Willkommen auf meinem Blog

Auf dieser Seite findet ihr -in den verschiedenen Rubriken unter dem Titelbild- viele nützliche Infos rund um das Thema Vietnam und zudem jede Menge lustig-bis spannende Anekdoten aus meinem Alltag, als Schwiegertochter einer vietnamesischen Familie..

Dienstag, 30. Juni 2015

Về Quê - Besuch auf dem Land

Wer den Blog ueber die Jahre mitverfolgt weiss, dass ich nicht nur mit
meiner Schwiegermutter nicht immer ganz eins war, sondern es mir
besonders vor den Fahrten zur weitlaeufigeren Verwandtschaft auf dem
Lande stets besonders graute.

Aber im Jahr der Ziege sollte sich nicht nur die Beziehung zu Tungs
Mutter schlagartig verbessern, sondern die zur Dorfverwandtschaft
gleich mit...


Fuer gewoehnlich drueckte ich mich mit Ausfluechten wie Krankheit
oder erfundenen- bis hin zu absichtlich auf diesen Zeitraum gelegten
Terminen vor den alljaehrlichen Pflichtbesuchen in "Bắc Giang", dem
nord-oestlich der Hauptstadt "Hà Nội" gelegenen Heimatdorf,
der Familie meines Mannes.

Waehrend ich mir den Kopf zerbrach, wie ich mich auch heuer moeglichst
unauffaellig aus der Affaere ziehen konnte, kam bereits die drohende
Ansage von Tung: und wehe mir, ich wuerde nicht mit von der Partie sein!
Schon viel zu lange sei ich nicht mehr dort gewesen und gerade jetzt,
wo seine Mutter doch so guter Dinge waere, duerfte ich keinesfalls Zuhause
bleiben! Na klasse, dachte ich mir im Stillen.


Der junge Braeutigam im schwarzen Smoking
Man muss wissen, dass unter den etlichen Omas und Onkeln und
Cousins und Schwagern und Schwipp-Schwaegerinnen und so weiter
und sofort, ein mir ausserordentlich verhasster -ich glaube Ehemann
einer Cousine- war, der mich damals als ich noch voellig unbefangen
und unvoreingenommen die ersten Male mit aufs Land gefahren bin,
vor versammelter Mannschaft total runtergemacht und offen vor allen
beleidigt hat. So sehr, dass ich im Anschluss sogar Pipi in den Augen
hatte und die einzigste, die Partei fuer mich ergriffen- und mich (wie
eine Loewin ihr Junges) verteidigt hatte war Bi, meine geliebte
(Stief-)Tochter. Alle anderen haben gelacht und sich koestlich amuesiert
-und ich sie seither aus tiefsten Herzen gehasst!

Mein lieblings-"Schwager" (re.) und der "verhasste Cousin" (li.) geben sich gegenseitig die Ehre ;)
Nicht einmal Tung hielt es fuer noetig, das Wort fuer mich zu
ergreiffen und hat die Situation seither auch immer runtergespielt und
meinte "oooch, das sei doch nur ein Spass von A....(wie Arsch-entschuldigt
bitte die harsche Wortwahl) ;) gewesen und er haette eben ein wenig zu tief
ins Glas gesehen, oder aber ich muesste A (wie Arsch) verstehen, er kaeme
halt vom Land und haette einfach noch Vorurteile etc.

Verstaendnis?! -So, so. Haette im Gegenzug jemand von meiner
Familie Tung auch nur schief angesehen (da haette noch nicht mal
jemand etwas falsches oder unhoefliches sagen brauchen!), ich
schwoere euch, er haette nie wieder auch nur einen Fuss auf deutschen
Boden gesetzt, so gekraenkt waere er gewesen! Und ich sollte also
Verstaendnis haben und Nachsicht aufbringen fuer eine Person, die
mir vor versammelter Mannschaft ins Gesischt sagt, wie sch.....
Deutsche Frauen sind und was fuer Schla..... wir im Grunde genommen
waeren.

Blick vom Balkon auf den Hinterhof und einige Nachbarhaeuser
Verstaendnis konnte ich dafuer beim besten Willen nicht aufbringen,
allerdings den Anstand, mich nicht auf dieses Niveau herabzulassen
und ihm ebenfalls irgendwelche Beleidigungen entgegenzuwerfen.
Ich stecke beim Versuch eine gute und achtbare, vietnamesische
Schwiegertochter abzugeben bereits mehr als genug weg und schlucke
Dinge runter, die ich mir -nach den Jahren in Khanh's Familie und
der darauffolgenden Krebserkrankung- geschworen hatte, nie wieder
runterzuschlucken und wegzustecken! Lediglich des Protokolles wegen
Anstandsbesuche zu initiieren, die fuer mich eine solche Qual darstellen,
wuerde ich mir jedoch mit Sicherheit nicht mehr antun!

