Willkommen auf meinem Blog

Auf dieser Seite findet ihr -in den verschiedenen Rubriken unter dem Titelbild- viele nützliche Infos rund um das Thema Vietnam und zudem jede Menge lustig-bis spannende Anekdoten aus meinem Alltag, als Schwiegertochter einer vietnamesischen Familie..

Samstag, 11. Februar 2012

(KEO) - Mein Importschlager

Ich finds so schrecklich süß und hab so köstlich gelacht, dass ich es einfach posten muss.
Den Aufkleber einer Firma, die Packungsangaben auf importierten Waren aus dem Ausland, in die vietnamesische Sprache übersetzt.
Die erfinden nämlich auch hin und wieder einfach was mit dazu, wenn sie es für nötig halten.
So wie diese "Bedienungsanleitung" für die Verwendung von belgischer Schokolade:


Nach den Inhaltsstoffen und der Produktionsfirma, steht in der vietnamesischen Variante (und ausschliesslich in der), dann die:

Gebrauchsanweisung:
Öffnen sie die Schachtel und geniessen sie eines der kühlen Schokoladenstücke indem sie es auf dem Mund zergehen lassen.. [...] 

Damit der moderne Vietnamese auch weiss, was man mit so einem Ding überhaupt macht und wie man so eine Schokolade zu verbrauchen hat.

(KEO) - Leben wie die Könige

Nachdem mich vor meiner Umsiedlung nach Vietnam häufig die absurde Meinung überrascht hat,
Vietnamesen würden sicherlich allesamt noch in Holzhütten im Dschungel, in Stelzenhütten im Fluss oder sogar in Baumhäusern hinter ihren Bananenplantagen leben, will ich den "Zurückgebliebenen" hier mal einen kleinen Eindruck vermitteln, was für Unterkünfte eine nicht gerade kleine Zahl an Vietnamesen inzwischen so ihr eigen nennt.

Die Immobilie, die meine Schwiegermutter uns angeboten hatte
Die "Hütten" sind im Vietnam von Heute nämlich weit gefehlt und nach der Reise zu unseren Verwandten in einem der Dörfer in der Region Bắc Giang vor ein paar Wochen, auf der ich erstaunt festgestellt habe, dass nun bereits auch die ländlichen Gegenden nicht mehr kleckern, sonder klotzen finde ich, dass jetzt wirklich der passende Zeitpunkt für diesen Bericht ist.

Auch mit "altbackener" Küche, kann es sich sehen lasse
Dem werde ich ein einigen Tagen auch noch einen Artikel über die brandneue Designerküche meiner Schwiegermutter, mit Raumschiff-Doppeldecker-Kühlschrank hinterher schieben.

Eines von vielen, die in den Mehrstöckigen Häusern zu finden sind
Aber erstmal gibts für euch die Fotostrecke über "Buden", die noch nicht mal die echte Oberklasse repräsentieren, sondern im Stadtbild von Hải Phòng derzeit bereits Gang und Gebe sind.
Im Moment wird hier nämlich wieder gebaut, gebaut und zwischendrin auch noch etwas gebaut..

Kein deutsches Mehrfamilien- sondern ein vietnamesisches Einfamilienhaus
Heute sieht in der Stadt schon nichts mehr so aus wie gestern und übermorgen erkannt man den Strassenzug von morgen nicht mehr wieder, weil stetig noch neuere und noch moderner Bauten aus dem Boden gestampft werden. Natürlich lässt man sich dabei auch nicht lumpen und jedes neue Projekt ist von Stararchitekten und Stardesigner penibelst ausgearbeitet worden.

Wohnbereich meiner Schwiegermutter
In den grossen Städten wie Hà Nội und Sài Gòn entstehen sogar ganze kleine Städte, die wie eigene kleine Welten funktionieren. Die sind der Superlative Vietnams und ausländischen Investoren vorenthalten und auch hermetisch gegen alles- und alle anderen, mit hohen Mauern, Stacheldraht, Wachhäusern, Wachmännern und manchmal auch Wachhunden abgeriegelt.

