichen Thema des heutigen Beitrages abgeschweift.. ;)
Jedenfalls ist "Mr.Đàm" eine bekannte Grösse in Vietnam und saemtlichen Laendern, in denen Vietnamesen Zuhause sind und augenscheinlich Homosexuell.
Die allerdings lediglich "augenscheinlich", denn ein offizielles "coming out" (die offene Bekentniss zur Vorliebe fürs gleiche Geschlecht) blieb bei ihm bislang noch aus.

Trotz seines hohen Bekanntheitsgrades unter den Vietnamesen auf diesem Erdball kann ich mich aber nicht entsinnen, jemals in auslaendischen Medien -besonders den deutschen- von ihm gehört zu haben.
Zumindest bis vorhin nicht, als ich die Nachrichten des Newstickers durchging.
Dort entdeckte ich doch tatsaechlich gleich 2 Links zu Online-Nachrichtenportalen, die über ihn berichten:

-Die Abendzeitung München ( http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.vietnam )
-Das Onlinemagazin Queer (http://www.queer.de/detail.php?article_id=17863)

Der Anlass dafür:
Im Zuge einer Wohltaetigkeitsveranstaltung, bei der Spenden für Tumorkranke Kinder gesammelt wurden, hat der engagierte "Herr Đàm" eine Flasche Wein versteigert und als Dreingabe einen Kuss für den- oder die jenige geboten, welcher die Flasche ersteigert.
Und das waren ausgerechnet 2 buddhistische Mönche. Die zahlten sage und schreibe 55 Mio. Dong für das Gebraeu. Das sind immerhin rund 2.100 €
Weil das ein bisschen viel ist, für eine einfache Flasche "Sprit", gabs ja aber noch den Kuss von "Mister Đàm" oben drauf. Für einen der beiden Mönche mitten auf den Mund, für den anderen einen galanten Handkuss und das alles vor laufender Kamera und einem Millionenpublikum.

Der weitaus weniger "dramatische" Handkuss für Mönch Nr.2 ;)
Das blieb allerdings nicht ohne Folgen, wobei wohl weniger die Tatsache Auslöser für die allgemeine Empörung war, dass ein Mann hier einen anderen küsst, sondern das es sich hierbei ausgerechnet um einen Möch handelte.
Mönche in Vietnam leben genau wie Prister in Deutschland normalerweise in strengem Zölibat und es ist ihnen ebenfalls untersagt eine Ehe oder geschlechtliche Beziehung einzugehen, oder gar Kinder zu zeugen.

Meiner Meinung nach hat das aus diesem wirklich minder schweren Zwischenfall so einen Skandal gemacht.
Das der nun aber sogar bis nach Deutschland Wellen schlaegt, finde ich schon etwas sehr absonderlich!
Die Sache ist dem Kultusministerium scheinbar ziemlich unangenehm und peinlich und man hat Đàm Vĩnh Hưng kurzerhand eine 3 monatige Auftrittssperre verpasst und zu einer Geldstrafe von 5 Mio. Dong(?) verdonnert und auch den beiden Mönchen 3 Monate "Hausarrest" verpasst.

Der Saenger hat sich nach dem Zwischenfall übrigens ausdrücklich und mehrfach bei dem in Mitleidenschaft gezogenen Mönch entschuldigt und ihm gesagt, er solle nicht traurig sein.

Ich finde eine Bestrafung zwar ein klein wenig übertrieben, wesentlich übertriebener finde ich jedoch, dass die deutschen Medien nun über dieses Thema berrichten, wobei selbstverstaendlich mal wieder die Gunst der Stunde genutzt- und über den strengen Kommunismus und das langjaehrige Ein-Parteien-System geschrieben wird.
Als haette man selbst nicht genug Fehler im eigenen System..

Aber es ist natürlich schon `ne riesen- und aeusserst berichtenswerte Sache, wenn am anderen Ende der Welt ein Sack Reis umfaellt... ;)

Hier für euch jedenfalls noch der Youtube Clip von Đàm Vĩnh Hưng`s "Khóc cho người đi" zum reinhören:

Freitag, 9. November 2012

Ahnenverehrung


Ich habe mich im Laufe der Zeit hier immer mehr der vietnamesischen Lebensart
zugewand und den Grossteil der Lebensweise eines Vietnamesen übernommen.
Dazu gehört natürlich auch einer der wichtigesten Aspekte im vietnamesischen
Alltag: Die Ahnenverehrung.