Doch dieses Jahr gab es offensichtlich kein Entrinnen und so biss ich
in den sauren Apfel und fuhr nach Jahren der Abwesnheit wieder mit
auf's Land, wo die groesste der Ueberraschungen seit meiner Rueckkehr
aus Deutschland auf mich warten sollte...

typische Maennerrunde mit Cousin A (re.) in weiss..
"Cun", eine der beiden Lieblingscousinen meines Mannes und meiner
selbst, die zwischenzeitlich im Ausland arbeitete, war ueber Neujahr
zu Besuch gekommen und hatte (und jetzt kommt's) ihren amerikanischen
Freund "Michael" gleich mitgebracht!

Und den fand verhasster Cousin A so toll und cool, dass dieser sich
staendig an mich wandte (diesmal wusste er sogar meinen Namen und
rief mich "Keo" statt "con Tay", was je nach Betonung und Hintergrund
mitunter auch ziemlich herablassend und beleidigend gemeint sein kann)
und bat mich am laufenden Band fuer ihn zu uebersetzen. Ich sprach
-abgesehen von ihm- ja beide Sprachen fliessend und war als notwendiges
Sprachrohr zwischen ihm und Michael ploetzlich wahnsinnig in seinem
Ansehen gestiegen! Endlich war ich nicht mehr allein! Jetzt war nicht
mehr ich der "Alien" unter den Anwesenden, sondern ein von allen
akzeptiertes und bekanntes, langjaehriges Familienmitglied. Mit einem
Schlag gehoerte ich fuer sie dazu, war ich endlich auch eine von ihnen
und das zeigten sie mir ab da auch. Nie hatte ich mich so wohl- und
angenommen in meiner Haut gefuehlt, wie an diesem Nachmittag bei
unserer Familie.



Von da an war "Michael" der Auslaender unter uns. Nicht mehr ich!
Was fuer ein herrliches Gefuehl. So lange hatte ich seit Tungs und
meiner Hochzeit vor bald sieben(!) Jahren unter der miesen Stimmung
und Abneigung derer gelitten, die eigentlich meine neue Familie sein
sollten und nun hatte sich das Blatt endlich gewandelt!

Als an diesem Nachmittag verkuendet wurde, dass wir gegen Ende
des Monats erneut anreisen sollten, um die Hochzeit von Cousin X
zu feiern, freute ich mich aufrichtig auf diesen erneuten Besuch.
Dieser wurde, wie der vorige zu Tet ebenfalls ein richtig schoener,
ausgelassener Tag, an dem wir endlos viel miteinander gescherzt,
uns gegenseitig geneckt (jedoch war nicht mehr ich das Ziel dieser
Neckereien) und endlos viel miteinander gelacht haben.

Schwager Hung bei seinem Staendchen zu Ehren des Brautpaares
Cun und Michael sind mittlerweile zwar zurueck in den Staaten ,
aber ich werde weiterhin als gewoehnliches Familienmitglied
behandelt und weiss , dass ich das nun auch wirklich bin....


video

Wir haben uns praechtig darueber amuesiert, als mein Schwager Hung, vor lauter 
Feuchtroehlichkeit, statt der Glueckwuensche zur Hochzeit versehentlich alles 
Gute zum Geburtstag wuenschte... :D 
Den wirklich lustigsten Clip von allen finde ich aber leider nicht mehr :(

Montag, 29. Juni 2015

Der Start ins Jahr der Ziege

Das diesjaehrige Neujahrsfest war trotz aeusserst verspaeteter Ankunft,
anders als die vorangegangenen ueberaschend gelassen und entspannt.
Obwohl oder vielleicht gerade weil ich erst einen Tag vor Tet nach Hause
gekommen bin und so den Grossteil der anstehenden Arbeiten verpasst
habe, konnte ich das Fest zum ersten Mal bewusst erleben und zur Ab-
wechslung sogar mal ein bisschen geniessen. :)


Fuer gewoehnlich habe ich um diese Jahreszeit so viel zu tun, dass ich
gar nicht weiss wo mir der Kopf steht und wo ich zuerst hinlangen soll.
Dadurch verpasse ich regelmaessig all die Dinge und Momente, die die
Schoenheit dieses Festes ausmachen und bin jedes Mal froh, wenn ich
es dann endlich hinter mir habe. Urspruenglich hatte ich befuerchtet,
dass der Stress sich in diesem Jahr durch meinen unguenstig gelegenen
Ankunftstag sogar noch verdoppeln und verdreifachen wuerde, weil mir
ja eine ganze Woche an Vorbereitungszeit fehlte, aber das genaue Gegen-
teil war der Fall und statt die Arbeit fuer meine Rueckkehr aufzusparen
hatten mein Mann und meine Schwiegermutter das meiste einfach schon
selbst erledigt. Was fuer ein Segen!