Kann Fernsehen denn auf diese Weise Sünde sein?!
Und damit die "Schickeria", in die man als Aussenstehender gar nicht erst reinkommt, auch wirklich unter sich bleiben kann, haben diese "Themeparks" gleich ihre eigenen, seperaten Schulen, Kindergärten, Kliniken und Supermärkte.
Fehlt eigentlich nurnoch ein eigener Gerichtssaal - und natürlich: ein König!
Schlösser gebe es dort auf jeden Fall zur genüge...:

Wie für griechische Götter gemacht
So sieht der Zugang zum Himmel aus
So sauber und steril, dass man auf offener Strasse operieren könnte
So bleibt man unter sich..Die internationale Schule des Viertels, äh von Hanoi
So leer sind die Strassen Vietnams eher "selten" ;)
Aber verlassen wir Disneyland...
..und kehren zurück in die normale Welt. Aber selbst in der zieren wahre architektonische Schmuckstücke die Strassenzüge, von denen sich jede bessere Villa in Grünwald oder dem berlinerischen Gegenstück Grunewald, gut und gerne noch eine ganze Scheibe abschneiden kann..:

Eigentlich schon Standard in Hải Phòng

Modern, stil-u.geschmackvoll
Sogar unser Armenviertel, dass normalerweise immer direkt an den Bahnsträngen durch die Städte und Dörfer liegt, kann sich bei uns im Grunde sehen lassen..

Fast schon proudly presented: Das "Armenviertel"
Fast schon altmodisch, erscheinen da im Vergleich die noch nicht renovierten Gebäude in der Nachbarschaft, die allerdings mit Sicherheit nicht mehr lange in diesem Zustand bleiben werden, da bereits knapp die Hälfte des Viertels schon mit dem Umbauen begonnen hat und Nachahmer hier nie sonderlich lang auf sich warten lassen:

Unsere Nachbarhäuser
Blöd nur, dass dieser post somit Morgen schon nicht mehr akutell sein wird... ;)
(Mit besten Dank an Hanoigirl für die Bilder aus "Disneyland")

Freitag, 10. Februar 2012

Blog Info: Neuer Autor

Hallo meine Lieben,
heute gibts leider keinen Blogeintrag von mir, weil ich zur Abwechslung mal wieder ein bisschen mit der Gestaltung des Blogs und der einzelnen Seiten beschäftigt bin.

So hat sich seit gestern zumindest mal ein klein wenig was auf der Rezepteseite getan und ein, zwei neue Projekte entstehen gerade. Die sind alleridings noch nicht reif für die Veröffentlichung.
Als Trost gibts aber etwas viel, viel besseres für euch:

Wolzoff!

Wolzoff ist ein weiteres Mitglied aus "meinem" Forum und hat sich überraschenderweise als absolutes Schreibertalent entpuppt!
-Und weil Catinat und ich mit Wolzoff zusammen dann auch noch perfekt die seperaten Landesteile Nord, Mitte und Süd abdecken würden, habe ich ihn mit an Bord geholt.

In Zukunft könnt ihr somit neben meinen Berichten aus Hải Phòng in Nordvietnam, Catinats Artikeln aus der südlichen Hauptstadt Sài Gòn, nun also auch Wolzoffs Beobachtungen aus Huế in Zentralvietnam auf dem Blog lesen.

Wolzoffs kleine Serie findet ihr in der Menüleiste, gleich nach der Suchmaschine des Blogs.
Ich habe euch gleich schon mal den ersten Beitrag von ihm mit dazu gepostet, in dem er so seine Beobachtungen an einem Abend in einem vietnamesischen Krankenhaus in Hue beschreibt.
Ich hoffe, ihr seid mindestens genauso begeistert davon wie ich und wünsche euch viel Spass beim lesen.

Morgen geht es dann wieder ganz normal mit einem post von mir oder Catinat weiter..

Mittwoch, 8. Februar 2012

(CATINAT) - Meine Freizeit in Sài Gòn (3.Teil)

Ich darf das alles in der Gegenwartsform beschreiben, obwohl ich „umgezogen“ bin. Allerdings nicht alleine : der Waiter aus dem Sài Gòn - Cafe ist in die Bùi Viện ins „La Vang“ gezogen , und ich zum Teil mit ihm.


Zum anderen Teil wanderte ich in die Dependance von Cappuccino gleichen Namens in der Bùi Viện . Auch dort stosse ich auf „alte Bekannte“ unter den netten maennlichen und weiblichen Bediensteten . Geschichte eben ....
13 Jahre verbinden uns. Auf dem Bild traegt er das Sofateil , auf dem er naechtigt, zum Reinigen auf die andere Strassenseite des Doppelbistros mir der einen Kueche im Hintergrund.