Anh Tùng beim anzünden eines Raeucherstaebchens
Ich war zuvor keinerlei Glauben oder Religion zugewandt und mir seit jeher meine
eigene Glaubensweise zurechtgelegt. Dazu gehörte schon immer mein tiefer Glaube
an "Geister".

Beim Verrichten meines Gebetes
Das klingt jetzt so ein bisschen nach "Ghost-busters" oder so aehnlich, hat aber nichts
mit Spukgespenstern an sich zu tun sondern mit den Seelen unserer verstorbenen
Vorfahren und Mitmenschen.

Auch meine liebe Mama ist von der vietn.Ahenverehrung überzeugt
Von daher war ich sehr empfaenglich für die vietnamesische Ahnenverehrung,
die im Grunde im ganzen Land praktiziert und gelebt wird und sich durch saemtliche
Schichten des taeglichen Lebens hier zieht.

Eines der unzaehligen Geschaefte mit Zubehör für die Ahnenverehrung
So hat im Prinzip jeder(!) Haushalt in Vietnam mindestens eine separate Ecke,
oder wenn die Raeumlichkeiten dies zulassen ein ganzes Zimmer,
in dem ein Ahnenaltar aufgebaut ist.

Unser mit Opfergaben bestückter Ahnenaltar
Der Ahnenaltar ist ein sehr hoher, hölzerner Tisch, auf dem -wenn vorhanden-
Bilder unsererAhnen, sprich der verstorbenen Mitglieder der Familie drapiert
werden.

Ein typischer Ahnenaltar in Vietnam
Neben diesen Bildern gehört ein Gefaeß mit Sand zum abbrennen von Raeucher-
staebchen in der Mitte des Tisches, ein Gefaeß mit Salz, eines mit trockenen
Reiskörnern, ein kleines Porzellan-Teeservice -welches mit Wasser gefüllt wird,
dass man regelmaessig wechselt-, 2 Vorrichtungen für Kerzen, 2 Vasen für Blumen
und ein grosser Teller auf einem kleinen Sockel für Opfergaben sozusagen
zur Grundausstattung.

Der Altar meiner Schwiegermutter, schön zu erkennen die einzelnen Gegenstaende
Je nach Geldbeutel und tiefe des Glaubens, bereichern viele ihren "Bàn Thờ"
(den Ahnenaltar) mit blinkenden Buddha-Statuen, elektrische Kerzen,
leuchtende Seerosen, Götterstatuen, und reich verzierte Wandbilder aus Gold.

Hier ein reich verzierter Altar
Der Ahnenaltar sollte sich nach Möglichkeit an einem hohen Punkt des Hauses
befinden und dehalb ist der Raum in dem er aufgestellt wird meist unter dem Dach.

Opfergaben zu Anfang und Monatsmitte des Mondkalenders
Am Ersten und Fünfzehnten des Monkalenders, bringen wir unseren Ahnen dann
jeden Monat Opfergaben, zünden Raeucherstaebchen für sie an und beten zu ihnen.

Tellerchen mit Blütenköpfen
Die Opfergaben für diese regelmaessigen "Zeremonien", die sich "Thắp Hương"
nennen, sind recht einfach und bestehen lediglich aus einem kleinen Tellerchen,
auf dem sich eine "Trầu Cau"-Frucht mit Blatt befindet, von der ich leider nicht
weiss, wie sie auf Deutsch heisst, einem Tellerchen mit Blumen"köpfen",
einigen Früchten und dem von mir im Blog bereits einige Male beschriebenen
"Geistergeld", dem "Tiền Vàng".

Ein Teller mit der  "Trầu Cau"-Frucht
Dazu entfachen wir in ungerader Zahl (da dies sonst Unglück bringt) Raeucher-
staebchen "Nén Hương", die ich einfach als "Cây Hương" kenne
(wörtlich übersetzt soviel wie "Duftstab" - "Nén Hương" waere dann übersetzt
die Duft-Kerze - die Zeremonie "Thắp Hương" an sich demnach schlicht
Raecherstaebchen anzünden), entzünden dazu eine Zigarette und stecken diese
auf den Stab eines bereits benutzten Raeucherstaebchens. Brennt die Zigarette
bis auf den Filter herunter, ohne dabei die Asche zu verlieren, ist dies ebenfalls
ein gutes Omen. Danach sprechen wir zu unseren Vorfahren und kürzlich
verstorbenen Familienmitgliedern.