Ich brauchte nicht mehr zu tun, als die Fuesse hochzulegen und mir das
Rege treiben und Spektakel anzusehen...Naja ok, zugegeben ganz so
gemuetlich war es dann doch nicht, aber fast ;) Jedenfalls konnte ich in
Ruhe mit meiner Familie essen und mir das Feuerwerk ansehen und ein
paar Fotos vom Dach des Hauses meiner Schwiegermutter aus davon
schiessen! Auch die anschliessenden Tage war nichts vom ueblichen
"Termindruck" und gehetze zu spueren, da die Mutter meines Mannes
beschlossen hatte, keine uebermaessigen Besuchs-Marathone und Unter-
nehmungen zu starten. Dafuer war sie diesmal schlicht zu erschoepft.


Die Fahrt zum "Chùa Hương", der Duftpagode im Umland von Ha Noi,
am 2. Neujahrsfeiertag liess sie sich dann aber doch nicht nehmen und
lud uns -was fuer sie recht unnatuerlich ist- sogar dazu ein, sich ihren
Freunden und ihr anzuschliessen, was wir letztlich auch taten. Es wurde
ein wirklich schoener Tag, mit viel Gelaechter und tollen Erinnerungen.
Die "Clique" meiner Schwiegermutter war ganz anders als erwartet-, ein
voellig gelassener und gewitzter Haufen und in deren Mitte lernte ich
eine ganz neue Seite von Tungs Mutter kennen. Sie hat richtig Sinn fuer
Humor bewiesen und viele Scherze gemacht und gemeinsam mit den
anderen ueber Telefon sogar einen Bekannten des illustren Haufens auf
den Arm genommen. Auch mir selbst gegenueber schien sie ab diesem
Tag eine gaenzlich neue Platte aufgelegt zu haben und verhielt sich mir
gegenueber ungemein freundlich und zuvorkommend. So kannte ich sie
bislang gar nicht. Der Grund hierfuer koennte zum einen vermutlich in
meinem eigenen -seit meiner Rueckkehr aus Deutschland wenige Tage
zuvor- veraenderten Aeusseren und Verhalten (ich war wesentlich relaxter,
ausgelassener und gespraechiger als sonst)  und zum anderen auch in der
Tatsache zu finden sein, dass wir ihrem diesjaehrig-, geaeusserten Wunsch
auf Nachwuchs nicht gar so abgeneigt begegnet sind wie fuer gewoehnlich.


Erstmalig haben wir die Option auf kuenftigen Nachwuchs offengelassen,
statt sie umgehend vom Tisch zu fegen und allen erzaehlt, die es hoeren
wollten, dass wir uns nun schon bald an die "Produktion" machen wuerden.
Was jedoch bislang trotz grosser Worte noch nicht ernsthaft geschehen ist ;)
Aber wir schliessen es immerhin nicht mehr komplett aus  Nicht einmal ich,
die bislang ja eher so gar nichts mit dem Thema anfangen konnte, finde die
Vorstellung, so ein kleines Wesen-, eine Mischung aus Tung und mir zu haben
eigentlich recht nett. Im Moment ist es aber schlicht zu heiss fuer solche
Scherze ;) Wo wir uebrigens gerade beim Nachwuchs sind, unser anderer,
wart seit meiner Ankunft noch nicht gesehen, da kurze Zeit zuvor ihre leibliche
Mutter auf einen ihrer spaerlichen Besuche nach Viet Nam gekommen war
und die Kleine seither in beschlag genommen hatte. Sehr zum Leidwesen
meiner Schwiegermutter, die dann jedes Mal darunter leidet, dass Bi sich
ueberhaupt nicht mehr blicken laesst oder zumindest bei ihr meldet, was ich
auch echt gut nachvollziehen kann. Besonders wo ihre Mutter genau ueber
Neujahr angereist ist und Bi ueber das gesamte Tet-Fest bei sich hatte, ist dass
sehr gedanken-und taktlos von Bi's Mutter gewesen, unsere Tochter nicht
wenigstens in der Silvesternacht kurz vorbeizubringen, damit die ihrer Oma und
Ziehmutter ein frohes Neues haette wuenschen koennen.