Meine Frau hat verstaendlicherweise einen Horror vor Alkohol : im Augenblick wieder kuemmern wir uns fast verzweifelnd um den uns so lieben Schwager, der „es nicht lassen kann“. Ich habe es versucht, ihn allabendlich zum Bier einzuladen, um den Konsum etwas zu kontrollieren. Da fand seine Frau, die Schwester meiner Frau, in ihrer Wohnung schlecht versteckt, viele Wasserflaschen mit Hochprozentigem. Die Wohnung, die sie bewohnen, durfte ich nach Jahren fotografieren – demnaechst werde ich sie hier vorstellen. Wie einfache Saigoner Staedter wohnen.



Mein Spezialgedeck im La Vang

Ich trinke abends , meistens im La Vang, ein oder zwei Pinnchen vietnamesischen Rhum zum Kaffee. Die Waiter wissen : sie bringen es mir in der weissen Tasse abgefuellt , die ich unter die weisse Muetze tue, falls meine Frau vorbeikommt. Es geht also nach so langer Zeit „familiaer“ zu.
Mehr und mehr habe ich den Geschmack daran verloren, mich anderen Gaesten dort zu widmen. Ich hoere manchmal zu. Nur wenn die Gaeste, woher auch immer, sehr, sehr nett sind und mich etwas fragen, wende ich mich ihnen zu. Meine Freunde, sagt auch meine Frau : sind die Buecher, die ich dort lese. Eigentlich alles , vom Thriller ueber Gedichte bis zu Astronomischem. Und ich schreibe. Mein drittes privates Buch jetzt. Alles dies immer in der Zeit zwischen 21 und 24 Uhr. Es ist fuer die Enkel , wenn ich nicht mehr da bin.

Inspirieren lasse ich mich dabei vom ersten Stock aus von dem Blick auf die Einmuendung der Đỗ Quang Đẩu . Ein Holzrahmen auf dem Gelaender vor mir koennte den Fernseher noch voll ersetzen. Das Programm : Sex and Crime. Drei Handtaschenueberfaelle, eine Messerstecherei, ein recht blutiger Unfall mit Motobikes. In drei Monaten. Ein Bekannter, ein netter Landsmann, ca. 35 Jahre, oft Gast im La Vang, kam dagegen vor ein paar Wochen eher unspektakulaer aber geheimnisvoll auf der Toilette seines Hotels ums Leben. 
 

                                                So kann es schon mal aussehen

Buecher kann ich schraeg gegenueber tauschen. Um Mitternacht will auch mein Waiter seine wohlverdiente Ruhe haben. Was er mit seinen Angestellten leistet, ist Schwerstarbeit . Auch wegen der Strassenueberquerungen und den Etagenstiegen.

Dann kommt auch meine Frau vorbei, und wir haben den Abend gerne beendet mit einem naechtlichen Rundgang durch die Boulevards, die nun unter die Herrschaft der Ratten fallen. Ein weiteres interessantes Thema , an dem ich arbeite.

Wir schliessen unseren Rundgang noch gerne mit einem kleinen Saftumtrunk am Rande des Boulevards Cư Trinh ab, auch mit kleiner Gruppe.


Leider, leider , auch hier Geschichte : gegenueber dem ehrwuerdigen Hotel Metropole. Das ist jetzt abgerissen. Aber hinter dem Abriss habe ich noch eine reizvolle alte Nestle-Reklame gefunden.


Das Wesen einer organischen Metropole besteht darin, dass hier etwas altes vergeht, nicht weit davon aber etwas Neues entsteht. So brauche ich mir um die Zukunft meiner Freizeit in Sài Gòn also keine Sorgen zu machen.

Montag, 6. Februar 2012

(KEO) - Krankheitsbild "Privatsphäre"

Mich als gebürtige Deutsche überfällt sie nach wie vor noch des öfteren. Die Krankheit "Wunsch nach Privatsphäre".
Ein Vietnamese wird wohl nur in Ausnahmefällen von diesen Leiden heimgesucht.
Wir Ausländer sind somit quasi chronisch Krank in den Augen unserer asiatischen Mitmenschen.

