Willkommen auf meinem Blog

Auf dieser Seite findet ihr -in den verschiedenen Rubriken unter dem Titelbild- viele nützliche Infos rund um das Thema Vietnam und zudem jede Menge lustig-bis spannende Anekdoten aus meinem Alltag, als Schwiegertochter einer vietnamesischen Familie..

Sonntag, 18. November 2012

Đàm Vĩnh Hưng - Ein Kuss geht um die Welt

Hin und wieder sehe ich mir den Newsticker auf meinem Blog durch, der die letzten Nachrichten über und aus Vietnam in den deutschen Medien anzeigt.

Dabei bin ich heute überraschenderweise über das kleine Skandälchen mit "Đàm Vĩnh Hưng" gestossen.

"Mr.Đàm" wir er noch genannt wird, ist sicherlich mit einer der bekanntesten und besten Sänger in Vietnam, die ich kenne.
Er hat eine einmalige Stimme mit grossem Wiedererkennungswert.

Ich kenne die meisten seiner Lieder im Schlaf und hatte dadurch vor drei Jahren, etwa zur gleichen Zeit wie jetzt die riesengrosse Ehre, mit ihm auf der Bühne zu stehen und eines seiner Lieder im Duett mit ihm singen zu dürfen.

Saenger und Entertainer Đàm Vĩnh Hưng

Es gibt ein Video von diesem Abend, an dem er hier in Hai Phong im MGM-Club performt hat und ich könnte mich so dermaßen in den A...llerwertesten beissen, dass ich es mir bislang nicht geholt habe, denn ich fürchte nach so langer Zeit werde ich nicht mehr drankommen. :(
Auch die Bilder, die meine Begleiter mit ihren Handys geschossen haben sind durch die Beleuchtung und den Ton von so selten schlechter Qualitaet, dass sie im Grunde unansehnlich sind, was ich mehr als bedaure.

So einen beeindruckenden Moment hat man sicher nur einmal im Leben und mir ist in Zeiten von Facebook, Twitter, Apps, Smartphones und Co nichts geblieben, ausser der Erinnerung an diesen Abend. :(

Mein Mann, sein Cousin, dessen Frau, ein paar weitere Freunde und ich hatten einen Tisch in vierter oder fünfter Reihe. Wir waren schon laenger nicht mehr gross ausgegangen und bester Laune.
Mit meinen blonden Haaren blieb ich nicht lange unentdeckt und auch das ich lautstark jedes der Lieder mittraellerte ist "Mr.Đàm" nicht verborgen geblieben und so laechelte er schon kurz nach Beginn seines Auftrittes alle paar Minuten in meine Richtung.

Die mehr schlechte als rechte Qualitaet der einzigen Bilder dieses Abends :(
Als er dann aber irgendwann anfing über mich zu sprechen und mich auf die Bühne rief, war ich trotzdem alles andere als darauf vorbereitet. Waere schön gewesen, wenn ich mir vorher wenigstens einen oder zwei von der Flasche Whiskey auf unserem Tisch genehmigt haette, damit das Herz nicht ganz so tief in die Hose gerutscht waere, aber wir waren mit aelteren Familienmitgliedern unterwegs und da gehört es für mich zum guten Ton, auf Alkohol oder Zigaretten zu verzichten.

Also bin ich dann sehr wenig selbstbewusst auf die Bühne geführt worden und wurde da von einem strahlenden Đàm Vĩnh Hưng in Empfang genommen, der mich so gleich allerlei Zeug fragte.
Unsere Unterhaltung fand komplett auf Vietnamesisch statt und so war er hinterher scheinbar fast so beeindruckt von mir, wie ich von ihm.
Er ist ein furchtbar fröhlicher und natürlicher Mensch. So hatte ich ihn mir ehrlich gesagt auch vorgestellt.
Nachdem wir unser nettes, kleines Plaeuschchen vor tausend Augenpaaren die auf uns gerichtet waren beendet hatten, bat er mich ein Lied mit ihm zu singen.

Ich kenne zig Lieder von ihm, aber meint ihr mir waere eines eingefallen?! :)
Ich stand also etwas ratlos da und er schlug dann "Khóc cho người đi" (wörtl.übersetzt soviel wie: "weine für den, der geht") vor, dass wir strophenweise zusammen zum besten gaben.

Eine Whitney Houston oder eine Mariah Carrey sind sicherlich das genaue Gegenteil von mir und zudem ist die Version dieses Liedes von Đàm Vĩnh Hưng auf eine maennliche Stimme zugeschnitten:
Kurzum: Es klang bestimmt fürchterlich beschissen :) aber die Leute fandens total geil. haha :)
(Vielleicht ist es ja auch gar nicht so schlecht, dass es keinerlei Zeugnisse dieses Ereignisses mehr gibt) ;)

Das Bild, das scheinbar weltweit für Aufsehens sorgt ;)
So, jetzt bin ich ein bisschen vom eigentlichen Thema des heutigen Beitrages abgeschweift.. ;)
Jedenfalls ist "Mr.Đàm" eine bekannte Grösse in Vietnam und saemtlichen Laendern, in denen Vietnamesen Zuhause sind und augenscheinlich Homosexuell.
Die allerdings lediglich "augenscheinlich", denn ein offizielles "coming out" (die offene Bekentniss zur Vorliebe fürs gleiche Geschlecht) blieb bei ihm bislang noch aus.

