Willkommen auf meinem Blog

Auf dieser Seite findet ihr -in den verschiedenen Rubriken unter dem Titelbild- viele nützliche Infos rund um das Thema Vietnam und zudem jede Menge lustig-bis spannende Anekdoten aus meinem Alltag, als Schwiegertochter einer vietnamesischen Familie..

Dienstag, 30. Juni 2015

Về Quê - Besuch auf dem Land

Wer den Blog ueber die Jahre mitverfolgt weiss, dass ich nicht nur mit
meiner Schwiegermutter nicht immer ganz eins war, sondern es mir
besonders vor den Fahrten zur weitlaeufigeren Verwandtschaft auf dem
Lande stets besonders graute.

Aber im Jahr der Ziege sollte sich nicht nur die Beziehung zu Tungs
Mutter schlagartig verbessern, sondern die zur Dorfverwandtschaft
gleich mit...


Fuer gewoehnlich drueckte ich mich mit Ausfluechten wie Krankheit
oder erfundenen- bis hin zu absichtlich auf diesen Zeitraum gelegten
Terminen vor den alljaehrlichen Pflichtbesuchen in "Bắc Giang", dem
nord-oestlich der Hauptstadt "Hà Nội" gelegenen Heimatdorf,
der Familie meines Mannes.

Waehrend ich mir den Kopf zerbrach, wie ich mich auch heuer moeglichst
unauffaellig aus der Affaere ziehen konnte, kam bereits die drohende
Ansage von Tung: und wehe mir, ich wuerde nicht mit von der Partie sein!
Schon viel zu lange sei ich nicht mehr dort gewesen und gerade jetzt,
wo seine Mutter doch so guter Dinge waere, duerfte ich keinesfalls Zuhause
bleiben! Na klasse, dachte ich mir im Stillen.


Der junge Braeutigam im schwarzen Smoking
Man muss wissen, dass unter den etlichen Omas und Onkeln und
Cousins und Schwagern und Schwipp-Schwaegerinnen und so weiter
und sofort, ein mir ausserordentlich verhasster -ich glaube Ehemann
einer Cousine- war, der mich damals als ich noch voellig unbefangen
und unvoreingenommen die ersten Male mit aufs Land gefahren bin,
vor versammelter Mannschaft total runtergemacht und offen vor allen
beleidigt hat. So sehr, dass ich im Anschluss sogar Pipi in den Augen
hatte und die einzigste, die Partei fuer mich ergriffen- und mich (wie
eine Loewin ihr Junges) verteidigt hatte war Bi, meine geliebte
(Stief-)Tochter. Alle anderen haben gelacht und sich koestlich amuesiert
-und ich sie seither aus tiefsten Herzen gehasst!

Mein lieblings-"Schwager" (re.) und der "verhasste Cousin" (li.) geben sich gegenseitig die Ehre ;)
Nicht einmal Tung hielt es fuer noetig, das Wort fuer mich zu
ergreiffen und hat die Situation seither auch immer runtergespielt und
meinte "oooch, das sei doch nur ein Spass von A....(wie Arsch-entschuldigt
bitte die harsche Wortwahl) ;) gewesen und er haette eben ein wenig zu tief
ins Glas gesehen, oder aber ich muesste A (wie Arsch) verstehen, er kaeme
halt vom Land und haette einfach noch Vorurteile etc.

Verstaendnis?! -So, so. Haette im Gegenzug jemand von meiner
Familie Tung auch nur schief angesehen (da haette noch nicht mal
jemand etwas falsches oder unhoefliches sagen brauchen!), ich
schwoere euch, er haette nie wieder auch nur einen Fuss auf deutschen
Boden gesetzt, so gekraenkt waere er gewesen! Und ich sollte also
Verstaendnis haben und Nachsicht aufbringen fuer eine Person, die
mir vor versammelter Mannschaft ins Gesischt sagt, wie sch.....
Deutsche Frauen sind und was fuer Schla..... wir im Grunde genommen
waeren.

Blick vom Balkon auf den Hinterhof und einige Nachbarhaeuser
Verstaendnis konnte ich dafuer beim besten Willen nicht aufbringen,
allerdings den Anstand, mich nicht auf dieses Niveau herabzulassen
und ihm ebenfalls irgendwelche Beleidigungen entgegenzuwerfen.
Ich stecke beim Versuch eine gute und achtbare, vietnamesische
Schwiegertochter abzugeben bereits mehr als genug weg und schlucke
Dinge runter, die ich mir -nach den Jahren in Khanh's Familie und
der darauffolgenden Krebserkrankung- geschworen hatte, nie wieder
runterzuschlucken und wegzustecken! Lediglich des Protokolles wegen
Anstandsbesuche zu initiieren, die fuer mich eine solche Qual darstellen,
wuerde ich mir jedoch mit Sicherheit nicht mehr antun!