Immer gesellig, immer in Gesellschaft.
Die Vietnamesen selbst hingegen scheinen immun zu sein. Kein Wunder auch, beim hiesigen Familienbild.
In Vietnam stellt sich der "Neureichtum" erst seit geraumer Zeit ein und dadurch entsteht ja erst die Möglichkeit, sich überhaupt den notwendigen Raum für eine ausreichende Privatsphäre zu schaffen. Man könnte auch sagen, ihn sich "an"zuschaffen, denn vor nicht allzu langen hatten die Menschen hier noch nicht die finanziellen Mittel für jedes neue Familienmitglied einen neuen Haushalt zu erwerben.
So ist es nicht unüblich, dass in einem Heim, sogar in einem Raum bis zu 10 Mitglieder einer Familie zusammenleben. Normalerweise gleich mehrere Generationen unter einem Dach. Vietnamesen wurden also bis heute sozusagen bereits in die "Immunität" gegen unseren Virus hineingeboren.

Weil Kinder, sobald sie ein gewisses Alter erreicht haben aber wie überall auf der Welt auch irgendwann einen Partner finden und ebenfalls eine Familie gründen, mussten natürlich vereinzelt Regeln her, denn ein normaler Mensch möchte nunmal auch mit seinem Ehepartner zusammenleben.
Deswegen hat man beschlossen, dass Töchter die einen Mann gefunden haben, künftig mit unter dem Dach der Eltern ihres Ehemannes leben und erwachsene Söhne bei den Eltern bleiben.
Als Ersatz für die "verlorene" Tochter, die ja auch eine Hilfe für Vater und Mutter ist, kommt dann die Schwiegertochter ins Haus und übernimmt ihre Aufgaben.

Vietnamesen stets im Kreise ihrer Liebsten
Diesen "Platz" der Schwiegertochter habe auch ich eingenommen, als ich vor etwa 3 Jahren von Deutschland nach Vietnam zu anh Tùng gezogen bin.

Und die Aufgabe einer Schwiegertochter, besteht in der Regel darin, sich um das Wohlergehen ihrer Schwiegermutter zu kümmern und dieser bei allen möglichen Arbeiten zur Hand zu gehen.
So gesehen wäre meine Aufgabe also relativ leicht zu bewältigen gewesen, da meine "Mẹ" (=vietnames. Mutter) -wie ich sie üblicherweise nenne- eine "O-xin" hat.
Eine "O-xin", -in Deutschland würde man sie vermutlich Hausmädchen oder Hauhaltshilfe nennen-, stammt meist aus ärmeren Verhältnissen vom Lande-, lebt in der Regel gleich mit in der Familie und hat meist nur ein paar Mal im Monat oder mitunter auch nur ein paar Mal im Jahr einige Tage frei, damit sie nach Hause ins Dorf zu ihren Verwandten fahren kann.

Ansonsten ist die sogenannte "O-xin" im Prinzip 24 Stunden am Tag auf Abruf irgendwo in den Wohnräumen zu finden und erledigt im Grunde alle Aufgaben und Arbeiten-, wie Wäsche waschen, Geschirr spülen, Putzen, Kochen, "Babysitten" bzw Kinder hüten, Einkaufen gehen und eben sonst noch alles, was so anfällt.

Ausländer. Nur bedingt Gemeinschafts-"belastbar"
Wärde also so gesehen, nicht mehr viel übrig geblieben, an zu verrichtenden Tätigkeiten für mich.

Würde ich keine frisch gebackene Ehefrau gewesen sein und hätte mich regelrecht danach gesehnt, meinem Mann die schmutzige Wäsche zu waschen, die Socken zu sortieren, die Hemden zu bügeln (nagut, dass ist gelogen. Ich hasse bügeln und kann es auch ehrlich gesagt nicht ), ihm sein Essen zuzubereiten, meiner kleinen bei den Hausaufgaben zu helfen und meiner Schwiegermutter zur Hand zu gehen um eine ordentliche Beziehung zu ihr aufzubauen.

