Willkommen auf meinem Blog

Auf dieser Seite findet ihr -in den verschiedenen Rubriken unter dem Titelbild- viele nützliche Infos rund um das Thema Vietnam und zudem jede Menge lustig-bis spannende Anekdoten aus meinem Alltag, als Schwiegertochter einer vietnamesischen Familie..

Sonntag, 15. Januar 2012

(KEO) - Was tun, wenn man kein Auto hat?!

Diese Frage stellt sich für einen waschechten Vietnamesen erst gar nicht, wenn es um die Frage der Transportmöglichkeiten geht.
Wozu auch?! Wir haben doch unsere Motorbikes!
Die Mischung zwischen "echten" Motorrädern und den niedlichen "dolce Vita", der italienischen Rollervariante.

Eine Couch?! Kein Problem
Das hier selbst bei Regen und Donner kein Mensch im geschlossenen und beheizten Auto fährt, sondern auch im grössten Unwetter brav mit seinem Zweirad durch die Strassen und Gassen tuckert, hat weniger etwas mit dem durchweg freundlicheren Klima als in deutschen Breiten zu tun, als schlicht mit der fiesen Tatsache,
dass Autos erst seit einiger Zeit auch der normalsterblichen Bevölkerung zum Erwerb geboten werden.

Ein paar Tiere?! Auch kein Problem! (Quelle nhutho06.violet.vn)
Wobei "normalsterblich" sind diejenigen, die sich am Ende auch wirklich so ein Teil leisten dann wohl nun doch nicht so ganz.
Die extrem hohen Zoll- u. Einfuhrgebühren und der gewichtige Steueranteil, lassen den Endpreis in astronomische Höhen schnellen, weshalb so ein Viertürer dann letztlich eher nur in den Wohnzimmer der oberen 10-Tausend landet.

Vergleichsweise einfach: Kleiderständer
JA, ihr habt richtig gelesen: "den Wohnzimmern"!
In Vietnam parkt man seinen fahrbaren Untersatz für gewöhnlich, nämlich noch dort, wo es am sichersten ist:
Den eigenen Vier-Wänden.

Zuhause bleiben, wegen dem bisschen Regen?! (Quelle: vietbao.vn)
Das erklärt auch die breiten Eingangstüren, die eher Eingangstoren gleichen und das Haus einer besseren Garage oder eines Ladens anmuten lassen. Das sind in der Regel grossflächige Flügeltüren, die komplett zur Seite hin aufgeschoben werden können und die komplette Hausbreite umfassen.
Zu dieser Haustüre -die meist einige Stufen weit, nach oben versetzt liegt- führt dann bei fast allen eine Rampe, über die der Schatz der Familie -das Motorrad oder Auto-, in die Wohnräume gefahren werden kann.

Wer findet den Fahrer?! (Quelle: tintuc.xalo.vn)
Jedem Ausländer stellt sich jetzt aber mit Sicherheit die Frage, "aber was wenn man mal etwas mehr einkauft, oder etwas sperriges zu transportieren hat?!" - Alles kein Problem! Die Vietnamesen sind geübt in der Kunst des Schichtens und des Stampelns. Wahre Logistikweltmeister könnte man sagen. Sollte man auch sagen, wenn man sich so auf den Strassen hier umsieht.

Eine Reifenpanne wäre kein Grund zur Panik. (Quelle: vcmedia.vn)
Da wird von Tieren, über einem Dutzend Menschen, Möbeln und Leitern, bis hin zu Kühlschränken alles aufs Motorrad gepackt oder geschnallt, was nicht niet- und nagelfest ist. Aber seht selbst in der kleinen Fotoreihe, die ich euch zusammengestellt habe, damit ihr das unfassbare, etwas besser fassen könnt.. ;) :

Möbeltransporter?! Die brauchen wir hier nicht. (Quelle: bbc.co.uk)

Die Festtagsdeko kommt auch auf 2 Rädern (Quelle: baothuathienheu.vn)

Nur ordentlich festgezurrt muss alles werden. (Quelle: vnepxpress.vn)

Dann kann auch der "Beifahrer" noch mit (Quelle: vnexpress.vn)