Doch dieses Jahr gab es offensichtlich kein Entrinnen und so biss ich
in den sauren Apfel und fuhr nach Jahren der Abwesnheit wieder mit
auf's Land, wo die groesste der Ueberraschungen seit meiner Rueckkehr
aus Deutschland auf mich warten sollte...

typische Maennerrunde mit Cousin A (re.) in weiss..
"Cun", eine der beiden Lieblingscousinen meines Mannes und meiner
selbst, die zwischenzeitlich im Ausland arbeitete, war ueber Neujahr
zu Besuch gekommen und hatte (und jetzt kommt's) ihren amerikanischen
Freund "Michael" gleich mitgebracht!

Und den fand verhasster Cousin A so toll und cool, dass dieser sich
staendig an mich wandte (diesmal wusste er sogar meinen Namen und
rief mich "Keo" statt "con Tay", was je nach Betonung und Hintergrund
mitunter auch ziemlich herablassend und beleidigend gemeint sein kann)
und bat mich am laufenden Band fuer ihn zu uebersetzen. Ich sprach
-abgesehen von ihm- ja beide Sprachen fliessend und war als notwendiges
Sprachrohr zwischen ihm und Michael ploetzlich wahnsinnig in seinem
Ansehen gestiegen! Endlich war ich nicht mehr allein! Jetzt war nicht
mehr ich der "Alien" unter den Anwesenden, sondern ein von allen
akzeptiertes und bekanntes, langjaehriges Familienmitglied. Mit einem
Schlag gehoerte ich fuer sie dazu, war ich endlich auch eine von ihnen
und das zeigten sie mir ab da auch. Nie hatte ich mich so wohl- und
angenommen in meiner Haut gefuehlt, wie an diesem Nachmittag bei
unserer Familie.



Von da an war "Michael" der Auslaender unter uns. Nicht mehr ich!
Was fuer ein herrliches Gefuehl. So lange hatte ich seit Tungs und
meiner Hochzeit vor bald sieben(!) Jahren unter der miesen Stimmung
und Abneigung derer gelitten, die eigentlich meine neue Familie sein
sollten und nun hatte sich das Blatt endlich gewandelt!

Als an diesem Nachmittag verkuendet wurde, dass wir gegen Ende
des Monats erneut anreisen sollten, um die Hochzeit von Cousin X
zu feiern, freute ich mich aufrichtig auf diesen erneuten Besuch.
Dieser wurde, wie der vorige zu Tet ebenfalls ein richtig schoener,
ausgelassener Tag, an dem wir endlos viel miteinander gescherzt,
uns gegenseitig geneckt (jedoch war nicht mehr ich das Ziel dieser
Neckereien) und endlos viel miteinander gelacht haben.

Schwager Hung bei seinem Staendchen zu Ehren des Brautpaares
Cun und Michael sind mittlerweile zwar zurueck in den Staaten ,
aber ich werde weiterhin als gewoehnliches Familienmitglied
behandelt und weiss , dass ich das nun auch wirklich bin....



Wir haben uns praechtig darueber amuesiert, als mein Schwager Hung, vor lauter 
Feuchtroehlichkeit, statt der Glueckwuensche zur Hochzeit versehentlich alles 
Gute zum Geburtstag wuenschte... :D 
Den wirklich lustigsten Clip von allen finde ich aber leider nicht mehr :(

Kommentare:

  1. Verfolge deinen Blog schon eine Weile und es ist immer so nostalgisch deine Beiträge zu lesen :)
    Schön dass du dich ab jetzt in der Familie deines Mannes wohler fühlst! So hätte es von Anfang an sein sollen.
    Die Ausrede, dass besagter Cousin A ja vom Dorf sei, würde ich nicht hinnehmen. Meine Verwandtschaft in Vietnam lebt auch größtenteils auf dem Dorf, dennoch sind Ihre Einstellungen zu Deutschen oder deutschen Frauen keineswegs mit dem des werten Cousins zu vergleichen.