Ich war somit in einer blöden Situation. Auf der einen Seite wollte ich, auf der anderen Seite: allein konnte ich ja gar nicht, denn zu der Zeit hatte ich schon meine erste, feste Anstellung in Vollzeit (Mo-Sa von ca 7-22 Uhr und rund zwei Stunden Mittag) an einer Schule und hätte es so niemals geschafft nebenbei auch noch das gesamte Haus von immerhin 7 od. 8 Stockwerken in Schuss zu halten, dass zudem auch noch in zwei komplett seperate Wohnbereiche zur Rechten und Linken, der Etagen aufgeteilt ist.
In jedem Stockwerk könnte man gut und gerne 2 ganze Eigentumswohnungen unterbringen und das putzt mal neben Kind, Ehemann und Schwiegermutter...Ach ja und natürlich dem Vollzeitjob von 13 Stunden am Tag und den anderen "Kleinigkeiten", die eben immer so anfallen.

Aber ich schweife ab..Es ging ja eigentlich um "ausländische Gebrechen".
So viel aber zumindest dann schon mal vorab zu den weiteren Beweggründen meiner später im Text getroffenen Entscheidung..

Mit meiner Schwiegermutter im Studio
Nun aber zurück zur Privatsphäre.
Vermutlich aufgrund dessen, dass Vietnamesen also seit jeher gemeinsam in einem Raum, ohne Trennwände oder gar geschlossene Türen leben mussten und ebenso all ihre Gebrauchsgegenstände grösstenteils miteinander verwendet wurden , können sie auch nicht wirklich viel anfangen mit dem Begriff  "Meins", wie "Das ist mein Zimmer", "das ist meine Haarbürste", "das ist meins".

Die engen Familienbande und der extrem ausgeprägte Gemeinschaftssinn der Vietnamesen tun ihr übriges und lassen so ein persönliches entfalten des Individuums, gepaart mit Besitzansprüchen im Prinzip gar nicht erst aufkommen.

Eigentlich ist daran ja überhaupt nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil diese besonderen Eigenschaften der Vietnamesen empfinde ich sogar als sehr positiv. Wären sie für uns Ausländer nur nicht so schrecklich ungewohnt!

Vietnamesen sind äusserst gesellig und wer nicht an ihren häufigen Zusammenkünften teilnimmt, sich von den anderen abschottet und immer zurückzieht, fühlt sich anscheindend deshalb auch in ihren Augen vermutlich nicht ganz wohl.
Mit dem stimmt auf alle Fälle schon mal was nicht.

Es war damit für meine Schwiegermutter selbstverständlich, dass sie Sonntag morgens (zur Erinnerung: mein einziger freier Tag in der Woche!) gegen 6 Uhr an unsere Zimmertüre (wenigstens sind wir zu diesem Zeitpunkt schon in den Genuss von getrennten Zimmern mit Türen gekommen) geklopft hat, um lautstark zu verkünden, dass wir uns in ca 10 Minuten unten einzufinden hätten, weil Gäste erwartet würden (übrigens von meiner Schwiegermutter, nicht von uns).
Wenn wir nicht umgehend reagiert haben, dann wurde die Tür einfach geöffnet und sie kam hereinspaziert, damit sie uns das ganze nochmal aus der "vor dem Bett"-Perspektive erzählen konnte.

Ganz mit mir selbst beschäftigt. In unserem alten Zimmer im Haus meiner Schwiegermutter
Verbrachte ich mal längere Zeit oben in "unseren" Wohnräumen um Emails an Freunde und Familie zu schreiben oder um einfach mal so richtig schön in aller Seelenruhe zu lesen, wurde ich in regelmässigen Abständen nach unten gerufen, weil man dachte, ich hätte ein Problem oder würde Heimweh haben.
Kam ich nicht, wurde irgendwann Bi zu mir heraufgeschickt um mich dazu zu bewegen, mich zu den anderen gesellen..

Sicherlich war das alles nur nett gemeint, aber so ein sehr enges "miteinander" kann für jemanden, der nicht damit aufgewachsen ist, schnell recht anstrengend werden.

Die eigenen 4-Wände..endlich tun und lassen was man will.. ;)
Hinzu kam dann in meinem Fall noch, dass durch die "O-xin" zusätzlich auch im verbliebenen Rest, "meiner" ohnehin schon ziemlich beschränkten Privatsphäre vorgedrungen wurde.
Sie sortierte meine Unterwäsche, sie machte mein Bett, sie schloss meine offenen Bücher...