Trotz seines hohen Bekanntheitsgrades unter den Vietnamesen auf diesem Erdball kann ich mich aber nicht entsinnen, jemals in auslaendischen Medien -besonders den deutschen- von ihm gehört zu haben.
Zumindest bis vorhin nicht, als ich die Nachrichten des Newstickers durchging.
Dort entdeckte ich doch tatsaechlich gleich 2 Links zu Online-Nachrichtenportalen, die über ihn berichten:

-Die Abendzeitung München ( http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.vietnam )
-Das Onlinemagazin Queer (http://www.queer.de/detail.php?article_id=17863)

Der Anlass dafür:
Im Zuge einer Wohltaetigkeitsveranstaltung, bei der Spenden für Tumorkranke Kinder gesammelt wurden, hat der engagierte "Herr Đàm" eine Flasche Wein versteigert und als Dreingabe einen Kuss für den- oder die jenige geboten, welcher die Flasche ersteigert.
Und das waren ausgerechnet 2 buddhistische Mönche. Die zahlten sage und schreibe 55 Mio. Dong für das Gebraeu. Das sind immerhin rund 2.100 €
Weil das ein bisschen viel ist, für eine einfache Flasche "Sprit", gabs ja aber noch den Kuss von "Mister Đàm" oben drauf. Für einen der beiden Mönche mitten auf den Mund, für den anderen einen galanten Handkuss und das alles vor laufender Kamera und einem Millionenpublikum.

Der weitaus weniger "dramatische" Handkuss für Mönch Nr.2 ;)
Das blieb allerdings nicht ohne Folgen, wobei wohl weniger die Tatsache Auslöser für die allgemeine Empörung war, dass ein Mann hier einen anderen küsst, sondern das es sich hierbei ausgerechnet um einen Möch handelte.
Mönche in Vietnam leben genau wie Prister in Deutschland normalerweise in strengem Zölibat und es ist ihnen ebenfalls untersagt eine Ehe oder geschlechtliche Beziehung einzugehen, oder gar Kinder zu zeugen.

Meiner Meinung nach hat das aus diesem wirklich minder schweren Zwischenfall so einen Skandal gemacht.
Das der nun aber sogar bis nach Deutschland Wellen schlaegt, finde ich schon etwas sehr absonderlich!
Die Sache ist dem Kultusministerium scheinbar ziemlich unangenehm und peinlich und man hat Đàm Vĩnh Hưng kurzerhand eine 3 monatige Auftrittssperre verpasst und zu einer Geldstrafe von 5 Mio. Dong(?) verdonnert und auch den beiden Mönchen 3 Monate "Hausarrest" verpasst.

Der Saenger hat sich nach dem Zwischenfall übrigens ausdrücklich und mehrfach bei dem in Mitleidenschaft gezogenen Mönch entschuldigt und ihm gesagt, er solle nicht traurig sein.

Ich finde eine Bestrafung zwar ein klein wenig übertrieben, wesentlich übertriebener finde ich jedoch, dass die deutschen Medien nun über dieses Thema berrichten, wobei selbstverstaendlich mal wieder die Gunst der Stunde genutzt- und über den strengen Kommunismus und das langjaehrige Ein-Parteien-System geschrieben wird.
Als haette man selbst nicht genug Fehler im eigenen System..

Aber es ist natürlich schon `ne riesen- und aeusserst berichtenswerte Sache, wenn am anderen Ende der Welt ein Sack Reis umfaellt... ;)

Hier für euch jedenfalls noch der Youtube Clip von Đàm Vĩnh Hưng`s "Khóc cho người đi" zum reinhören:

Mittwoch, 14. November 2012

Überraschung

Gestern habe ich euch ja von unserem Besucher Kenny aus Deutschland berichtet.
Ihr wisst, ich stehe dem mit etwas gemischten Gefühlen gegenüber und das was ich heute
von ihm erfahren habe, tut dem nicht umbedingt einen Abbruch:

Er wird fast ein halbes Jahr lang bei uns bleiben!

Das zu hören war wirklich eine Überraschung mit der ich im Leben nicht gerechnet haette,
denn laenger als 3 Wochen haelt er es hier normalerweise nicht aus.

Kenny war erst ein paar Jahre alt, als seine Mutter seinem Vater mit den Kindern
nach Deutschland nachgereist ist. Seither lebt er dort und ist -so vietnamesisch er sich
auch gerne gibt- im Grunde bereits ziemlich eingedeutscht.

Ohne zünftiges deutsches Essen kommt er bei uns in Vietnam nicht einmal diese üblichen
3 Wochen aus. Vor seinem Urlaub deckt er sich darum für gewöhnlich mit reichlich
Fertigfutter von drüben ein.
Fertigfutter für die Zeit bis Anfang April einzupacken dürfte allerdings ein wenig
kompliziert gewesen sein und deshalb ging sein erster Gang heute auch gleich ins
Big C Center (unser grösstes Einkaufszentrum mit Supermarkt in Hai Phong), wo er sich
schon mal umgesehen hat, von was er sich die naechsten Monate über ernaehren kann.

Freiwillig hat er so eine wahnwitzige Entscheidung meiner Meinung nach sicher nicht
getroffen. Ich nehme schwer an, dass er von seiner Familie sozusagen hierher
"abkommandiert" worden ist.
Mögliche Gründe dafür gaebe es jedenfalls jede Menge. Da bin ich ja wirklich mehr
als gespannt, wie er sich nun schlagen wird. Langweilig war ihm auf alle Faelleschon
heute..