Nichts für schwache Nerven: Schweinetransport (Quelle: thanhphovinh.gov.net)
Die nächsten 3 benutzen zwar "Hilfsmittel" zum Transport oder sind Cyclos, aber deswegen nicht weniger spektakulär:

Ganze, oder zumindest "fast ganze" Autos (Quelle: tindachieu.com)

Ein kleiner Hänger zur Hilfe (Quelle: http://vietgiaitri.com)

Auch die Cyclos sind nicht weniger "transportfähig" (Quelle: http://vietbao.vn)
 Zum Abschluss noch eine Abbildung, wie so eine ganz normale "Haustüre" in Vietnam aussieht:

Die riesigen Flügeltüren von innen

Schiebegitter, Rolläden, Stufen und Rampen: Ein typsich vietnamesischer Hauseingang

Rollläden als moderner Schutz gegen ungebetene Gäste

Freitag, 13. Januar 2012

(CATINAT) - Enfant terrible

Da ist sie. Sie !
Der Schwarm aller Buben zwischen 4 und ….Jahren. Die Diva. Der unangefochtene Jungstar unserer Hẻm (Gasse) in der “Unterstadt”.
Sie wickelt jeden um ihre winzigen duennen Finger. Entziehen kann man sich ihrem frechen Charme nicht. Xanh Xanh ihr Name , auch Sâu Xanh gerufen, kleine blaue Raupe. Immer praesent , ein Punkt nur von Statur , aber immer im Mittelpunkt der Downtown.In Wirklichkeit also eine “Macht”.
Sie faellt auch mal hin beim Ueberholen der Jungenmeute - winziger “gefallener teuflischer Engel” sozusagen. Aber das Besondere an ihrem Verhalten : ihr Lachen dabei , cười . Frech, aber auch zum Mitlachen. Das Lachen ist schon in ihr Gesicht geschnitten.
Sâu Xanh , die kleine Raupe mit der Kraft und Ausstrahlung eines feuerspeienden Drachen. Und wenn die Jungen sich vor ihr um ihre Gunst streiten , sich verletzen , dann erinnere ich mich an H.Heines Spitzbuebin-Gedicht, wenn er, der Dieb, aus dem Gefaengnis nach ihr ruft “…komm zu mir, …ich schmachte” , erleben muss “ Sie schuettelt das Haupt - und lachte.”

Neugierig, quirrlig Xanh Xanh
In der asiatischen Mythologie gibt es eine Gestalt, die ihr aehnlich ist , bzw. sie ihr . Eine Gestalt, die mehrmals starb und reinkarnierte. Ein rechtes Enfant terrible. Zwar ein Junge , Ne Zha , aber warum nicht wiedergeboren werden als Maedchen, als Xanh Xanh oder Sâu Xanh , die freche Raupe mit der Kraft eines Drachen ? 


Die kleine Raupe zeigt begeistert ihren Helden
Lady Yin gebar ihrem Mann, dem militaerischen Kommandeur Li Jing einer Passregion , - zu dessen Entsetzen eine Fleischkugel. Die Mutter hatte das schon geahnt, denn Zeit seines Lebens und darueber hinaus wuerden ihr Sohn und sie sich immer wieder im Traum treffen. Der Vater hieb mit dem Schwert auf die Kugel ein. Die teilte sich , entfaltete sich und heraus sprang ein wilder Junge, der sprechen konnte. Nezha oder Ne Zha oder Nata oder oder Nézhā oder Núozhā (nach Wiki). Erzogen wurde er vom unsterblichen Lehrer Taiyi Zhenren.
Eines Tages, als er am Meer spielte, kam ihm der Ao Bing, der dritte Sohn des Drachenkoenigs der oestlichen Meere, Ao Guang, provozierend nahe. Nezha toetete ihn im Kampf. Die ganze Familie Li Jing sollte sich beim Drachenkoenig dafuer verantworten. Der ungestueme Junge Nezha besann sich auf die familiaeren Tugenden und buesste, indem er Seppuko beging, den rituellen Selbstmord, wobei der Unterleib selbst aufgeschnitten und die Eingeweide beim Sterben herausgeloest werden.
Die Mutter liess ihrem Sohn heimlich einen Tempel bauen, so wie es in ihren Traeumen vorhergesehen war. Der noch immer zornige Vater liess den Tempel verbrennen.