Kurzum: ein eigener Hausstand sollte her.
Aber in Vietnam?! Völlig undenkbar! Mein Mann ist zudem noch das einzige Kind seiner Mutter, was die Sache noch viel undenkbarer macht.

Meine Vorgängerin -Bi`s leibliche Mutter- hat sich an diesem Wunsch, den auch sie an Tùng herangetragen hatte, die Zähne ausgebissen. Nie und nimmer hätte er zugestimmt.

Ganz anders allerdings, als bei mir. Hier hat Tùng das grösste und "schwerwiegendste" Eingeständnis in unserer Beziehung und der gemeinsamen Ehe gemacht, wofür ich ihm unendlich dankbar bin.
Bereits knappe vier Monate nachdem ich den Wunsch geäussert hatte, waren wir am umziehen ins Eigenheim. Das ist zwar mit seinen 3 Etagen wesentlich kleiner und bei weitem nicht so komfortabel und modern ausgestattet, wie die Stadtvilla von Tùngs Mutter, dafür können wir hier aber Sonntags auch mal ausschlafen bis der Hunger uns weckt..

Endlich wieder ganz und gar "meins".
Weil das neue Domizil auch nur einen Steinwurf von der Residenz der Mutter entfernt liegt, haben wir so ziemlich die perfekte Mischung zwischen deutschen Verständnis von Privatsphäre und vietnamesischer Auffassung von Geselligkeit und Familienleben.
Ich wurde zwar nicht geheilt, habe aber auf diesem Wege eine heilvolle Medizin erhalten.
Und wer weiss.. in ein paar Jahren, wenn es mir dann schon wieder etwas besser geht, dann werde ich meinem lieben und verständnisvollen Mann wahrscheinlich sein riesen Eingeständnis zurück"zahlen" und wir ziehen wieder zu seiner Mutter, damit sie im Alter nicht einsam ist.

Samstag, 4. Februar 2012

(CATINAT) - Meine Freizeit in Sài Gòn (2.Teil)

 Ein Abstecher in die Gegenwart, wie sie aus der Vergangenheit geboren wurde. „Einer Meeresmuschel aehnlich“.


Das gute alte Sài Gòn –Café , einst schon „Kult“

Das „Cappuccino“ liegt schräg gegenüber dem Sài Gòn-Café. Falsch : „lag“ ist richtig . Das Sài Gòn -Café war sechs Jahre lang mein Stammcafé in der Đề Thám - Straße . Hier verkehrten Vietnamesen, Touristen und als Stammgäste amerikanische und englische und australische Sprachlehrer. Manche kamen , setzten sich hin und spielten vietnamesische Lieder auf der Gitarre. Der bekannteste war Richard Fuller, der auch im vietnamesischen Fernsehen auftritt. Er lehrt englische Sprache mit ungeheurem Charisma über Musik und Bewegung. Ich habe so viel gelernt von ihm. 2006 schloss das Sài Gòn -Café, das zu einem fast schon klassischen Literatencafé geworden war – nicht nur zu meinem Entsetzen. Eine Fastfoodkette namens Lotteria kaufte es und baute es um. Es hielt sich zwei Jahre. Dann gab es auf und im August 2008 zog das laute Allez-Boo ein. Ich betrachte diese Ecke gegenüber meinem derzeitigen „Cappuccino“ mit großer Nostalgie. Auf der anderen Seite erfahre ich : Ich habe schon „Geschichte“ in Sài Gòn. Unser Stadthaus liegt etwa einen Kilometer von dieser Stelle entfernt. 
 

Nach „Lotteria“- Plastikfood kam Allez Boo , vorwiegend : laut
Gelegen“ ist diese Gelegenheit natürlich – wie könnte es anders sein ? – in einer zur Đề Thám -Strasse hin offenen Cafeteria. Es wurde dann auch mein neues „Stammcafé“ in Sài Gòn , da ich fast täglich hierhin komme. 






