Ich selbst habe vorhin übrigens eine klitze-kleine Glanzleistung vollbracht:
Mein erstes, selbstgeschriebenes vietnamesisches Gedicht, dass sich sogar noch reimt,
wenn man es richtig betont. :)
Mein lieber Mann hat mich zwar kraeftig ausgelacht dafür, weil es zugegebenermaßen
so klingt, als haette ein etwas minderbemittelter Erstklaessler es geschrieben, aber
immerhin...
Entscheidend ist für mich, dass es von Herzen kam. Ich habe es naemlich meiner
geliebten Mama gewidmet. Für einen Facebook-post ist das Niveau gar nicht so übel,
wie ich finde ;)
Hier ist zumindest das Ergebnis für euch:

Con nhớ hết những lúc tốt đẹp bên mẹ..
Con nhớ hết từng ngày còn từng phút giây..
Con luôn sẽ nhớ và con muốn nói: Con sẽ yêu mẹ, cả hết cuộc đời!

 

Ich erinnere mich an all die schönen Momente mit meiner Mama..
Erinnere mich an jeden einzel
nen Tag, jeden einzelnen Augenblick..
Ich werde mich immer daran erinnern und ich möchte dir sagen:
Ich werde dich ein ganzes Leben lang lieben!

Con yêu Mẹ!
Ich liebe dich! ♥ ♥ ♥



Komplizierter Besuch aus Schland

Wer "Meine Geschichte" bis jetzt mitverfolgt hat weiss, wer Kenny ist.
Kenny alias Khanh ist mein Exfreund, mit dem ich vor über 5 Jahren das erste Mal
nach Vietnam gekommen bin und über den ich bei dieser Reise dann meinen Mann
kennengelernt habe.

Diejenigen unter euch, die den "Fortsetzungsroman" über mein Leben bzw die
Geschichte wie ich zu und nach Vietnam kam bisher gelesen haben wissen ausserdem,
das Kenny meine erste grosse Liebe war und auch die erste Frau von anh Tung,
meinem Mann und darüber hinaus die leibliche Mutter von Bi, aus Khanhs Familie
stammt.

Anh Tung, ich und Khanh auf der Hochzeit von Khanhs Cousin
Genauer gesagt ist die Exfrau meines Mannes, die Cousine meines Exfreundes.
Eine ohnehin schon verzwickte Kiste, aber noch verzwickter wird sie, weil
Kennys Familie komplett gegen diese Verbindung zwischen meinem Mann und mir
ist und uns sogar einmal wahnwitziger Weise der "Inzucht" betitelt hat.

Khanh war mein erster richtiger Freund und die Beziehung hat bis ins Erwachsenenalter
gehalten und auch nachdem wir uns getrennt hatten -weil der Druck seitens seiner
Mutter auf ihn, sich eine richtige, vietnamesische Frau zu suchen und eine Familie zu
gründen zu gross wurde- pflegten wir eine sehr intensive und innige Freundschaft.

Mein Mann Tung und Kenny waren ebenfalls die dicksten Freunde - all das zumindest
bis mein Mann und ich uns ernsthaft ineinander verliebt hatten, denn ab da
bekam das freundschaftliche Band in unserem netten Dreiergespann einen derben Riss,
weil Kennys restliche Familie -die ja gegen diese Beziehung ist- komplett ihm die
Schuld dafür in die Schuhe schob, dass mein Mann und ich heute überhaupt erst
verheiratet sind.

Kenny, Tung, Bi und ich im Nov 07
Staendige Schuldzuweisungen und der Druck etwas zu unternehmen um Tung und mich
auseinander zu bringen sind natürlich nicht spurlos am armen Khanh vorüber
gegangen. Er musste staendig Stellung für irgendeins der Lager beziehen.
Seine Familie, oder die Freundschaft zu seinen beiden besten Freunden.

So wurde die Beziehung zwischen uns Dreien mit der Zeit ein wenig absonderlich
und ist inzwischen mehr eine Hass-Liebe untereinander.
Jeder hat mindestens im Ansatz ein Problem mit dem anderen, aber ich glaube
jeder von uns hat auch noch die guten, alten Zeiten im Kopf und empfindet die
Freundschaft als zu wertvoll um sie ganz aufzugeben.

Übers Jahr verteilt melden wir uns sporadisch beieinander und sobald einer im Land
des anderen ist, haengen wir staendig zusammen, obwohl das nie ohne trouble laeuft.
Seit Beginn der Beziehung mit meinem Mann wurden Lügengeschichten an diesen,
seine Mutter oder mich selbst herangetragen, die einzig dem Zweck dienen sollten
Unfrieden zu stiften um dadurch eine Trennung herauf zu beschwören.

Seit jeher die dicksten Freunde: Kenny und Tung in der Küche meiner Schwiegermutter
Anh Tung und ich sind uns nicht sicher, ob Kenny in diese Fehden verwickelt ist und
kraeftig mit mischt, oder nicht.
Ich persönlich glaube oder hoffe wohl eher, dass er eine saubere Weste hat.
Tung ist davon weniger stark überzeugt. Wir wissen es aber einfach nicht genau und
sind darum im Zweifelsfalle nun ersteinmal für den Angeklagten, wenn man so möchte.

Jedenfalls ist bis Dato im Grunde noch kein gegenseitiger Besuch ohne anschliessenden
Aufruhr von Statten gegangen, was ich wirklich sehr bedauerlich finde.
Mein Mann und ich hoffen nach wie vor noch auf den Moment, an dem auch Kennys
Familie "erwachsen" wird und diesen Unsinn einstellt.
Immerhin ist das Bi`s vollstaendige Verwandtschaft mütterlicherseits..
Schaetzungsweise werden wir darauf vergeblich warten, aber die Hoffnung stirbt
bekanntlich zuletzt und einen Versuch ist es der Kleinen zuliebe wert.