Heute als Comic-Held: Nezha
Der Lehrer Taiyi Zhenren gestaltete aus Lotuswurzeln einen neuen Koerper fuer die Seele des Nezha.
Aber wegen der Tempelzerstoerung hegte der neugeborene Nezha Hass auf seinen Vater. Sie fochten viele Kaempfe aus, aber der Vater spuerte, dass er dem Sohn nicht mehr gewachsen war . Vor allem auch, als dieser einen seiner Brueder , Muzha, an der Seite des Vaters ueberwaeltigte.
Mehrere Goetter vermittelten . Nezha hatte auch das Wohlwollen des Jadekaisers gewonnen. Denn er hatte den Aufstand des Affenkoenigs Sun Wukong gegen den Kaiser niedergeschlagen.
Zum Schluss soll sich der staerkere Sohn dem schwaecheren Vater gebeugt haben. Darueber gibt es aber unzaehlige lokale Versionen. Auch Li Jing wurde in den Himmel gehoben. 

Am Ende kämpfen beide doch immer für das Gute
Nezha wird immer jung dargestellt, oft richtig noch als ein wilder Junge. Er springt auf Feuerraedern einher , kleiner Gruss von Hermes aus Athen und von Merkur aus Rom. Er hat den Ring des Universums um sich geschlungen, manchmal auch in der linken Hand , die rote Kriegsschaerpe um die Schultern und einen langen Speer mit feuriger Spitze in der rechten. In einigen Geschichten kann er auch Feuer speien. Oder er hat drei Koepfe und sechs Arme. Die Geschichten wurzeln in Synthesen von taoistischen , hinduistischen und buddhistischen Elementen. Nezha beunruhigt die Welt zwischen China , Japan, Korea, Formosa , Kambodscha , Vietnam und Indien. Kaempft zuletzt nach “jugendlichen” Irrungen und Wirrungen doch immer “fuer das Gute”.
Ne Zha oder Xanh Xanh. Goettliche Enfants terribles mit Herz. Sozusagen auf Feuerraedern.

Dienstag, 10. Januar 2012

(KEO) - Tết-Das vietnameische Neujahr, in einer ganz "normalen" Familie

Kaum ist das eine vorüber, steht auch schon wieder das nächste Neujahrsfest an.
Das "eigentliche" Silvester, findet bei uns nämlich erst in rund 2 Wochen statt:
Das vietnamesische Tết-Fest.
Diesmal fällt es auf den 23.01.2012, ein Drachenjahr. Etwas früh, denn im Normalfall wird das "frohe Neue" in Vietnam, so gegen Mitte bis Ende Februar willkommen geheissen.
Dadurch, dass Tết sich aber nach dem Mondkalender (Âm Lịch) richtet, verschiebt es sich alljährlich um einige Wochen und kann wie heuer eben schon Ende Januar sein. Für gewöhnlich liegt es jedoch irgendwann zwischen Februar und März.

Baumbehang für den "Cây Đào"
Und Tet ist wie bei den Deutschen das Weihnachtsfest:  "Traditionsgemäß" die stressigste Zeit im Jahr!
Den Bräuchen und Sitten folgend, muss das gesamte Haus vom (nicht vorhandenen) Keller bis unters Dach
einer Generalreinigung unterzogen werden, etliche Gerichte sind vor-und zuzubereiten, Arbeitskollegen,
Freunden und Familie wird die Aufwartung gemacht, der Altar (der in jedem Haushalt zu finden ist) hat auf Hochglanz poliert zu werden, ein Baum wird herbeigezaubert und geschmückt, Kindern steckt man die roten Briefchen -die ein paar Banknoten beinhalten- zu, für die Erwachsenen besorgt man ganze Geschenkkörbe oder mit Präsenten gefüllte Taschen, Opfergaben werden gebracht und -ein einziges Mal im Jahr- Vorräte herangeschafft.

Die Wohnung auf hochglanz poliert
Alles fiebert auf den einen Moment hin, nach dem sich ganz Vietnam im Anschluss für etwa eine Woche im totalen Ausnahmezustand befindet.