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    1. Hallo ZT, danke dir für deinen Zuspruch. Tut gut zu lesen, das selbst eine Vietnamesin empfindet,dass das Verhalten des Cousins eben nicht in Ordnung-,und die Ausrede mit dem Dorf etwas arg schwach ist. Die Landbevölkerung hier lebt ja nicht auf dem Mond oder so! Und selbst wenn das seine Meinung ist, kann man auch als Vietnamese vom Land so höflich sein und sie für sich behalten. Aus welcher Ecke kommt deine Familie denn? Bist du oft zu Besuch? Liebe Grüße, Keo

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  2. Ja genau, so sehe ich das auch! So wie er es sagt klingt es nicht nur als würde seine Verwandtschaft auf dem Land leben sondern auch im Mittelalter...
    Meine Familie Väterlicherseits kommen aus Thach That, wenn ich mich recht erinnere gehört das zu Ha Tay. Dort leben allerdings nur noch meine Großeltern und 3 der 4 Schwestern meines Vaters. Meine Familie mütterlicherseits haben ihr Que in Nghe An nähe Vinh, wo nur noch meine Großeltern leben. Seit ich mit ca. 3 wieder nach Deutschland kam, waren wir mehr als 10 Jahre nicht mehr da... dann hab ich mich gewagt 2008 mal alleine zu fahren, beste Entscheidung ever! Dann durften wir 2010 endlich mal als Familie zurück und letztes Jahr im Sommer dann nochmal :)
    viele Grüße aus Berlin, Trang

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  3. Ach, die Keo lebt doch noch.
    Dann werde ich auch mal öfter wieder vorbei schauen.
    Viele Grüße

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    1. Hallo zurueck Catbert,
      haha ja die Keo lebt noch und wird in Zukunft auch wieder oefter was hoeren, bzw lesen lassen ;)
      Danke dir und all den anderen, die mir trotz so haeufiger, teils echt langer Pausen immer wieder die Stange halten und den Blog weiter auf dem Schirm haben. Das Wissen darum ist ein riesen Ansporn fuer mich, die Seite kuenftig wieder besser zu pflegen und regelmaessiger zu posten. :)
      Viele liebe Gruesse aus Hai Phong,
      Keo

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  4. Liebe Keo,

    vielen, vielen Dank erst mal, dass du hier bloggst! Für mich als in Deutschland geborenen Vietnamesen ist es interessant zu erfahren, wie Deine Sicht auf Vietnam, die Menschen und die dortigen Lebensweise ist. Deine "Geschichte", die ich gestern am Stück gelesen habe, war natürlich auch sehr interessant! Ich habe wirklich viel Respekt vor deinem Mut und deinem Schritt mit der Hochzeit und dem Auswandern nach Vietnam.

    Mach bitte weiter! :)

    Lieben Gruß aus Frankfurt

    Đức Hà

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  5. Hallo Duc Ha,
    vielen, lieben Dank für das klasse Feedback.
    Freut mich immer wieder zu lesen, dass auch die persönlichen Ansichten und Erlebnisse für viele von euch interessant sind :)
    Leider habe ich schon viel zu lange immer wieder mal riesen Pausen, die ich aber irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wieder abschaffen möchte...
    (So zumindest der Plan) ;)
    Jedenfalls Danke für deinen Kommentar, der natürlich Ansporn gibt, bald mal wieder einen Beitrag zu posten.
    Viele liebe grüße aus Hai Phong,
    Keo

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  6. Hey,

    schöne Grüße aus Bayern! Ich hoffe du schreibst in Zukunft auch weiter :)
    Ich bin selbst Vietnamesin (hier in Deutschland geboren und aufgewachsen) und hab diese Ausländerfeindlichkeit schon paar Mal erlebt, auch hier in Deutschland. Meine Eltern waren die ersten Jahre als sie nach Deutschland kamen, sehr feindselig gegenüber Moslems und Deutschen (Khoai tay :D). Spätestens mit meinem deutsch-amerikanischen Freund hat sich ihre Feindseligkeit zumindest gegenüber Deutschen gelegt.
    Das ist einer der Dinge für die ich mich als Vietnamesin leider fremdschäme, die Ausländerfeindlichkeit und sonstige Vorurteile gegenüber Frauen allgemein bei (männlichen) Vietnamesen.
    Hut ab dass du dich anfangs trotzdem durchgequält hast, nochmal zu seiner Dorfverwandtschaft zu fahren, ich selber könnte das nicht :D

    Viele Grüße,

    Phuong-Dung

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