Heute Abend kam auf alle Faelle ein Anruf von Khanh, der gerade in Hai Phong
angekommen ist. Ich weiss nie ob ich mich darüber freuen- oder darüber schockiert
sein soll. Treffen werden wir uns die kommenden Tage mit Sicherheit, da Kennys
Onkel vor einigen Tagen einen Schlaganfall erlitten hat und im Krankenhaus liegt.
Ansonsten warten wir`s mal ab und lassen uns überraschen, wie sein diesmaliger
Besuch so verlaufen wird.
Zumindest bringt er mir bei jeder seiner Steppvisiten ein Gefühl von Heimat mit.

Montag, 12. November 2012

Hoppala, der Winter ist da :(

Gestern Früh bin ich aufgestanden und es war: KALT!

Etwas abgefrischt hatte es ja nun schon vor einigen Wochen, aber zumindest nach wie vor noch so, dass es mild war.
Das scheint nun für dieses Jahr vorbei zu sein. :(
Die Temperaturen sind bereits das erste Mal unter 20 Grad gerutscht.

Klingt für euch jetzt mit Sicherheit mehr als laecherlich, bei immerhin noch
fast satten 20 Grad so einen post zu verfassen und dabei auch noch unverschaemterweise von "Winter" zu sprechen, wo ihr doch bereits sogar den ersten Schnee hattet.


Diese 20 Grad von hier und alles das, was drunter liegt fühlen sich hier jedoch bedeutend anders an, als beispielsweise 20 Grad in Deutschland.

Bei deutschen 20 Grad, packt man die Jacke nochmal weg oder krempelt den Pulli ein letztes Mal hoch um die waermende "Brise" zu geniessen.
Bei vietnamesischen 20 Grad packen wir hingegen die Wintermaentel, Schals und Mützen schon mal aus und tauschen das dünne Lacken auf dem Bett langsam aber sicher gegen die dicke, lauschige Daunendecke.. :(

Es ist schon ein aeusserst seltsamer Anblick, wenn mir (was jedoch mehr als selten vorkommt) ein Tourist in kurzen Shorts, Latschen und T-Shirt begegnet, wohingegen ich in langer Hose, warmer Jacke und Handschuhen dastehe..und das darüber hinaus auch noch frierend ;)
Sicher bin ich auf diese Weise für den Touri kein minder ungewöhnlicher Anblick :D


10-20 Grad fühlen sich aber ganz schnell mal ganz anders an, wenn man im Normalfall eher 40 Grad durchgehend (sprich auch Nachts) gewohnt ist.
Der Sommer geht hier ja nun auch um einiges laenger. In Europa gehört der Winter zum Leben mit dazu. In Vietnam ist er eher wie ein kurzer, schockierender Sommer- und somit gleichzeitig Temperatureinbruch, wobei ich das Gefühl habe, dass die Winter hier in den letzten Jahren um einiges laenger und haerter geworden sind.
Das kann allerdings auch daran liegen, dass ich mich im Laufe der Zeit einfach immer mehr an das Klima gewöhnt habe und dadurch den Winter automatisch kühler empfinde.

Im ersten Jahr hatte es bei mir -wenn ich mich richtig erinnere- auch noch eine normale Jacke getan, wo es heute eine dicke Daunenjacke sein muss.

Abgesehen davon, dass wir das restliche Jahr über die feuchte, tropische Hitze geniessen dürfen bietet der Winter uns hier oben im Norden zudem noch so einen "netten", "eisigen"-Eiswind ;) , der sich "gio bac" (Nordwind) schimpft.

Dafür das ich ans andere Ende der Welt gezogen bin, bin ich definitiv ans falsche gezogen :D

Sonntag, 11. November 2012

Ahnenverehrung II - Das Kreuz mit dem männlichen Nachkommen

In fast allen Ländern, die den Ahnenkult begehen gibt es ein entscheidendes Problem;
einen Mangel an weiblichen Nachkommen.

Dieses wirklich gravierende Problem hat ausser Vietnam beispielsweise auch noch sein Nachbar China,
wo das Phänomen sogar noch um einiges verstärkt auftritt.

Seit in beiden Ländern der technische Fortschritt eingezogen ist und durch Errungenschaften wie Ultraschall, die der breiten Bevölkerung zugänglich sind auch das Geschlecht des Nachwuchses bestimmt werden kann, hat der Überfluss an männlichen Nachkommen so stark zugenommen, dass sozusagen ein echter Versorgungsengpass an Mädchen und jungen Frauen entstanden ist.

Das geht sogar so weit, dass hauptsächlich in China etliche Junggesellen keinerlei Aussicht mehr auf Heirat geschweige denn Familie haben, weil schlicht und ergreifend nicht genügend Partnerinnen zur Verfügung stehen.

Die Auswahl ist ohnehin stark begrenzt und die wenigen, noch freien Mädchen, im heiratsfähigen Alter suchen sich selbstverständlich dann zunächst einmal diejenigen Männer heraus, die hübsch und gebildet sind und aus gutem Hause mit ordentlich Wohlstand stammen.

Entscheidend ist ausserdem ein Aufenthaltstitel für die Stadt, denn im Grunde keine der jungen Frauen möchte ihr künftiges Dasein als Bäuerin auf dem Lande fristen.

Das ist zwar mehr als legitim, führt dann allerdings dazu, dass Jungen, die aus ärmeren Familien oder aus ländlichen Gebieten stammen am Ende tatsächlich keine Frau mehr abbekommen könnten.