"Chợ Tết" (z.dt. der Neujahrsmarkt)
Denn ist die Neujahresnacht vorüber, sind die Strassen hier wie leergefegt.
Sämtliche Geschäfte, Ämter, Banken und Restaurants haben geschlossen und jeder widmet seine freie Zeit seinen Nächsten. Man besucht sich gegenseitig, holt sein edelstes Tröpfchen aus dem Schrank und es wird
gegessen, gegessen, gegessen und nochmals: gegessen.

Nachdem es den Ahnen serviert wurde, kann man selber zubeissen
Jeder ist einer Hochstimmung, der auch die extrem niedrigen Temperaturen um Tet herum, keinen Abbruch tun können.

Auch bei uns Zuhause spürt man die Veränderungen bereits wieder deutlich und euch interessiert mit Sicherheit, was da genau passiert und wie so ein Jahreswechsel in Vietnam von statten geht.

Da das neue Jahr aber erst noch vor der Tür steht, berichte ich euch einfach wies letztes Mal war.

Der Drache aus Blumen auf dem "Chợ Tết"
Bevor es so richtig losging, also noch gegen Ende des alten Jahres, hatten wir erstmal jede Menge Arbeit in der Firma. Liegengebliebene Unterlagen mussten abgearbeitet- und noch ausstehende Geschäfte oder Verträge weitestgehend unter Dach- und Fach gebracht werden und geliehene Gegenstände oder Beträge wurden zurückgegeben, um zu vermeiden dass das neue Jahr finanziell schlecht läuft.
An einem freien Wochenende sind wir dann mit unserer Kurzen auf den Tet-Markt (Chợ Tết) gegangen um uns die alljährlichen, prachtvollen Blumendekorationen anzusehen und um ein paar rote Umschläge für die Geldgaben an Kinder (lì xì) und etwas Schmuck für den Neujahrsbaum (cây đào) zu besorgen.

Die traditionellen, roten Umschläge (lì xì)
 Die folgenden Tage verbrachten wir damit, verschiedenen Familienmitgliedern, Kollegen und Freunden von uns kurze Besuche abzustatten, oder solche Besuche bei uns Daheim zu empfangen und bewirten.
Das läuft für prinzipiell immer gleich ab. Für die Erwachsenen werden Taschen oder Körbe, gefüllt mit Keksboxen, Tees, Kakao, Kaffee, Zigaretten oder Spirituosen überreicht und den Kindern die schönen Cellophan- od. Papierhüllen (lì xì) zugesteckt, in denen sich je nach wohlstand des Empfängers und des Senders zwischen 20.000-500.000 Dong befinden.

Blick auf das Tet-Feuerwerk, vom 11.Stock eines Hotelbalkons
 Ich würde sagen, dass eine 50-Tausend Dong Note so den gängigsten Inhalt darstellt.
Wichtig ist dabei, dass der Geldschein neu ist. Mindestens aber sauber, glatt und ordentlich gefaltet.
Danach sitzt man bei einem Tee (meistens grüner) oder den -mit einem Schluck Rotwein, edlen Cognac od. Whisky gefüllten- besten Gläsern aus der Vitrine des Hauses, etwa 5-20 Minuten zusammen und erkundigt sich gegenseitig nach der Gesundheit der Familie und den letzten Neuigkeiten oder Veränderungen.
Kaum hat man sich hingesetzt, verabschiedet man sich auch schon wieder und bricht zu seiner nächsten Steppvisite auf.

Auf Neujahresbesuch bei Verwandten
Richtig nett wird dieser Brauch, wenn jemand (wie mein Mann Tung), in gehobenerer Position ist oder einfach einige Mitarbeiter unter sich hat, die ihm die Aufwartung machen müssen.
Auf "diese Weise" haben wir im letzten Jahr dann am Ende der Feiertage rund 6 Stangen Vinataba (Zigarettenmarke), 5 Karton Bia Ha Noi, 1 Karton Heineken Bier (alle a 24 Dosen), 3 Flaschen Jimmy Walker, 2 Flaschen Jack Daniels, 1 Flasche Hennesy, 2 Geschenkkartons mit "Baileys" und Schmuckgläsern, 2 Flaschen Rotwein, 2 Flaschen Weisswein, 6 Geschenkboxen Kekse, 8 Tees, 4 Kakaosorten, 7 Kaffe (Instant u 1"echter"), 3 Karton Pralinen, 2 Karton Schokokonfessionen, 2 Fische und 3 Hühner erhalten ;)
Bestimmt habe ich etwas vergessen, aber das reicht ja auch fürs erste. Ich hatte alles gestapelt und abfotografiert, aber kurz nach Neujahr, am Geburtstag der Kleinen ist dann die Kamera verschwunden bevor ich diese atemberaubenden Bilder hochladen konnte. :(