Diese Aktion zeugt einmal mehr vom lausigen Charakter der Erzeugerin
unserer Maus. Aber was soll man sich aufregen. So selten, wie die Gute sich
bei ihrer Tochter sehen laesst, wird Bi davon voraussichtlich nicht weiter
negativ beeinflusst werden in ihrem Denken und Handeln. Hoffe ich jeden-
falls ;) Hinterher gab's jedenfalls ne kleine Standpauke von mir, weil Bi
zwischenzeitlich alt genug ist, um selber auf solche Dinge zu achten und
sich unabhaengig von ihrer Mutter bei ihrer Oma haette melden muessen.


Weil ich beim diesjaehrigen Neujahrsfest so wenig Pflichten zu erfuellen hatte,
hatten wir die restlichen Feiertage ueber dann noch ausreichend Zeit zur
Verfuegung, um unsere Freundschaften zu pflegen und ausgiebige Essen mit
ihnen zu initiieren, die allesamt total klasse waren.
Wenn ich auch den Jahreswechsel auf deutschem Boden verschlafen habe, so
hatte ich im Anschluss  immerhin einen superschoenen Start ins Jahr der Ziege
in meiner Wahlheimat, an den ich selbst jetzt noch gerne zurueckdenke, hat er
meine Einstellung zum vietnamesischen Tetfest doch grundlegend veraendert. :)




Freitag, 26. Juni 2015

Ankunft in Viet Nam und das Wiedersehen mit Tung

Selbst im Flieger war ich noch kraeftig am weinen, obwohl ich
mich zu diesem Zeitpunkt natuerlich insgeheim schon laengst auf
mein Zuhause in Viet Nam, Tung, unsere Kleine, King Kong u.
die Katzen freute. Ich finde die verwunderten und verstoerten
Blicke der anderen Fluggaeste immer so lustig, wenn man in
einem Flieger der Thai Richtung Bangkok sitz, wo eigentlich
alles in den Urlaub geht und jeder guter Dinge ist und dann sitzt
da so eine und heult fortwaehrend leise vor sich hin... :D
Keine Ahnung, was die sich denken muessen, was mit mir nicht
stimmt. Die meinen sicherlich ich haette einen an der Waffel ;)

Nachdem es die erste laengere Trennung seit Anbeginn unseres
gemeinsamen Lebens war, war ich mega gespannt darauf, wie das
Wiedersehen mit Tung verlaufen wuerde. Sonderlich vermisst
hatte ich ihn die letzten Wochen meines Aufenthaltes ja ueber-
raschenderweise nicht mehr, so heftig die Trennung Anfangs
auch gewesen ist. War nach bald sieben Jahren Ehe vielleicht
einfach die Luft raus und die Beziehung, wie meine damalige
mit Kenny (die fast genauso lang angedauert hat) lediglich
noch gewohnheit, oder wuerden evtl.doch nochmal die Funken
spruehen? Bald wuerde ich es erfahren. Innerlich spielte ich
bereits mit dem Gedanken meine Rueckkehr nach Deutschland
vorzubereiten, sollte da tatsaechlich nichts grossartiges mehr
zwischen uns sein. Ab dem Zwischenstopp am Flughafen in
Thailand, von dem aus es dann direkt nach Ha Noi geht wurde
ich zunehmends nervoes.

Nach der Landung freute ich mich jedenfalls erstmal riesig,
endlich wieder vietnamesischen Boden unter meinen Fuessen
zu spueren und war total ueberrascht und schwer beeindruckt
von dem Wandel, den unser Flughafen Noi Bai vollzogen hatte.
Waehrend meiner Abwesenheit war scheinbar ein komplett
neues Gebaeude fertiggestellt worden, dass in einem hellen,
freundlichen und modernen Glanz erstrahlte. Die Aufmachung
erinnerte mich ein wenig an die Terminals in Muenchen. Kein
Vergleich zum winzigen, alten Ankunftsbereich von frueher! Ich
war richtig erstaunt und somit wenigstens kurzfristig von den
weichen Fuessen abgelenkt, die ich zwischenzeitlich bekommen
hatte. Beim warten auf meine Gepaeckstuecke bewunderte ich
zwar ausgiebig das neue Ausgabeband und die schoene, grosse
neue Halle, merkte aber dennoch dass langsam aber sicher mein
Herz anfing wie wild zu schlagen und das verschlimmerte sich
beim Gang durch den Zoll auch noch. Jedoch nicht aufgrund der
Zollbeamten, sondern weil das der letzte Schritt vor der Tuere war,
hinter der mein Mann mich in Empfang nehmen sollte.