Das hat einen riesigen, illegalen Markt aufgetan, denn die Nachfrage an jungen Mädchen und Frauen ist wahrhaftig so gross, dass sich Schlepperbanden aufgetan haben, um diese Nachfrage mit dem Raub von Frauen und Mädchen z.B. aus den Bergregionen der Nachbarländern zu füllen.

Ich selbst bin vor einigen Jahren einmal Zeugin eines solchen traurigen und schmutzigen Geschäftes geworden. Mein Mann und ich saßen gerade in einem gewöhnlichen Lokal beim Mittagessen,
als eine extrem aufgetackelte Vietnamesin mit 2 augenscheinlich sehr reichen, chinesischen Geschäftsmännern durch die Tür trat.

Kurz darauf konnten wir die drei dann über einige Mädchen aus einem Dorf verhandeln hören, die die drei Chinesen später am Tag scheinbar noch besichtigen sollten.
Es war offensichtlich, dass sie gekommen waren, um sich eine Ehefrau zu kaufen und die aufgetackelte Dame die Vermitterlin war.

Diese Mädchen, die meist nichts von dem ahnen, was ihnen schwant, werden "offiziell" als Dienstmädchen bzw Haushaltshilfe verkauft, müssen aber hinterher ihre vermeintlichen Arbeitgeber ehelichen und oftmals dann gleich noch die gesamte männliche Verwandtschaft "mitbedienen", wenn ihr versteht..

Das ist aber nur ein Weg. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Mädchen direkt aus ihren Heimatdörfern entführt werden. Hier handelt es sich um echten Menschenraub, bei denen die Mädchen vom Feld oder in Nacht und Nebelaktionen aus ihren Schlafzimmern heraus entführt- und über die Grenze geschleppt werden um sie danach als Bräute zu veräussern.
Sie sehen ihr Zuhause und ihre Eltern vermutlich nie wieder und dienen ab da nurnoch dem einen Zweck, die sexuellen Bedürfnisse ihrer "Ehemänner" und wie oben beschrieben unter den schlimmsten Umständen zusätzlich noch deren männlicher Verwandten zu befriedigen und darüber hinaus als Brutmaschinen für den so dringen benötigten männlichen Nachkommen.

In Vietnam ist es zwar noch nicht ganz so tragisch, jedoch haben wir uns auf einem Weg dorthin befunden.
Im Moment bin ich mir nicht wirklich sicher, in welche Richtung wir uns weiterentwickeln werden,
denn einerseits, Leben immer mehr junge Familien das Motto: "Es ist egal, was es ist, hauptsache es ist gesund!" und heissen auch kleine Mädchen willkommen, andererseits herrscht nach wie vor noch grosser Druck seitens der Familie, einen "Stammhalter" zu produzieren und bei vielen ist es nach wie vor auch noch Trennungsgrund, wenn dieser ausbleibt und die Frau gar keinen oder nur weiblichen Nachwuchs zur Welt bringt.

Die Schuld gibt man natürlich ihr und gebärt die Schwiegertochter nur Mädchen, kommt schon mal die eine oder andere Schwiegermutter und legt ihrem Sohn ans Herz eine "neue Frau, ein neues Glück" zu suchen und es erneut zu probieren.

Warum ist der männliche Nachwuchs so wichtig und was hat das Ganze mit der Ahnenverehrung zu tun?
-Die Schwierigkeit entsteht dadurch, dass es eigentlich Männersache ist, die Ahnen zu ehren und das diese für die sehr gläubigen Vietnamesen oder Chinesen äusserst wichtige Aufgabe künftig von einem Sohn der Familie fortgeführt werden soll.

So ist es zum Beispiel die Arbeit meines Mannes, an wichtigen Feiertagen wie Neujahr ect den Ahnenkult zu vollziehen.
Wenn mein Mann dann eines Tages altersbedingt dies nicht mehr übernehmen kann, oder vielleicht inzwischen selbst verstorben ist, sollte dann eigentlich sein Sohn einspringen.

Wenn wie bei uns bis jetzt jedoch nur eine Tochter da ist, befindet sich die jeweilige Familie in einem echten Dilemma.
Auch bei uns fehlt demnach noch der Stammhalter, der dieses wichtige Amt übernehmen kann.

Besonders fies war deshalb die Aktion unserer "Ex-Familie" (wer "Meine Geschichte" bislang verfolgt hat, hat ja bereits einen kleinen Einblick über unsere quasi familiären Hintergründe), die -als ihnen die Mittel an Lügen um uns auseinander zu bringen langsam ausgegangen waren- dann einfach behauptet hatte,
ich könne aufgrund einer vorangegangenen Krebserkrankung im zarten Alter von 18 Jahren keine Kinder mehr bekommen (was natürlich völliger Quatsch ist) um so besonders meiner Schwiegermutter Panik dahingehend zu machen, der männliche Nachwuchs könne nun ausbleiben, damit diese dann Druck auf meinen Mann ausübt, sich von mir zu trennen..

Glücklicherweise will mein Mann davon nicht hören und auch wenn ich weiss, dass selbstverständlich auch er sich einen Stammhalter wünscht, ist das für meinen Mann kein Grund zur Trennung und selbst wenn wir Zukunft ebefalls lediglich eine Tochter bekommen würden (Bi ist ja nicht mein leibliches Kind), würde er dies als von "Gott" gegeben annehmen und sich auch über weibliche Nachkommen freuen.

Da habe ich ehrlich gesagt ziemliches Glück gehabt, denn wie gesagt nicht jede Familie, nimmt dieses Thema so wenig ernst. Wobei.."ernst" ist das flasche Wort. Ernst nimmt meine Familie das sehr wohl, nur sollte dem nicht so sein, würden sie es schlicht als vom Schicksal so vorbestimmt sehen.