Die "Präsenttüten" neben Tung beginnen sich zu sammeln
Während der Berg an Mitbringseln immer höher wurde und wir unsere Einkäufe getätigt hatten, haben wir unseren "Weihnachtsbaum" (in Vietnam meistens Kirschblüten- oder Pfirsichbäume, die vorläufig nur Knospen tragen, sich dann zu Tet aber öffnen und den Baum herrlich erblühen lassen) bei meiner Schwiegermutter drüben abgeholt und ihn mit Bi zusammen, mit den Anhängern (Goldfische- und Münzen, rote Fähnchen -auf denen Glückssprüche stehen-, blinkende Lichterketten und falsche Pfirsichfrüchte) geschmückt.

"Cây Đào" der vietnamesische "Weihnachtsbaum"
Am Tag des Tetfestes sind Tung und ich dann früh morgens mit unserer Kleinen ins Kloster raus nach Kien An gefahren. Man will sich ja schliesslich, schonmal das Wohlwollen der Götter und Geister, im Vorraus für das nächste Jahr sichern.
Nachdem wir gebetet- und jeder Gottheit ein bisschen Kleingeld zugesteckt hatten, sind wir nach Hause gefahren um das gesamte Haus auf hochglanz zu bringen und das Essen für unseren Hausaltar vorzubereiten.

Mit Hân vor dem Kloster
Hierfür muss ein Huhn gekocht, ein Schälchen mit Kräutersalz -in das eine kleine grüne Zitrone und kleingehackte Chillischoten kommen-, gebratene Frühlingsrollen, Miến (Glasnudelsuppe), gebratener Fisch und ein Schälchen Mắm (Fischsosse) auf ein grosses, rundes, silbernes Serviertablett arrangiert werden und dann ca. für die Dauer des Abbrennens von Räucherstäbchen, mit auf den Hausaltar gestellt werden.

Einige der typischen Gerichte zu Tết
Weitere Gaben sind Spirituosen, ein Bündel Falschgeld (tiền vàng) und eines mit verzierten Papier, zu besonderen Anlässen wie diesen zusätzlich noch ein ganzes Set aus Papiergegenständen wie Pferden, Toilettenartikeln, Autos, Kleidung, Schuhe und ganze Häuser, dass hinterher alles in einem kleinen Blechofen verbrannt wird.

Das "Geistergeld". Opfergaben aus Papier
Ausserdem noch Zigaretten (von denen eine für die Geister angezündet und auf ein abgebranntes Räucherstäbchen gesteckt wird-brennt sie ganz ab und bleibt die Asche dabei auf dem Stummel, ist das ein gutes Zeichen und bringt Glück), Blumen (in der Vase und lose Blütenköpfe auf einen Teller verteilt), ein Gefäß mit trockenem Reis und ein weiteres mit Salz gefüllt, ein Miniatur-Teeservice mit frischen Wasser, ein Topf zum einstecken der Räucherstäbchen und ein kleiner Teller auf dem ein grünes Blatt mit dazugehörender Frucht liegt (chau cau/den dt. Namen kenne ich leider nicht).

Der hauseigene Altar in der Neujahrsnacht
Als wir dann unsere Opfergaben gebracht hatten, haben anh Tung und ich mit aufeinandergelegten Handflächen in Brusthöhe, zu den verstorbenen Ahnen gesprochen und uns hinterher 3xMal vor dem Altar verneigt.
Nach gut einer halben-dreiviertel Stunde, haben wir das Tablett mit dem Essen und die einzelnen Papiergaben nach unten geholt und die falschen Scheine, Pferde, Kleidungsstücke und Co in dem kleinen Blechofen vor der Haustür verbrannt.
Auch im Erdgeschoss hatten wir einen riesen Teller mit den ausgewählten Gerichten aufgestellt.