Kurze Zeit nach meiner Rueckkehr nach Viet Nam

Mein Versuch ihn irgendwo hinter den Scheiben zu erspaehen
blieb erfolglos und auch als ich schliesslich nach draussen-, in
das Meer Wartender trat, weit und breit noch immer keine Spur
von ihm! Allerdings hatte ich das Gefuehl, dass er mich -im
Gegensatz zu mir-, sehr wohl bereits konnte. Dadurch steigerte
sich meine Aufregung ins unermessliche. Wuerde Tung sich ueber
meine Rueckkehr freuen? Und was wuerde er bei meinem Anblick
empfinden? Ich kam mir die paar Meter, die ich den Waagen mit
meinen Koffern schob ungemein tollpatschig und doof vor. Das ich
vor lauter Ausschau halten meinem Vordermann mehrmals hinten
in die Fersen fuhr, machte die Sache nicht gerade besser...Aber
dann sah ich ihn endlich! Mit einem breiten Grinsen im Gesicht
stand mein Mann da und ich haette ihm eine reinhauen koennen,
dass er es sich nicht hatte nehmen lassen mich ausgiebig zu beobachten
und erst den ganzen Weg langlaufen liess, bevor er auf mich zugetreten ist
um mich von meinen Qualen zu erloesen.

Mir selbst war mittlerweile das Herz vollends in die Hose gerutscht
und in meinem Bauch flogen die Schmetterlinge wie wild umher,
aber am Blick meines Mannes konnte ich erkennen, dass es ihm
genauso ging. Was fuer eine Erleichterung! Wie schoen zu sehen, dass die
Liebe und das Feuer doch noch nicht erloschen sind und unsere Ehe doch
nicht eingeschlafen- und lediglich noch die Macht der Gewohnheit war.
Unser Wiedersehen war alles andere als gewoehnlich und das beruhte zum
Glueck auf Gegenseitigkeit.


Hinterher erzaehlte Tung mir, dass er sich tatsaechlich die Zeit ge-
nommen hatte mich erst einmal in Ruhe zu betrachten und sich ein
Bild von mir zu machen, ehe er mich begruessen kam. Ausserdem
hat er gemerkt wie ich mich gewunden habe und sich diebisch daruber
gefreut. Genau wie ueber die Tatsache, dass ich dem hochgewachsene
 "Tay" vor mir mehrmals hinten reingefahren bin. Er meinte er sah
zuerst mehrere andere Westlerinnen aus dem Zollbereich kommen und
dachte sich wie jung und gutaussehend die seien und wie erstaunt er
dann war als letztlich auch ich herauskam, weil ich mich in den ein-
einhalb Monaten so sehr veraendert hatte. Seine Worte, wieviel juenger
und schoener er mich fand und wie stolz und erfreut er darueber war, so
eine huebsche-, jugendliche- und obendrein noch europaeische Frau zu
haben gingen selbstverstaendlich runter wie Oel! Besonders wo man ihm
so deutlich ansehen konnte, dass er sie wirklich ernst meinte und min-
destens ebenso "frisch verliebt" war, wie ich.

Die gesamte, dreistuendige Fahrtzeit von Ha Noi zurueck nach
Hai Phong hielten wir Haendchen oder lagen aneinander gekuschelt auf
der Rueckbank des Waagens und schliefen. Zuhause angekommen
stuerzte sich mein kleines Scheisserchen King Kong sofort auf mich und
kam dabei schier um vor Freude ueber meine Rueckkehr. Meine Ankunft
haette nicht besser verlaufen koennen. Allerdings waehrte der Zauber nur
kurz, denn schon am naechsten Tag stand das Tet-Fest vor der Tuere und
mit ihm warteten meine Schwiegermutter und  jeeeede Menge Arbeit auf
mich..... :p

Donnerstag, 25. Juni 2015

Rueckkehr in die Heimat

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Kaum hab ich mich umgedreht,
sind schon wieder gut zweieinhalb Jahre vergangen, seit ich das
letzte Mal bei meiner Familie in Deutschland war. Damals hatten
Tung und ich geplant, spaetestens zur WM im Sommer 2014
zurueck zu sein, um nicht erneute drei Jahre vergehen zu lassen,
bevor wir meine Leute besuchen. Aber dann kamen Miu, Bi und
Na und mit ihnen die Problematik, kuenftig nicht mehr gemein-
sam verreisen zu koennen, da stets jemand Zuhause sein muss,
um unsere Ansammlung an Vierbeinern zu versorgen.

Wiedersehen mit meinem besten Freund
Bei Fremden werden die voellig panisch. Selbst meiner
Mama, die sie nun schon einige Male gesehen haben und die
stets ueber einen laengeren Zeitraum bei uns ist, trauen sie
nicht richtig ueber den Weg und verstecken sich auch nach
ueber vierzehn Tagen noch vor ihr. Zudem gibt es im naeheren
Umfeld niemanden, dem wir unsere Bande sorglos anvertrauen
wuerden, weil die meisten Vietnamesen im Umgang mit Tieren
doch noch recht unachtsam und unzuverlaessig sind.