Ich bin erfreulicher Weise aber selbst auch ganz wild auf einen kleinen Jungen, auch wenn das bei mir andere Gründe hat.
Dafür ist aber nun erstmal noch etwas Zeit, da im kommenden Mondjahr die Schlange an der Reihe ist und dieses Tierkreiszeichen von der Konstellation nicht wirklich mit den unseren zusammenpasst.
Ausserdem wollen wir nun erstmal unseren Umzug in die Wege leiten und hinter uns bringen bevor wir demnach frühestens ab März/April nächsten Jahres mit den "Vorbereitungen" beginnen werden. ;)

Hier übrigens noch für euch ein ganz interessanter Dreiteiler zum Thema "Überschuss an männlichen Nachkommen in China und was die Regierung dagegen unternimmt", den ich vor einiger Zeit auf Youtube gesehen habe:





Freitag, 9. November 2012

Ahnenverehrung


Ich habe mich im Laufe der Zeit hier immer mehr der vietnamesischen Lebensart
zugewand und den Grossteil der Lebensweise eines Vietnamesen übernommen.
Dazu gehört natürlich auch einer der wichtigesten Aspekte im vietnamesischen
Alltag: Die Ahnenverehrung.

Anh Tùng beim anzünden eines Raeucherstaebchens
Ich war zuvor keinerlei Glauben oder Religion zugewandt und mir seit jeher meine
eigene Glaubensweise zurechtgelegt. Dazu gehörte schon immer mein tiefer Glaube
an "Geister".

Beim Verrichten meines Gebetes
Das klingt jetzt so ein bisschen nach "Ghost-busters" oder so aehnlich, hat aber nichts
mit Spukgespenstern an sich zu tun sondern mit den Seelen unserer verstorbenen
Vorfahren und Mitmenschen.

Auch meine liebe Mama ist von der vietn.Ahenverehrung überzeugt
Von daher war ich sehr empfaenglich für die vietnamesische Ahnenverehrung,
die im Grunde im ganzen Land praktiziert und gelebt wird und sich durch saemtliche
Schichten des taeglichen Lebens hier zieht.

Eines der unzaehligen Geschaefte mit Zubehör für die Ahnenverehrung
So hat im Prinzip jeder(!) Haushalt in Vietnam mindestens eine separate Ecke,
oder wenn die Raeumlichkeiten dies zulassen ein ganzes Zimmer,
in dem ein Ahnenaltar aufgebaut ist.

Unser mit Opfergaben bestückter Ahnenaltar
Der Ahnenaltar ist ein sehr hoher, hölzerner Tisch, auf dem -wenn vorhanden-
Bilder unsererAhnen, sprich der verstorbenen Mitglieder der Familie drapiert
werden.

Ein typischer Ahnenaltar in Vietnam
Neben diesen Bildern gehört ein Gefaeß mit Sand zum abbrennen von Raeucher-
staebchen in der Mitte des Tisches, ein Gefaeß mit Salz, eines mit trockenen
Reiskörnern, ein kleines Porzellan-Teeservice -welches mit Wasser gefüllt wird,
dass man regelmaessig wechselt-, 2 Vorrichtungen für Kerzen, 2 Vasen für Blumen
und ein grosser Teller auf einem kleinen Sockel für Opfergaben sozusagen
zur Grundausstattung.

Der Altar meiner Schwiegermutter, schön zu erkennen die einzelnen Gegenstaende
Je nach Geldbeutel und tiefe des Glaubens, bereichern viele ihren "Bàn Thờ"
(den Ahnenaltar) mit blinkenden Buddha-Statuen, elektrische Kerzen,
leuchtende Seerosen, Götterstatuen, und reich verzierte Wandbilder aus Gold.

Hier ein reich verzierter Altar
Der Ahnenaltar sollte sich nach Möglichkeit an einem hohen Punkt des Hauses
befinden und dehalb ist der Raum in dem er aufgestellt wird meist unter dem Dach.

Opfergaben zu Anfang und Monatsmitte des Mondkalenders
Am Ersten und Fünfzehnten des Monkalenders, bringen wir unseren Ahnen dann
jeden Monat Opfergaben, zünden Raeucherstaebchen für sie an und beten zu ihnen.

Tellerchen mit Blütenköpfen
Die Opfergaben für diese regelmaessigen "Zeremonien", die sich "Thắp Hương"
nennen, sind recht einfach und bestehen lediglich aus einem kleinen Tellerchen,
auf dem sich eine "Trầu Cau"-Frucht mit Blatt befindet, von der ich leider nicht
weiss, wie sie auf Deutsch heisst, einem Tellerchen mit Blumen"köpfen",
einigen Früchten und dem von mir im Blog bereits einige Male beschriebenen
"Geistergeld", dem "Tiền Vàng".

Ein Teller mit der  "Trầu Cau"-Frucht
Dazu entfachen wir in ungerader Zahl (da dies sonst Unglück bringt) Raeucher-
staebchen "Nén Hương", die ich einfach als "Cây Hương" kenne
(wörtlich übersetzt soviel wie "Duftstab" - "Nén Hương" waere dann übersetzt
die Duft-Kerze - die Zeremonie "Thắp Hương" an sich demnach schlicht
Raecherstaebchen anzünden), entzünden dazu eine Zigarette und stecken diese
auf den Stab eines bereits benutzten Raeucherstaebchens. Brennt die Zigarette
bis auf den Filter herunter, ohne dabei die Asche zu verlieren, ist dies ebenfalls
ein gutes Omen. Danach sprechen wir zu unseren Vorfahren und kürzlich
verstorbenen Familienmitgliedern.