Früchteteller und Blumenschmuck für den Hausalter
Bis wir endlich mit allem fertig waren, war es auch fast schon Mitternacht und wir haben uns schnell auf den Weg, zum nahegelegenen Haus meiner Schwiegermutter gemacht, für die ich schon am Tag zuvor das Haus geputzt hatte, damit sie in Ruhe ihre Vorbereitungen treffen konnte.
Weil er der einzige männliche Nachkomme ist, muss anh Tung auch hier, gemeinsam mit seiner Mutter für eine ausreichende Verehrung der bereits verstorbenen Familienmitglieder sorgen.
Als wir eintrafen, saß sie bereits in ein Gebet vertieft vor dem Hausaltar, im obersten Stockwerk ihres Zuhauses. Bi trieb uns zur Eile an, weil sie pünktlich um 0 Uhr, auf der Dachterrasse das Hai Phonger Feuerwerk ansehen wollte.

Meine Schwiegermutter noch mit Lockenwicklern im Haar, ins Gebet vertieft
Darum machten anh Tung und ich uns ebenfalls schleunigst daran, ein paar "Tackte" zu den Verstorbenen zu sprechen, so dass wir rechtzeitig zum Abschuss der Raketen fertig waren und auf den Balkon traten.
Allerdings wurden wir, besser gesagt Han (Bi's richtiger Name) herbe enttäuscht, da von dort aus lediglich ein bunter Schimmer am Himmel zu erkennen war.
Dementsprechend enttäuscht stampfte unser Zwerg (wobei sie inzwischen eigentlich schon der totale Lulatsch ist) einige Male kräftig mit den Füssen auf, quetschte ein paar Tränen raus, quengelte und quietschte ein wenig und lies sich erst durch einen "lì xì" wieder etwas aufmuntern.

Bi stampft frustriert auf! :)
Das meine Schwiegermutter bereits kurz nach unserem Eintreten erschreckt meinte, wir sollten den Hund wieder rüber bringen, weil der ein schlechtes Omen für das kommende Jahr sei, haben wir übrigens
"überhört". War doch fast so, als hätte sie gesagt: "Bringt euer Kind weg, das bringt Unglück!" ;)
Ausserdem hat King Kong schreckliche Angst vor den Böllergeräuschen (auch wenn die richtig langen,lauten Böllerketten schon längst verboten sind), weshalb wir den vorangegangenen Jahreswechsel überhaupt erst Zuhause verbracht haben.
Den im vorletzten und vorvorletzten hatten wir ausserhalb, im Restaurant oder einem Tanzlokal verbracht.

Mit "lì xì" in der Hand konnte Bi dann auch wieder lachen
Kurz nach dem Feuerwerk sind anh Tung und ich wieder zu uns gegangen, wo wir noch ein bisschen gefernseht-, etwas von den leckeren Mahlzeiten gegessen- und die Jahreshoroskope unserer entsprechenden Tierkreiszeichen studiert haben.

Anh Tung kommt seiner Pflicht nach
Fast die kompletten Feiertage im Anschluss, haben wir wie vermutlich die meisten Vietnamesen, damit verbracht sämtliche nähere, entfernte und ganz weit entfernte Verwandte auf dem Land und in den Dörfern in und um Bac Giang zu besuchen.

Hinterher war die kleine Maus wieder froh
Und so schnell wie es gekommen war, war es auch schon wieder vorbei und nun steht bereits das nächste Tet-Fest vor der Tür!

Noch ein letzter Abschiedskuss für mein kleines Pony...


bevor anh Tung es erbarmungslos in den kleinen Metallofen stopfte...


 und den Flammen übergab..!



Und damit wünsche ich euch allen, im Vorfeld schon einmal ein frohes und erfolgreiches, neues Jahr des Drachen!