Im Laden meiner Eltern, vor meinem Gang zum Friseur
Einzig unsere Tochter Bi kaeme fuer uns in Frage, jedoch ist
die durch das hohe Lernpensum das sie hat, letzlich ebenfalls
keine wirklich ernsthafte Option und so bleibt schlicht, dass
ich nurnoch alleine fliegen kann. Besser gesagt allein fliegen
"muss", denn Spass ist das keiner fuer mich. Zum einen, weil
ich unter schrecklicher Flugangst leide, zum anderen weil
Tung und ich seit ich herkam um mit ihm zu leben noch nie
auch nur eine Nacht voneinander getrennt verbracht haben..

..und hinterher!
Die Frage meiner Eltern kurz vor Weihnachten, ob ich nicht
fuer einige Zeit heimkommen koennte, um meinem Papa bei
einer baldigen Hueft-OP beizustehen und meiner Mama
unterdessen etwas im Laden zu helfen, stellte mich somit vor
eine schwierige Entscheidung. Mehr noch als ich erfuhr, dass
sogar mein so innig geliebter King Kong diesmal nicht mit
mir reisen koennte, da die einzig verbliebene Airline (die
kleine Hunde in der Kabine befoerdert hat) nun ebenfalls
ihre Bestimmungen geaendert hatte. Die Mitnahme von
Bubu als "Gepaeck" bzw Cargo stand fuer mich aus Sicher-
heitsgruenden und folglicher Sorge um sein Wohlergehen
nie zur Debatte.

krank und verfroren auf der Couch meiner Eltern
Obgleich Tung unsere Zwerge super gern hat und sie total
verwoehnt und verzieht, ist er beim Thema "Umsicht walten
lassen" leider sehr vietnamesisch veranlagt und nimmt
das nicht immer so genau, wie es mir lieb waere. Zu wissen,
dass er fuer mindestens eineneinhalb Monate, wenn nicht
sogar laenger nun der alleinige "care-taker"  fuer unsere
"Babies" sein sollte, loeste demnach in mir alles andere als
ein behagliches Gefuehl aus. Besonders wegen King Kong.
Mein King Kong...mein Schatten, der der so auf mich
fixiert ist, dass er mich nicht mal beim sch..... aus den
Augen laesst. ;) Und erklaeren kann man es ihnen ja auch
nicht, warum man nun ploetzlich nicht mehr da ist und
wann man wieder kommt.

Papa einige Tage nach der OP
Kurzum: mir ging's total schlecht damit, aber ich liebe
meine Eltern ueber alles und sie haben mein Leben lang
so viel fuer mich getan und alles fuer uns drei Kinder ge-
geben, dass ich trotz meiner Aengste gar nicht anders
konnte, als zuzusagen. Tung war ebenfalls nicht sonderlich
begeistert, stimmte dann aber trotzdem meinem ursprueng-
lichen Flugtermin einen Tag vor Weihnachten, bis Ende
Januar als Rueckflugsdatum zu und so ging ich buchen.

Das wunderschoene Winterwetter, dass mich empfing
Urspruenglicher Flugtermin uebrigens deshalb, weil am
eigentlichen Abflugtag etwas geschah, dass denke ich nur
uns passieren kann: In der Nacht auf den 23.Dezember
viel der Strom aus und weil unser elektronisch gesteuertes
Rolltor im Eingangsbereich derzeit noch an keinen
separaten Generator fuer solche Faelle angeschlossen ist,
sass ich hier fest. Gluecklicherweise konnte ich das Ticket
gegen eine "kleine" Gebuehr umbuchen und trat meine
alleinige und aeusserst traenenreiche Reise in die alte
Heimat kurz vor Silvester schliesslich doch noch an.

Extra zur Hochzeit angereist und eingeflogen ;)
Kaum daheim, wurde ich erstmal richtig krank und
verbrachte mein erstes Neujahrsfest auf deutschem Boden
seit 7(!) Jahren Zuhause im Bett. Die erste Zeit verstrich
unendlich langsam und ohne Tung fuehlte ich mich
ziemlich fehl am Platze und unaufgeraeumt. Ich weinte
und bereitete meine Mutter bereits darauf vor, dass ich
eventuell schon bald wieder abreisen wuerde. Allerdings
stand die Operation meines Vaters bevor und zudem
hatte ich versprochen zu helfen und konnte jetzt unmoeg-
lich einen Rueckzieher machen. Und als ich mich dann
erholte und anfing im Laden zu arbeiten und meinen
besten Freund Markus endlich wieder sah, fuehlte ich
mich langsam aber sicher wohler in meiner Haut.
Einzig die unbaendige-, fuer mich nach so langer Zeit
absolut ungewohnte Kaelte machte mir noch zu
schaffen, aber auch das wurde stetig besser.