Das "Geistergeld - Tiền Vàng", dass wie echtes Geld aussieht
Wir bitten sie um Beistand oder Hilfe, erzaehlen von unseren Sorgen und Nöten
und berichten ihnen von den aktuellen Ereignissen innerhalb der Familie,
wie z.B. der Geburt eines Kindes, der Einschulung eines der Kinder,
einer neuen Arbeitsstelle, der Krankheit eines Angehörigen, einer bevorstehenden
Prüfung, einem Umzug oder einer wichtigen anstehenden Entscheidung, usw.

Ein paar einfach Früchte, hier: Drachenfrucht und Mango als Opfergabe
Die Ahnen bleiben schlicht Teil der Familie und den Geschehnissen innerhalb dieser
und man setzt sie über Veraenderungen und Neuem in Kenntnis und sucht
wie zuvor waehrend ihrer Lebzeit Rat bei ihnen und hofft auf ihre Unterstützung.

Die übliche Haltung beim beten zu den Vorfahren
Wenn jemand stirbt, bleibt dessen Seele hier und wacht über uns.
Nach Ende des "Gebetes", waehrend dessen die Haende flach aufeinender gelegt,
mit den Fingerspitzen nach oben zeigend vor der Brust oder dem Kopf gehalten
werden, verneigt man sich drei Mal oder hebt und senkt drei Mal die so formierten
Haende.

Auswahl der Opfergaben an Feiertagen
Neben diesen beiden Riten zum 1.und 15. des Mondkalenders "Âm Lịch", über den
ihr euch auf der "Mondkalender und Tierkreiszeichen"-Seite informieren könnt,
werden auch noch zu allerlei gesonderten Daten Opfergaben gebracht.

Set mit den Gefaeßen für den Altar
Zu diesen jaehrlich wiederkehrenden Anlaessen, die als "Thờ Cúng"
(übers. Verehrung) bezeichnet werden und die feste, vorgegebene Ablaeufe haben,
fallen die Gaben darüber hinaus viel reichlicher und auch unterschiedlich voneinander aus.

Wesentlich reicher Gaben zu besonderen Anlaessen
Für gewöhnlich beinhalten sie aber allesamt dann Schnaps, Zigaretten, verschiedene
"Papierwerke" zu denen ich gleich noch kommen werde, verpackte Süsswaren,
Unmengen an Früchten, ein mit Blütenköpfen verzierter Teller, Blumen für die und
grossen Vasen die sozusagen zur Grundausstattung des Altars gehören, Raeucher-
staebchen und riesige Silbertabletts gefüllt mit ausgewaehlten Speisen.

"Canh Măng" - eine Suppe mit vietnamesischen Spargel
Gemeinsam haben diese Speisetabletts normalerweise eine Schale Reis, einen Teller
mit "Xôi" - Klebreisgericht (das bei Kochen durch Zugabe gewisser Zutaten in allen
möglichen Farben angerichtet werden kann), "Thịt Gà" -Ein gekochtes Huhn,
"Canh Măng" - eine Spargelsuppe, ein Schaelchen mit Gewürzsalz und Zirone und
natürlich frische Früchte.

"Xôi" - Das Klebreisgericht, dass es in versch. Farben und Ausführungen gibt
Diese Menüs werden zu den diversen Feiern jeweils noch um einige Gerichte
ergaenzt wie zum Beispiel zum "Tết" - dem Neujahresfest um: "Chân Giò/
Nấm Hương" - Eisbein mit Shiitake-Pilzen, "Miến Nấu Lòng Gà" - Eine
Glasnudelsuppe mit Hühnerinnereien, "Nem rán" - gebratene Frühlingsrollen,
"Thịt Đông" - Sülze, ein Bratgericht, "Giò Lụa" - etwa wie Gelbwurst, "Nộm"
- Ein Salat und "Dưa Hành Muối" - eingelegte Scharlotten
(hoffe das schreibt man so).. :) Was hier zu diesem Anlass keinesfalls fehlen
darf ist: "Bánh Chưng" - der traditionell-, viereckige Neujahrs"kuchen",
der jedoch alles andere als süss ist ;)

Übersicht über die typsichen Speisen zur Neujahrs-Opfergabe
Insgesamt sollten es an Neujahr mind. 10 verschiedene Speisen sein, die aber je nach
den Geschmaeckern der Leute und den Beschaffungsmöglichkeiten ein klein wenig
variieren dürfen. Das Ganze ist ja immerhin keine Millitaerparade.

"Bánh Chưng" - der traditionelle Klebreiskuchen zu "Tết"
Beim Ritual für den Küchengott, dem unser Betragen im alten Jahr vorgetragen wird,
ist beispielsweise hingegen ein Mahl mit frisch gebratenem Fisch am wichtigsten.
Ansonsten sind die Speisen denen zu "Tết" aber recht aehnlich.

Die drapierten Gaben für den Küchengott
Das reich gefüllte Silbertablett zu "Tết" wird dann in der Neujahrsnacht auf dem
Grundstück drapiert-sofern man eines hat, was in Vietnam aber fast nurnoch auf dem
Land vorkommt würde ich sagen, ansonten eben auf dem Hausaltar- und gegen
Mitternacht werden schliesslich Raeucherstaebchen entfacht um zu beten und um
die Geistern und vielen Götter für das folgende Jahr wohlgesonnen zu stimmen.