Samstag, 7. Januar 2012

(CATINAT) - Zuhause ankommen

Die Altstadtgasse, in der wir wohnen, ist eng , manchmal nur fuer eine Person. In Suedamerika benennt man solche Gassen mit dem bezeichnenden Zusatz „...de beso“ , Kussgasse. Sie hat drei Zu- bzw. Abgänge, von denen ich einen voll beherrsche, den zweiten halbwegs, den dritten musste ich vorläufig meiden. Jetzt schleife ich Besucher dadurch, die ich nie mehr wieder sehen will. Man wohnt ohne Garten, eng aneinander mit den schmalen Fronten. Das Haus ist schwer fotografierbar, weil die Sichtwinkel darauf sehr spitz sind. Auslaender verirren sich mal ausserst selten hierher. Fotografieren kann ich nicht, es sei denn heimlich, weil meine Frau und ich ein Teil der Wohn-/Lebensbevoelkerung hier sind. Und nicht zum abstaendigen „Dokumentieren“ hier sind.

Tägliche Obstverkäuferin in der Hẻm

Ein Nachbar, 83 Jahre alt, war gestorben, als ich eintraf. Die Totenfeier dauert fünf Tage, wichtiger noch : fünf Nächte. Musikkorps kommen und gehen. Dazwischen spielen sie. „Ohrenbetäubend“, Tag und Nacht, herrlich schräges Blech und Trommeln. Paradieren und machen Faxen, was das Zeug hält. Mit Trompeten, Schlagzeugen, mit und ohne Gesang – eigentlich gar nicht traurig – mit Vorführungen, alles vor dem Sarg von Opa und auf der Gasse davor, in der Nacht auch von sexy Tänzerinnen in knappem Kostüm. Am dritten Tag in diesem Trubel treffen die beiden Söhne des verstorbenen Herrn aus Amerika ein. 

Traditionelle Totenfeier

Das Fest wird noch lauter. Natürlich darf zwischendurch auch von den Verwandten mit dem weißen Stirnband geschluchzt werden. Das funktioniert bei vielen wie auf Knopfdruck. Auch bei Lan , meiner Frau . Bis ich kapiere : das ist ortsübliche Kommunikation aus eigentlich betrüblichem Anlass. Jedenfalls gibt das Erscheinen der sehr netten Herrn aus Amerika der Festtagsstimmung noch einen zusätzlichen Impuls. Sie stellen sich uns vor, wir stellen uns vor. Ich muss das etwas lauter machen, um ein Trompetensolo zu über“stimmen“; da bricht die Musik ab; man hört mich noch zwei, drei Silben schreien, die umstehenden Trauernden wirken amüsiert und verständnisvoll . Sie geben mir ein starkes Gefühl der Wärme, Zugehörigkeit, Solidarität, des Wohlwollens .

"De Beso" - z.dt. Die "Kussgasse"

Zum Glück : Lan gelingt es, zu weinen, alle nehmen das zur Kenntnis, viele stimmen ein, fassen sich an, umarmen sich in wohliger Trauer, der Kapellmeister erfasst die Situation, lässt gleichsam in einem herzhaften „Tusch“ den Cheftrompeter und den Trommler gekonnt die Situation meistern . Danke ! Am Morgen des fünften Tages wurde der Sarg - ein Kunststück in der engen Gasse – aus dem Haus getragen. Eigentlich : gekantet – und wäre um ein Haar samt Inhalt vor dem Eingang gekippt. Mit Mühe wuchteten die Männer ihn auf den mit goldenen und roten Drachen verzierten Katafalk. Vorher hatten Lan und ich vor dem Sarg und umringt von allen Anteilnehmenden mit Anzünden von Räucherstäbchen, Niederknien und dreimaligem Kopfsenken nebeneinander vom Toten Abschied genommen; ich hab aus den Augenwinkeln Lan beobachtend alles nachgemacht – offenbar fehlerarm. Wir schlossen uns dem sich bildenden Trauerzug mit Musikkapelle an. Meine Teilnahme bzw. Anteilnahme an diesem Geschehen hatte ungeahnte Folgen mit geradezu existentieller Bedeutung für mich. Das wurde mir aber erst später klar; oder besser : klar gemacht.