Das "Geistergeld - Tiền Vàng", dass wie echtes Geld aussieht
Wir bitten sie um Beistand oder Hilfe, erzaehlen von unseren Sorgen und Nöten
und berichten ihnen von den aktuellen Ereignissen innerhalb der Familie,
wie z.B. der Geburt eines Kindes, der Einschulung eines der Kinder,
einer neuen Arbeitsstelle, der Krankheit eines Angehörigen, einer bevorstehenden
Prüfung, einem Umzug oder einer wichtigen anstehenden Entscheidung, usw.

Ein paar einfach Früchte, hier: Drachenfrucht und Mango als Opfergabe
Die Ahnen bleiben schlicht Teil der Familie und den Geschehnissen innerhalb dieser
und man setzt sie über Veraenderungen und Neuem in Kenntnis und sucht
wie zuvor waehrend ihrer Lebzeit Rat bei ihnen und hofft auf ihre Unterstützung.

Die übliche Haltung beim beten zu den Vorfahren
Wenn jemand stirbt, bleibt dessen Seele hier und wacht über uns.
Nach Ende des "Gebetes", waehrend dessen die Haende flach aufeinender gelegt,
mit den Fingerspitzen nach oben zeigend vor der Brust oder dem Kopf gehalten
werden, verneigt man sich drei Mal oder hebt und senkt drei Mal die so formierten
Haende.

Auswahl der Opfergaben an Feiertagen
Neben diesen beiden Riten zum 1.und 15. des Mondkalenders "Âm Lịch", über den
ihr euch auf der "Mondkalender und Tierkreiszeichen"-Seite informieren könnt,
werden auch noch zu allerlei gesonderten Daten Opfergaben gebracht.

Set mit den Gefaeßen für den Altar
Zu diesen jaehrlich wiederkehrenden Anlaessen, die als "Thờ Cúng"
(übers. Verehrung) bezeichnet werden und die feste, vorgegebene Ablaeufe haben,
fallen die Gaben darüber hinaus viel reichlicher und auch unterschiedlich voneinander aus.

Wesentlich reicher Gaben zu besonderen Anlaessen
Für gewöhnlich beinhalten sie aber allesamt dann Schnaps, Zigaretten, verschiedene
"Papierwerke" zu denen ich gleich noch kommen werde, verpackte Süsswaren,
Unmengen an Früchten, ein mit Blütenköpfen verzierter Teller, Blumen für die und
grossen Vasen die sozusagen zur Grundausstattung des Altars gehören, Raeucher-
staebchen und riesige Silbertabletts gefüllt mit ausgewaehlten Speisen.

"Canh Măng" - eine Suppe mit vietnamesischen Spargel
Gemeinsam haben diese Speisetabletts normalerweise eine Schale Reis, einen Teller
mit "Xôi" - Klebreisgericht (das bei Kochen durch Zugabe gewisser Zutaten in allen
möglichen Farben angerichtet werden kann), "Thịt Gà" -Ein gekochtes Huhn,
"Canh Măng" - eine Spargelsuppe, ein Schaelchen mit Gewürzsalz und Zirone und
natürlich frische Früchte.

"Xôi" - Das Klebreisgericht, dass es in versch. Farben und Ausführungen gibt
Diese Menüs werden zu den diversen Feiern jeweils noch um einige Gerichte
ergaenzt wie zum Beispiel zum "Tết" - dem Neujahresfest um: "Chân Giò/
Nấm Hương" - Eisbein mit Shiitake-Pilzen, "Miến Nấu Lòng Gà" - Eine
Glasnudelsuppe mit Hühnerinnereien, "Nem rán" - gebratene Frühlingsrollen,
"Thịt Đông" - Sülze, ein Bratgericht, "Giò Lụa" - etwa wie Gelbwurst, "Nộm"
- Ein Salat und "Dưa Hành Muối" - eingelegte Scharlotten
(hoffe das schreibt man so).. :) Was hier zu diesem Anlass keinesfalls fehlen
darf ist: "Bánh Chưng" - der traditionell-, viereckige Neujahrs"kuchen",
der jedoch alles andere als süss ist ;)

Übersicht über die typsichen Speisen zur Neujahrs-Opfergabe
Insgesamt sollten es an Neujahr mind. 10 verschiedene Speisen sein, die aber je nach
den Geschmaeckern der Leute und den Beschaffungsmöglichkeiten ein klein wenig
variieren dürfen. Das Ganze ist ja immerhin keine Millitaerparade.