Vieles hier ist recht schnelllebig.
Die nette Bedienung über- und versteht meine ersten Sprachversuche in vietnamesisch. Leider kann ich ja nicht singen, sodass mir die Intonationslexik dieser sogenannten nicht agglutinierenden Sprache schwer fällt : Die Wörter bestehen aus meist knappen Silben, die auch nicht verändert werden. Der Vorrat solcher Silben, die oft tief in der Kehle gebildet werden, ist schnell aufgebraucht. Der Kunstgriff, diese Beschränkung zu erweitern, besteht in einer sechsfach möglichen Verschiedenheit der Intonation der Vokale. Für das Ohr klingen diese Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung sehr ähnlich, für mein ungeübtes Ohr oft kaum wahrnehmbar. Für Kehle und Zunge ist die Erzeugung der Laute : „halsbrecherisch“. Meine Bemühungen fallen hier im Café mit dem überraschenden Namen „Cappuccino“ in der
Đề Thám – Strasse auf buchstäblich fruchtbaren Boden und mir wird hier alles Wünschenswerte, was Vietnamesen für europäisch-amerikanische Kost halten, zu relativ niedrigen Preisen nett serviert. Unter anderem Khoai tây chiên , Pommes Frites, in der Karte ausgewiesen als French Fries.Die Portion zu 20.000 Dong, das sind etwa 80 Cent. Der Kaffee kostet etwa 50 Cent, eine mittelgroße Pizza zwei bis drei Euro. Ein Glas Wein – rot oder weiß – aus dem ehemaligen französisch kaiserlichen Kurgebiet, vor Jahrzehnten mit Jagdmöglichkeit auf Tiger im Mittelgebirge, Dalat, kostet 60 Cent. Dieser Wein lässt die Erinnerung sprudeln und macht die Hand locker zum Schreiben.
Zum Sprachenlernen : jeder Mensch lernt anders. Ich komme am besten zurecht mit „Tiếng Việt - Vietnamese for beginners“ von Phan Văn Giưỡng. Es gibt mehrere Stufen und Baende, preislich erschwinglich. Mit CD’s und Arbeitsbuch. Auch die Beschaeftigung damit gehoert zur Freizeit.

Und das ist „Sie“ , die Schaumgeborene . Von Sandro Botticelli . Schmueckt auch das „Cappuccino“ in Sài Gòn . Đề Thám – Strasse. Natuerlich erinnere ich mich bei ihrem Anblick auch an eine ehemalige langjaehrige Freundin , die ihr nicht unaehnlich war. Psst, So etwas sagt man besser nicht seiner vietnamesischen Frau. 
 

Freitag, 3. Februar 2012

(KEO) - Der Weihnachtsmann kommt..

Was so spät noch?! Denkt ihr euch jetzt wahrscheinlich, aber jap! So isses..!
Mein ganz persönlicher Nikolaus befindet sich auf dem Weg hier her.

Und mein ganz eigener Nikolaus heisst Andi - und der kommt auch nicht etwa mit dem Schlitten,
sondern mit der Thai-Air via Bangkok.

Ja, ihr habts vermutlich jetzt erraten, Andi ist nicht wirklich der Weihanchtsmann, sondern ein ganz gewöhnlicher Mensch wie du und ich.

Ein bisschen etwas vom einem echten Weihnachtsmann hat Andi allerdings.
Die Tatsache nämlich, dass ich ihn noch nie gesehen habe und er genau wie der andere Weihnachtsmann eben auch, einen grossen "Sack" voll beladen mit "Geschenken" für mich bringt.
Der Zauber wie zu Weihnachten, ist für mich der gleiche.

Ok, zugegeben der "Sack" ist zwar nur ein stink normaler Rucksack und die "Geschenke", dass sind ebenfalls nur normale Sachen, die der Helfershelfer -ein kleiner Engel- oder einfacher gesagt: meine Mutter, für mich zusammengestellt hat, aber eine "Wunschliste" habe ich zumindest geschrieben dafür. Gut, nicht direkt eine echte Wunschliste, aber immerhin einen Zettel, mit den Dingen die ich gerne aus Deutschland hätte und das wird im Volksmund ja auch als Wuschzettel betitelt.

Wenn man eine gewisse Zeit in Vietnam verbracht hat, -ohne die Möglichkeit eines kurzen "Zwischenstops" in der Heimat, dann gehen einem auf einmal die seltsamsten Gegenstände oder Utensilien ab.
Diese Dinge auf dem gängigen Wege zu versenden, dauert allerdings mit unter eine halbe Ewigkeit und wenn man nicht so lange warten möchte, wird das ganz schön teuer.