Weitab der Touristenpfade..Alltag in der Hẻm

In einen der auf dem Boulevard wartenden mit Rot und Gold und Drachenfiguren geschmückten Busse sind wir dann nicht eingestiegen. Die waren für den Transport der Verwandten zur Beisetzung auf dem buddhistischen Friedhof vorbehalten. Wir waren todmüde. Die Rituale sind wohl älter als der Buddhismus. Aber : in der Nachbarschaft sind wir „angekommen“. Ich spürte das in der Folgezeit an den freundlichen Reaktionen und der Aufgeschlossenheit der Nachbarinnen und Nachbarn. Wenn LaVie, der Wasserbehälter mit 21 Litern, vor unserer Tür angeliefert wurde, war sofort ein junger Mann aus dem gegenüberliegenden Haus da, um die Reparatur seines Motobikes zu unterbrechen und beim Hineintragen zu helfen. Wichtiger noch : Moi ! Beziehungsweise der Papa von Moi. Der Franzose, der eine Vietnamesin hier ein paar Häuser weiter im letzten Jahr geheiratet hat, ist mit ihr nach Frankreich gezogen, war in der Parfüm-Industrie tätig, wurde arbeitslos. Sie soll nicht glücklich sein – aber die Leute in unserer Gasse haben ihr Thema !

Donnerstag, 5. Januar 2012

Blog Info: Vietnamesische Tierkreiszeichen und Mondkalender

Nachdem ich mir heute zur Abwechslung mal wieder richtig schön Mühe für euch gegeben habe
und den ganzen Tag darüber gesessen bin, kann sich die Seite über die vietnamesischen u. chinesischen Sternzeichen bzw, Tierkreiszeichen und dem Mondkalender -nachdem hier ja lange Zeit eine unfertige Baustelle war- jetzt so langsam aber sicher, wirklich sehen lassen!

Diese Rubrik ist inzwischen also ziemlich umfangreich und informativ.
Natürlich werde ich mich euch zuliebe, nicht darauf ausruhen, sondern selbstverständlich weiterhin versuchen, noch möglichst viele Informationen darüber zusammenzutragen und in die Seite einzubinden.

Die Tierkreiszeichen

Ein bisschen mehr "Interaktivität" auf dem Blog, fände ich schön.
Ihr dürft euch also natürlich auch mehr beteiligen und einbringen und mir -wenn ihr möchtet- ruhig schreiben , was ihr gerne auf der Seite lesen oder finden würdet.

Ich starte ab heute, die neue "Macht selbst mit" - Aktion!!

Gibt es etwas spezielles zu diesem oder irgendeinem anderen Thema, dass euch interessiert und über das ihr deswegen gerne mehr erfahren wollt, schickt mir einfach eine kurze Nachricht (zum Beispiel in der -ich nenne sie zwischenzeitlich schon- "Adventure"/oder einfach "Menü"-Leiste, unter "Nachricht an den Webmaster", oder in einem Kommentar zu den posts).
Ich werde mich dann in die Materie einarbeiten und euch alles, was ich darüber in Erfahrung bringen kann, auf dem Blog zur Verfügung stellen.

Ihr bestimmt mit, wo's künftig langgehen soll!

Morgen gibt es dann übrigens wieder etwas neues von CATINAT, dem Co-Autor meiner Seite aus Saigon, für euch zu lesen. Ich konnte ja bereits einen Blick drauf werfen und kann euch versichern: ihr werdet "pegeischtert" sein!

Bis dahin habt ihr nun noch ein bisschen Zeit, euch mein kleines "Meisterwerk" mal genauer anzusehen, oder die neue Spielerei des Blogs, den chines./vietnames. TIERKREISZEICHEN, ELEMENTE und CHARAKTER-EIGENSCHAFTEN RECHNER ausprobieren und euch daran erfreuen.


Wisst ihr welches Tier u.Element ihr seid und welche Eigenschaften ihr habt?!

Ihr findet den Rechner sowohl auf der Startseite in der "Adventure-" (Menü-) Leiste, oder auf der ausgebauten MONDKALENDER+STERNZEICHEN Seite unter folgenden Link (oder eben über die Rubrik selbst auf der Startseite):


http://keovietnam.blogspot.com/p/mondkalender.html


Ich wünsche euch in jedem Falle viel Spass und hoffe, dass ihr künftig nicht mehr so "schüchtern" seid und sich ein bisschen mehr, durch eure Beteiligung regen wird, hier auf dem Blog!