"Bánh Chưng" - der traditionelle Klebreiskuchen zu "Tết"
Beim Ritual für den Küchengott, dem unser Betragen im alten Jahr vorgetragen wird,
ist beispielsweise hingegen ein Mahl mit frisch gebratenem Fisch am wichtigsten.
Ansonsten sind die Speisen denen zu "Tết" aber recht aehnlich.

Die drapierten Gaben für den Küchengott
Das reich gefüllte Silbertablett zu "Tết" wird dann in der Neujahrsnacht auf dem
Grundstück drapiert-sofern man eines hat, was in Vietnam aber fast nurnoch auf dem
Land vorkommt würde ich sagen, ansonten eben auf dem Hausaltar- und gegen
Mitternacht werden schliesslich Raeucherstaebchen entfacht um zu beten und um
die Geistern und vielen Götter für das folgende Jahr wohlgesonnen zu stimmen.

Mögliche Speisenzusammenstellung zur Ehrung "Ông Thờ`s"
Zum Abschluss wird sich wieder 3 Mal leicht verneigt bzw die Haende geschwaenkt
und sobald die Raeucherstaebchen erloschen sind, werden die Speisen angerichtet
und im Kreise der Familie gemeinsam miteinander verzehrt.
Wie in allen anderen Situationen, spielt das Essen wie man sehen kann auch bei
der Ausübung des Glaubens eine der grössten Rollen.

Zu Neujahr werden die Ahnenverehrung nach Möglichkeit auf dem Grundstück vollzogen
Hinterher wird das vorhin von mir angesprochene Papierwerk in einem kleinen
Blechofen in Brand gesteckt. Darunter befindet sich das Geistergeld, dass in der Regel
auch zu den gewöhnlich Gebeten verbrannt wird und bei den gesonderten
Begebenheiten wie den beiden oben beschriebenen, zusaetzlich noch ganze Packete
gefüllt mit kleinen Papiergegenstaenden, zum Beispiel dem Kleiderset von "Ông Thờ"
dem Küchengott, mit winzigen Schühchen und dem was da so nach Hasenohren
anmutet: Seinem Kopfschmuck. Selbst miniatur-Pferde oder Autos gibt es.

Anh Tùng mit den Papierwerken zur Ehrung des Küchengottes
Für das Beten hat man übrigens sogar Vordrucke, nach deren Texten man sich richten
kann, wenn man möchte. Was man allerdings nicht unbedingt muss.
Überhaupt ist alles recht zwanglos. Es gibt zwar feste Ablaeufe und man findet
den Glauben so gut wie überall wieder: Sei es bei einer Geschaeftseröffnung, wo um
Erfolg gebeten wird, einer Heirat, wo das Paar vor dem Altar betet und um
Zustimmung und den friedvollen und glücklichen Verlauf der Ehe bittet,
der Geburt eines Kindes, bei dem für dessen Gesundheit und positive Entwicklung
gebetet wird, einem Hauskauf usw. Die Bauern bringen kleine Gaben an den Rand
ihres Feldes und bitten um eine üppige Ernte.

Mein Mann und meine Tochter ins Gebet vertieft
 Aber wenn jemand nicht zu jedem 1. und 15. des Mondmonates seine Opfergaben
bringt, oder an Neujahr lieber feiern geht, als Zuhause die Ahnen zu ehren,
wird derjenige deshalb nicht vom Glauben ausgeschlossen.

Abschiedskuss für das Pferd aus Papier, dass gleich den Flammen übergeben wird
Der Ahnenglauben ist allgegenwaertig in Vietnam und auch grosse Religionen wie das
Christentum oder zeitweise Verbote seitens wechselnder Machthaber oder Besatzer
konnten sich nicht gegen ihn durchsetzten.

Und am Ende darf man alles aufessen :)
Auch mit dem Tod wird hier ganz anders umgegangen, als z.B. in Deutschland,
Österreich, oder der Schweiz.
Das letzte wovon man bei einer Beerdigung in Vietnam sprechen kann ist eine
"stille" Trauerfeier, aber davon berichte ich euch im naechsten Eintrag dieser Reihe.