total gluecklich
Nach wenigen Wochen hatte ich meinen Rhytmus ge-
funden. Den grossteil des Tages verbrachte ich im
Laden meiner Eltern und die Abende und Wochen-
enden Kaffee trinkend, ratschend und lachend mit
meinem Freund Markus. Viet Nam, mein Mann und
sogar mein geliebter King Kong waren in unver-
schaemt weite Ferne gerrueckt. Mein grosser Bruder,
der ebenfalls Markus heisst nahm mich dann auch
noch mit in die Kletterhalle und entfachte damit
meine Leidenschaft fuer diesen supergeilen Sport.

Ausflug mit Markus ins Nachtleben
Gemeinsam mit einem weiteren Markus, dem besten
Freund meines Bruders Markus, "meinem" Markus
und den ehemals besten Freunden meines anderen
Bruders Daniel, Benni und Cengiz, sah ich zum ersten
Mal seit Jahren eine Diskothek von innen und feierte
und tanzte mit ihnen bis in die fruehen Morgenstunden.
So quaelend lang mir der Anfang vorgekommen war,
so rasend schnell verging der Rest meines Aufenthaltes.

Eine leichte Rute zum warm-werden
Nach der standesamtlichen Hochzeit meines grossen
Bruders und seiner langjaehrigen Freundin Ende
Januar, haette eigentlich schon der Abschied genaht,
aber Stimmen wurden laut, ich moege doch verlaengern
und als mein Vater erfuhr, dass die im Anschluss an die
OP festgesetzte Reha zwei Wochen laenger dauern
wuerde als geplant, tat ich das auch. Mein neues Rueck-
reisedatum sollte der 16. Februar sein. Genau einen Tag
vor dem anstehenden Tet-Fest in Viet Nam. Fuer mich
-auf die um diese Jahreszeit Zuhause unendlich viel
Arbeit wartet- eine ziemlich bescheuerte Aktion, aber
wann wuerde ich schon nochmal die Gelegenheit
haben, einen so unglaublich schoenen "Urlaub" mit
Familie und Freunden zu verbringen?!

Pause beim Klettern
Die letzten vierzehn Tage vergingen dann jedoch
ebenfalls wie im fluge und irgendwann war der
Moment der Abschiednahme gekommen, der mind.so
traenenreich verlief, wie der eineinhalb Monate zuvor
in Viet Nam. Aus meinem hoch und heiligen Ver-
sprechen, schon wenig spaeter wiederzukommen ist
natuerlich bis heute wieder nichts geworden. Die
eigentliche Hochzeitsfeier von Markus und meiner
Schwaegerin habe ich somit verpasst und bin im
nachhinein froh, wenigstens bei der standesamtlichen
mit von der Partie gewesen zu sein.

trotz Hoehenangst!
Jedenfalls moechte ich die Gelegenheit nutzen und
mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meiner
Familie und all meinen guten Freunden bedanken,
die mir die schoenste Zeit seit Jahren geschenkt
haben. Dankeschoen an meinen Bruder Markus,
dafuer dass er laestig geblieben ist und mich mit
zum Klettern geschleift hat, danke an alle, die mich
zum Gang zum Friseur ueberredet haben ;) und
ganz besonderen Dank an meine kleine Yolo-biene
Markus, der sich als selbstlosester, treuester und
wahrer Freund erwiesen hat und mich mangels
eigenen fahrbaren Untersatz immerzu herum-
kutschierte und trotz der vielen Arbeit und eines
grossen Freundeskreises so, so viel Zeit mit mir
verbracht hat!

Nach der standesamtlichen Hochzeit meines Bruders
Ich habe lang nicht mehr so viel Spass gehabt
und so ausgiebig gelacht. Und last but sicher
not least, danke auch an meine Eltern fuer all
die Liebe und Unterstuetzung, die sie mir seit jeher
zuteil-kommen lassen. Ihr alle habt mir waehrend
dieser Reise das unglaubliche Gefuehl gegeben
nach wie vor geliebt und vermisst zu werden und
immernoch fester Bestandteil dieses, euren Lebens
zu sein, obgleich ich mich schon so viele Jahre
daraus verabschiedet habe. Ihr habt mir gezeigt,
dass ich auch ausserhalb Viet Nams noch ein
Zuhause mit Menschen darin habe, fuer die es sich
lohnen wuerde zurueckzukommen!

Abschied am Muenchener Flughafen

Dienstag, 23. Juni 2015

Das traurige Schicksal von Bi

Einer der Gruende fuer den so langen stillstand des Blogs,
der mich in ein tiefes Loch hat fallen lassen, aus dem ich
auch nach mehreren Monaten nur schwerlich wieder heraus-
gefunden habe, ist das spurlose Verschwinden unseres kleinen,
dicken "Ungluecksraben" Bi.