So sucht man also irgendwann nach Alternativen und eine klasse Variante davon wäre, die Sachen die man sich so sehnlich wünscht und die so unglaublich fern und unnereichbar scheinen, einem Reisenden mitzugeben.
Auf das sind seit jeher schon die gefuchsten Vietnamesen gekommen, die im Ausland leben oder eine im Ausland lebende Person kennen.

Für mich als Deutsche gestaltet sich das etwas schwieriger, da ich ja relativ wenige Verwandte und Bekannte habe, die hin und wieder auf Heimaturlaub nach Vietnam kommen um mir etwas mitbringen zu können.
Will man das Zeug aber trotzdem unbedingt haben, muss man sich etwas mehr einfallen lassen.
Vor einigen Monaten bin ich somit auf die glorreiche Idee gekommen, mal in dem Vietnam-Forum nachzufragen, in dem ich Mitglied bin, ob da nicht vielleicht jemand gewillt wäre, mir evtl. für eine kleine Gegenleistung die paar heissersehnten Gegenstände auf der nächsten Reie mitzunehmen.

Auf diesem Wege habe ich Andi kennengelernt und der ist ein echter Goldschatz.
In ein paar Tagen wird er mir nun schon das zweite Mal eine Tasche von Deutschland nach Ha Noi bringen,
die alles -mir scheinbar überlebenswichtige- für die kommende Zeit enthält, welche meine Mama in München liebevoll für mich zusammengestellt hat.
Und der absolute Knüller: Andi will überhaupt nichts, als Gegenleistung.
Dafür möchte ich mich an dieser Stelle auch noch mal ausdrücklichst bedanken, sollte Andreas gerade zufälliger Weise diesen post lesen.
Es ist schön zu sehen, dass es doch noch ein kleine Zahl Menschen wie ihn gibt.
Die aus purer Nettigkeit und Nächstenliebe handeln und anderen damit eine riesengrosse Freude bereiten.

Und meine Freude ist tatsächlich riesen, riesen gross! So gross, dass ich mich fühle wie damals, als Kind unter dem Weihnachtsbaum kurz vor der Bescherung..
Ein unsagbar schönes Gefühl.
Mir ist aber fast ein wenig peinlich, was genau ich da jedes Mal unbedingt haben möchte.

Im Grunde kann man ja nun auch in Vietnam, so ziemlich alles käuflich erwerben, was es eben auch in Deutschland so erhältlich ist.
Dinge die dann am Ende also auf so einen Wunschzettel kommen, sind dadurch mitunter ein wenig abstrus.

Bei diesem Besuch von Andi z.B.: ein paar Scheiben ganz gewöhnliches, trockenes Brot vom Bäcker aus dem Supermarkt und eine Packung "Debreziner"-Knackwürste, getrocknete Rinderkehlen -oder was immer das auch genau sein soll- für King Kong, beim letzten Mal einige Paare Wintersocken, im Paket von vorgestern dann auch mal den "Christ"-Stollen meiner Mutter, mit Plätzchen dazu (die der Post sei Dank übrigens ein nettes Bröselgemisch im gepolsterten Briefumschlag ergaben, was vielleicht auch einer der Gründe ist, soetwas lieber über Leute wie Andi ankommen zu lassen), eine Mini-Flexirollleine für den Hund (die gab es zwar hier auch, aber natürlich nicht mehr in der gewünschten Farbe!) ;) , Aschenbecher (aus den vietnamesischen fliegen immer, aber auch wirklich immer(!) die Zigaretten raus, auf den Tisch), Chihuahuakleidung (selbst die gibt es nun schon in Vietnam. King Kong hat jedoch einen besonderen Geschmack) ;) , Deosticks (die trockenen nicht die mit "Nassrollkopf"!), viel, viel Literatur, die verschiedensten Süssigkeiten und so geht das dann auch weiter, in einer ganzen Reihe von Absurditäten und Abstrusitäten. :))

Ich scheine da aber wie von anderen "Expats" zu hören ist bei Leibe nicht die einzige zu sein, die sich so allerlei "Kuriositäten" auf diese Weise anliefern lässt.

Bald ist Montag, da ist es dann wieder so weit und Andis Schlitten, äh Flieger setzt vollgepackt mit den Geschenken, äh meiner Tasche zum Landeanflug auf Vietnam an..