Mögliche Speisenzusammenstellung zur Ehrung "Ông Thờ`s"
Zum Abschluss wird sich wieder 3 Mal leicht verneigt bzw die Haende geschwaenkt
und sobald die Raeucherstaebchen erloschen sind, werden die Speisen angerichtet
und im Kreise der Familie gemeinsam miteinander verzehrt.
Wie in allen anderen Situationen, spielt das Essen wie man sehen kann auch bei
der Ausübung des Glaubens eine der grössten Rollen.

Zu Neujahr werden die Ahnenverehrung nach Möglichkeit auf dem Grundstück vollzogen
Hinterher wird das vorhin von mir angesprochene Papierwerk in einem kleinen
Blechofen in Brand gesteckt. Darunter befindet sich das Geistergeld, dass in der Regel
auch zu den gewöhnlich Gebeten verbrannt wird und bei den gesonderten
Begebenheiten wie den beiden oben beschriebenen, zusaetzlich noch ganze Packete
gefüllt mit kleinen Papiergegenstaenden, zum Beispiel dem Kleiderset von "Ông Thờ"
dem Küchengott, mit winzigen Schühchen und dem was da so nach Hasenohren
anmutet: Seinem Kopfschmuck. Selbst miniatur-Pferde oder Autos gibt es.

Anh Tùng mit den Papierwerken zur Ehrung des Küchengottes
Für das Beten hat man übrigens sogar Vordrucke, nach deren Texten man sich richten
kann, wenn man möchte. Was man allerdings nicht unbedingt muss.
Überhaupt ist alles recht zwanglos. Es gibt zwar feste Ablaeufe und man findet
den Glauben so gut wie überall wieder: Sei es bei einer Geschaeftseröffnung, wo um
Erfolg gebeten wird, einer Heirat, wo das Paar vor dem Altar betet und um
Zustimmung und den friedvollen und glücklichen Verlauf der Ehe bittet,
der Geburt eines Kindes, bei dem für dessen Gesundheit und positive Entwicklung
gebetet wird, einem Hauskauf usw. Die Bauern bringen kleine Gaben an den Rand
ihres Feldes und bitten um eine üppige Ernte.

Mein Mann und meine Tochter ins Gebet vertieft
 Aber wenn jemand nicht zu jedem 1. und 15. des Mondmonates seine Opfergaben
bringt, oder an Neujahr lieber feiern geht, als Zuhause die Ahnen zu ehren,
wird derjenige deshalb nicht vom Glauben ausgeschlossen.

Abschiedskuss für das Pferd aus Papier, dass gleich den Flammen übergeben wird
Der Ahnenglauben ist allgegenwaertig in Vietnam und auch grosse Religionen wie das
Christentum oder zeitweise Verbote seitens wechselnder Machthaber oder Besatzer
konnten sich nicht gegen ihn durchsetzten.

Und am Ende darf man alles aufessen :)
Auch mit dem Tod wird hier ganz anders umgegangen, als z.B. in Deutschland,
Österreich, oder der Schweiz.
Das letzte wovon man bei einer Beerdigung in Vietnam sprechen kann ist eine
"stille" Trauerfeier, aber davon berichte ich euch im naechsten Eintrag dieser Reihe.

Sonntag, 4. November 2012

Neues Vietnam Forum!

Wie viele von euch sicher mitbekommen haben,
habe ich mich vor einigen Wochen dazu entschlossen, künftig ein  
Forum zum Thema Vietnam zu betreiben um "eingesessenen"
Vietnam-Freunden eine Plattform zu bieten wo sie sich gemütlich austauschen und
miteinander diskutieren können und darüber hinaus um Vietnam Neulingen oder
Hilfesuchenden bestmöglich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und einen Ort zu schaffen,
an dem diese Antworten auf ihre Fragen finden und sich umseitig über alles informieren können,
was irgendwie mit Vietnam zu tun hat.

Nach einer anfaenglich, optisch etwas fehlgeschlagenen Version habe ich jetzt,
durch die superfreundliche und tatkraeftige Unterstützung eines Kunden, für den
ich Übersetzungsarbeit leiste und den ich bereits über ein anderes Forum kenne,
endlich ein richtig ordentliches Forum erhalten, dass sich sehen lassen kann,
wie ich finde und auch ein bisschen was her macht. :)

An dieser Stelle sei Peter nochmal ganz, ganz herrzlich dafür gedankt, dass
ich mich künftig neben dem Blog auch Betreiberin des

VIETNAM-BOARDs

"schimpfen" kann. ;) Ich hoffe ihr schaut mal rein und das sich unter den
zwischenzeitlich angemeldeten Mitglieder schon ein paar echte
Vietnam-"Profis" befinden, die euch bei Fragen bestens beraten können.

Sei es für die bevorstehende Planung der Reiseroute, bei Fragen zur Partnerschaft,
Ehe und kulturellen Unterschieden, der aktuellen Situation in Vietnam, Vietnams
Geschichte und Traditionen, bei Jobangeboten- oder suche, Empfehlungen oder
einfach nur um sich auszutauschen, ein bisschen mit gleichgesinnten zu plaudern
oder Freundschaften zu schliessen.

Wer mal reinkucken oder sich am besten gleich anmelden möchte, findet das neue
Forum, dass im schicken und modernen Style daherkommt, auf dem Blog links in
der Menüleiste unter dem "Vietnam Forum"-Link, relativ weit oben, oder direkt
über die Internetadresse:

http://vietnam-board.de 

Ich wünsche euch viel Spass und hoffe auf rege Beteiligung. :)

Eure Keo