Bi war der rot-weiss-gemusterte Kater, der etwa eine Viertel-
stunde vor seiner juengeren Schwester Na, als eines von 
lediglich zwei Kindern im Dezember des vorletzten Jahres
von unserer Katze Miu zur Welt gebracht worden war.


Damals war Miu (die wir mit einer kaputten Pfote, voellig
unterernaehrt, todkrank und geschwaecht), von unserem
direkten Nachbarn "uebernommen" hatten selbst noch fast
ein Kind und zum Zeitpunkt ihrer Schwangerschaft
geschaetzt wohl erst knapp ueber einem halben Jahr alt.

Geschaetzt deshalb, weil wir das genau Alter nie bestimmen
konnten, da wir den Geburtstermin nicht kennen. Allerdings
konnte uns meine Mama anhand einiger Merkmale zumindest
ein ungefaehres Alter nennen.


Tung und ich waren zwar nie sonderlich grosse Katzenfans,
aber Miu tat uns so leid und war zudem in einer so dermaßen
schlechten Verfassung, dass wir wussten wir haetten ihr
Todesurteil unterschrieben, haetten wir sie nicht zu uns ge-
nommen.

Es war ein langer und harter Kampf, aber letztlich haben wir
ihn gewonnen und Miu bis auf den irreparablen Schaden an der
rechten Vorderpfote gaenzlich wieder hinbekommen und kaum
dass die kleine Rotznase gesund war, hat sie uns auch schon mit
ihrer voellig ueberfruehten Schwangerschaft ueberrascht.


Die haben wir dann auch noch hinter uns gebracht und in der
Nacht vom 5.ten- auf den 6.Dezember, hat Miu uns die beiden
Zwerge in die Struempfe am Kaminsims (oder vielleicht auch in
eine normale "Wurfkiste", dass weiss ich nicht mehr so genau)
gelegt. ;) Ich weiss nurnoch, dass wir sie am Ende so lieb-
gewonnen haben, dass wir es nicht uebers Herz gebracht haben,
sie in Fremde Haende abzugeben. Die drei hatten ein so enges
Band, dass uns Miu das vermutlich auch nicht verziehen haette,
wenn wir ihr die beiden weggenommen haetten.

Nur leider hat es Bi's trauriges Schicksal nicht so gut gemeint
mit ihnen wie wir und so sind heute nurnoch Miu und Na bei
uns. Zwar ist unser Garten gesichert, Bi hat es aber dennoch
eines Nachts geschafft irgendwie daraus zu entwischen und
ist seither spurlos verschwunden :(


Noch in selbiger haben wir eine grossangelegte Suchaktion
gestartet, -jedoch ohne Erfolg. Auch in den darauffolgenden
Tagen: nichts, keine Spur von ihm. Danach haben wir fast
zwei Monate mit geoeffneter Haustuere geschlafen. Einer
eingesperrt im Schlafzimmer mit King Kong, Miu und Na
und der andere mit Messer und Schlagstock bewaffnet
(falls ein Einbrecher versucht sich die offene Tuere zu Nutzen
zu machen) unten im Wohnzimmer fuer den Fall, dass Bi
nach Hause gekommen waere. Aber er blieb wie vom
Erdboden verschluckt und ist es bis heute...

Acht Monate ist sein Verschwinden jetzt her. Die Flyer, mit
einer ungewoehnlich hohen Summe Finderlohn, die wir fast
ueberall aufgehaengt hatten sind verwaschen und vergilbt,
oder wurden laengst abgerissen oder mit neuen Anzeigen
ueberklebt. Das einzige was noch aktuell ist sind die Bilder
der zu Tode veraengstigten Katzen in meinem Kopf, die ich
auf der Suche nach Bi in den Katzenrestaurants in ihren
Kaefigen habe kauern sehen. Die werden mich sicher bis
an den Rest meines eigenen Lebens verfolgen. :(


Die Haustuere ist der verbliebenen 2 Maedels und King -
Kong zu liebe wieder zu. Nur den Garten wage ich auch
nach bald einem Jahr nicht zu schliessen. Das Tor steht
Nacht fuer Nacht einen Spalt breit offen und jeden Abend,
bevor wir die Lichter loeschen stelle ich ein Schaelchen
mit Wasser und einen kleinen Teller Futter fuer Bi bereit,
auch wenn unser geliebter "Bi Beo" (der dicke Bi) wohl
nie wieder heimkommen wird........


Zum Gedenken an Bi hier noch ein paar weitere Aufnahmen: