Willkommen auf meinem Blog

Auf dieser Seite findet ihr -in den verschiedenen Rubriken unter dem Titelbild- viele nützliche Infos rund um das Thema Vietnam und zudem jede Menge lustig-bis spannende Anekdoten aus meinem Alltag, als Schwiegertochter einer vietnamesischen Familie..

Montag, 11. Februar 2013

Der verhasste Pflichbesuch

In wenigen Stunden naehern wir uns dem fast letzten Teil, der Neujahrs Trilogie:
Der Fahrt zur buckeligen Verwandtschaft auf dem Dorf.

Dies ist definitiv der verhassteste Teil von allen, seit ich weiss, dass wir dieses Jahhr
nicht mehr zu anh Tung Ex-Stiefpapa fahren "dürfen", weil dieser eben ein weiteres
Mal frisch geheiratet hat und es sich bei der Braut natürlich nicht um Tungs Mutter
handelt.

Damit hat er sich zu einer "als Besuchsperson nicht mehr schicklichen Person"
degradiert, da hier trotzdem immernoch viele Gefühle im Spiel sind und das widerum
heisst nun für uns, dass wir den heutigen Tag komplett bei Tungs Verwandtschaft
mütterlicherseits verbringen müssen.

Müssen tatsaechlich deshalb, weil ich mich irgendwo verstecken würde, um nicht
fahren zu müssen, wenn ich könnte. Kann ich aber leider nicht. Es gibt kein entrinnen!
Einzig das Wissen, dass es meiner kleinen Schnecke Bi genauso geht wie mir,
tröstet ein wenig. Aber nicht viel..

Tungs Familie stammt ursprünglich ja aus Hung Yen und Bac Giang.
Das sind die laendlichen Gebiete etwas ausserhalb von Ha Noi und da schafft es ein
einziger aus der Sippe, mir Jahr für Jahr alles zu verderben und sogar hin und wieder
zu Wuttraenen zu veranlassen.

Der hat naemlich ein echtes Problem mit mir, weil ich Auslaender bin und er denkt
wohl für sich darum, dass ich mich für was besseres halten würde,
ohne dass ich selbst das im Gegenzug jedoch auch taete..

Nun ist deshalb in seinen Augen alles was nicht passt, natürlich meine Schuld.
Anh Tung hat es selber nicht unbedingt so sonderlich mit den Familienbanden
und faehrt von daher nicht alle paar Wochen rauf um die Verwandtschaft in
Bac Giang zu besuchen: Ist natürlich meine Schuld!
Weil ich Auslaenderin bin und wir Auslaender ja alle eh das Wort "Familie"
überhaupt nicht kennen!

Tung und ich haben uns bislang gemeinsam und bewusst noch gegen Nachwuchs
entschieden, aus diversen Gründen, aber: Ist natürlich allein meine Schuld,
weil ich Auslaenderin bin und die ja eh nichts von Ehe und Familiengründung
halten..

Ich kenne die Frauen aus diesem Teil der Familie nicht sonderlich gut und
wüsste auch nicht wirklich über was ich mit ihnen reden soll und sie machen im
Gegenzug auch keinen Schritt auf mich zu, also sitze ich lieber bei Tung od.
beschaeftige mich mit Bi, als mich zu den Frauen in der Küche zu gesellen:
Ist selbstverstaendlich auch wieder falsch und weil ich Auslaenderin bin und
die Frauen bei uns natürlich auch wieder keine Ahnung haben, wie sie sich
zu verhalten haben und so weiter, und so weiter..

Die Liste könnte ich beliebig fortsetzen. Es ist schlicht alles falsch und alles
weil ich Auslaender bin! Keine Ahnung, er hasst mich einfach und das beruht
aufgrund seines Verhaltens mir gegenüber und seiner netten verbalen Angriffe
inzwischen mehr als nur auf Gegenseitigkeit!

Weil sich der Rest vom Schützenfest dann meist köstlich über seine
Verbalattacken mir gegenüber amüsiert und das ganze brüllend komisch
findet, stehe ich dort Jahr für Jahr so ziemlich alleine da und bis auf Bi`s
Schutz, die mich verteidigt wie ein Löwe sein Junges..

Tung ist zu diesen Zeiten immer schon so gut abgefüllt, dass er da gar nichts
mehr richtig mitbekommt..Einzig ihm zuliebe, sitze ich aber da und gebe
mir diesen ganzen Dreck überhaupt ohne was ordentliches zu kontern und
dem andern mal die Meinung zu sagen und ihm zu zeigen, wie schlimm und
verdorben das Mundwerk einer auslaendischen Frau wirklich sein kann..
hehe ^^

In Gedanken hab ich das schon oft getan und anderswo würde ich mir
sowas auch nicht bieten lassen, aber hier gebührt es der nötige Respekt
aufgrund meiner Stellung in der Familienhirarchie. :/

Es liegt eigentlich nicht in meiner Natur, mich unterbuttern zu lassen.
Von daher dann auch oft die Wuttraenen, weil ich`s mir reinziehen muss
ohne was dagegen tun zu können.
Anh Tung erfasst die Situation für mich da nicht im Ansatz und erkennt
nicht, wieviel Überwindung es mich kostet, überhaupt noch da hinzufahren
und mir das immer wieder aufs neue geben zu müssen.

Er is der total Harmonie-Süchtling und redet sich ein, das waer ja alles
auch gar nicht so gemeint von dem anderen...
Ehm...jap. Sicher. Ich weiss das es sehr wohl so gemeint ist wie gesagt
und selbst wenn dem nicht so waere, waere ich immernoch kein Fan
von Witzen auf meine Kosten.

Ich werd wohl heute trotzdem nicht drum rum kommen, wenn ich nicht
den Ausbruch des 3.Weltkrieges zwischen mir und Tung herauf-
beschwören möchte..
Ich drücke mich für gewöhnlich naemlich ohnehin schon wo`s nur geht
um diese Pflichtbesuche. Morgen gibts allerdings kein Entrinnen :(

Drückt mir die Daumen, dass es nicht wieder alllzu heftig wird...
Euch allen aber einen wunderschönen Tag in diesem neuen Jahr
der Schlange!

Sonntag, 10. Februar 2013

2013 - Das Jahr der Schlange ist da!

So, seit gut 3 Stunden haben wir nun den Start ins neue Jahr (diesmal ist die Schlange dran) hinter uns gebracht.
Was es mit den 12 Tierkreiszeichen (12 con Giap) auf sich hat, welche Eigenschaften sie haben, welches dem euren entspricht, was somit eure Eigenschaften sind, wer zu wem passt usw, könnt ihr gerne wenn ihr möchtet auf der Seite "Mondkalender und Tierkreiszeichen" auf dem Blog nachlesen.

Feuerwerk in Hai Phong
Dort habe ich das alles ausführlich für euch zusammengestellt.
Etwas weiter unten ist auch ein "Rechner" (den findet ihr aber auch in der Menüleiste rechts auf der Seite),
der euch das ganze im Schnellverfahren und Kurzversion ebenfalls wiedergibt.

Unser reich gefüllter Ahnenaltar
Wir kaufen uns für gewöhnlich zum Neujahr immer kleine Büchlein, in denen unsere eigenen Tierkreiszeichen (anh Tung ist Pferd und ich bin Ratte) für die einzelnen Monate des neuen Jahres und die diversen Bereiche: Familie, Gesundheit, Beruf, usw separat aufgegliedert wird.

Beim Neujahrsgebet
Es ist erstaunlich, wie viele der Beschreibungen dann unterm Jahr tatsaechlich auch zutreffen und wie haargenau die Charakterbeschreibung unserer vietnamesischen Form der Sternzeichen ist.

Auf der Dachterasse
Einzig bei der Angabe, Ratte und Pferd oder dem deutschen Horoskop folgend: Löwe und Löwe (nochmal anh Tung und ich) würden nicht zusammenpassen, muss in beiden Laendern wohl ein Druckfehler unterlaufen sein ;)

Anh Tung und ich ins Gebet vertieft
Jetzt haben wir ihn also auch hinter uns gebracht, den Jahreswechsel..leider jedoch noch nicht das gesamte Tetfest, denn dass laeuft für uns nun noch ein paar Tage, die nochmals mit reichlich Stress verbunden sein werden, weil noch zig Pflichttermine auf dem Programm stehen.

Unser erstes gemeinsames Bild seit langem..
Zumindest ist wenigstens schon mal "Halbzeit" und die laeuten wir morgen mit einem Besuch in der Pagode ein. Ansonsten verlaueft das Tet Fest bisher typisch wie all die Jahre zuvor mit viel Arbeit, wenig Schlaf und punktgenau auf den Tag des Jahreswechsels (sprich heute) und den Neujahrstag selbst (morgen) einen ordentlichen Temperatureinbruch, nachdem wir vorgestern richtig schönes, warmes Wetter hatten, wars heute naemlich so richtig schön Tet-typisch a......kalt und niesselig.
Selbiges Spiel wird morgen ablaufen und danach gehts dann wieder rauf auf dem Thermometer :)

Papa und Tochter beim verbrennen des Geistergeldes
Darfs langsam ruhig auch, denn gleichzeitig mit Beginn des neuen Jahres, leiten wir hier in Vietnam ja auch den Frühling ein und der wird dann widerum den Umzug in die Hauptstadt Ha Noi mit sich bringen,
sobald der Trubel sich ein wenig gelegt hat und die Leute anfangen ihre Arbeit wieder aufzunehmen.
Ich bin wahnsinnig gespannt, wie`s wird und was uns dieses Jahr der Schlange, sonst noch so "bescheren" wird...

Sage und Schreibe unser aller-erstes Familienbild überhaupt! ^^

Euch allen und euren Lieben jedenfalls einen guten Start ins Mondkalenderjahr 2013 :)

Donnerstag, 7. Februar 2013

Auf Leben und Tod - Essen in Vietnam

In etwa 3 Tagen ist Neujahr bei uns und entsprechend läuft hier überall auch alles auf Hochtouren.
Die letzten Häuser werden gewienert und geschrubbt, die letzten "cây đào" (der klassische Neujahrsbaum) eingekauft, aufgestellt und mit dem traditionellen Schmuck behangen (blinkende Lichterketten und hauptsächlich in den Farben Rot und Gold bedruckte Münzen, Fischlein, Spruchbänder und Pfirsichblüten-Imitate), Geschenkkörbe abgeliefert und Anstandsbesuche gemacht, die Betriebe schliessen langsam aber sicher ihre Pforten, Gerichte vorbereitet - uund: ja und dazu: Hühner geschlachtet!

So extrem wie heute war`s aber noch nie. Schon den ganzen Tag hallen nämlich die Schreie und das gekrächze verängstigter Hühner im Anblick des Todes durch unsere Gasse..
Ein schreckliches Geräusch! 

In Vietnam verhält es sich im Grunde nicht anders wie in den westlichen Ländern zu Weihnachten oder an Thanksgiving (zu dt.dem Erntedankfest) in Deutschland, Frankreich, den USA oder sonstwo, wo es eben üblich ist, einen Truthahn, Schweinebraten, Schnitzel oder ähnliches zuzubereiten.
-Mit dem einen entscheidenden Unterschied, dass hier zumeist bei solchen Anlässen das Fleisch nicht tot, sondern noch lebendig gekauft- und dann Zuhause in Eigenregie geschlachtet wird.

Alltägliches Bild auf den Strassen Vietnams
Die Hühner werden vom Land als Geschenk mitgebracht oder frühmorgens auf dem Markt eingekauft und liegen dann für gewöhnlich mit zusammengebundenen Beinen in irgendwelchen Bereichen des Hauses-, dem Balkon oder einem kl. Vorgärtchen herum, bis ihr letztes Stündlein geschlagen hat und jemand (in der Regel die Frau des Hauses) mit einem scharfen Küchenmesser kommt und ihnen den Gar ausmacht.

Dazu wird ihnen die Kehle durchgeschnitten, wobei das Blut dass dann aus der offenen Wunde strömt in einem Behälter aufgefangen wird, um daraus ebenfalls ein Gericht zu machen, dass sich "Tiết canh" nennt und schlicht eine Art Pudding aus geronnenem Blut ist, welcher mit etwas Basilikum, Fischsosse, Zitrone und ich glaube mit kleingehackten Nüssen (?!) abgeschmeckt wird und möglichst zeitnah gegessen werden sollte.
Der Verzehr dieser Mahlzeit, die ich noch nie zuvor probiert habe und es sicherlich auch nie tun werde (brrrr) soll angeblich besonders gut für die Gesundheit sein und vor diversen Krankheiten schützen.

Ich bin zwar eigentlich schon lange nicht mehr so zartbeseitet, trotzdem ist das grad gar nichts für mich.
Ich spiele auch mit dem Gedanken, wieder weitestgehend vegetarisch zu essen, wenn ich in Hà Nội bin
und anh Tùng nicht da ist.
Der ist nämlich der Fleischfresser bei uns. Bei ihm muss immer irgendeine Sorte Fleisch mit auf dem Tisch stehen bzw in den Gerichten verwendet werden, sonst ist es kein richtiges Essen für ihn.
Ich bin da aber gerade dabei, ihn über die religiöse Schiene etwas zu bearbeiten, denn er ist ja eigentlich sehr gläubig und würde seinen Glauben auch gerne mehr ausleben und zum richtigen Buddhismus gehört eben auch, keine Tiere zu töten und deren Fleisch zu essen. :)
Klappt allerdings derzeit nur mit mässigem Erfolg, aber ich bin zugegeben im Moment auch noch nicht wirklich richtig dahinter..Sobald wir umgezogen sind und etwas Ruhe eingekehrt ist, wird das aber umgehend wieder in Angriff genommen.

"Tiết Canh"
Ansonsten finde ich es an und für sich recht gut, dass man hier in Vietnam die Tiere und mitunter auch deren Tötung noch vor Augen hat und sich ansehen MUSS.
In den westlichen Ländern haben die meisten doch fast schon keine Ahnung mehr, woher ihr Schnitzel oder die Putenbrust aus dem Supermarkt überhaupt kommt und wie sie "zubereitet", sprich geschlachtet wurde.
Besonders den jungen Stadtkindern fehlt da zwischenzeitlich wohl völlig der Bezug und das hat zur Folge das Fleisch nicht mehr nur aus Notwendigkeit- sondern im Gegensatz sogar vollkommen maßlos und überzogen gefuttert wird. 

Die Unmengen an Wasser und Grundfläche, die für den Getreideanbau zur Futtergewinnung dieser Tiere zur Fleischgewinnung und für die Tiere selbst verschwendet werden, würde an anderer Stelle dringend benötigt.
Mal abgesehen davon, ist es auch jedes Mal ein Leben, dass ausgelöscht wird um unsere Gelüste zu befriedigen und da kann man selbst beispielsweise in der EU bei Leibe nicht von "artgerechter" oder "humaner" Haltung und Tötung der Tiere sprechen!

Anlass für die Jahre in meiner späten Jugend, in denen ich vegetarisch lebte war z.B. eine Reportage, in der mit versteckter Kamera das Treiben in einigen Schlachthöfen schonungslos dokumentiert wurde.
Aber wer sieht da schon gerne hin und setzt sich damit auseinander, dass das Fillet, dass da auf dem eigenen Teller liegt zuvor wie ein Stück Ware an einem Hacken aufgehängt übers Fliessband glitt, in einem Wasserbad oder mit dem Stock elektorgeschockt wurde und dann - ob tatsächlich betäubt oder nicht (das kontrolliert kein Mensch!) in einer Schrädermaschine oder automatisch betriebenen Rasierklinge landet..
Oder wie sich kleine, sonst so niedliche weisse, flauschige Lämmchen oder kleine Baby-Kälber panisch und in Todesangst versetzt wehren und zieren, wenn sie in die Schlachthallen gezerrt werden, wo sie den Tod bereits riechen können, um ihnen im Anschluss das Bolzenschussgerät zwischen die Augen zu halten, abzudrücken und bereits zu zerteilen beginnt, während ihre kleinen Körper noch zucken, denen gerade erst die Seele aus dem Hirn geschossen wurde...


Schweinetransport
Aber dann kommen sie in Länder wie Vietnam und kriegen ganz grosse, entsetzte Augen, wenn sie einen Käfig mit lebenden Hühnern auf dem Markt stehen sehen (die zuvor noch munter übers Feld geflattert sind und nicht in einer DIN A4 "grossen" Legebaterie eingepfercht waren)..
Oder wenn tote Schweine auf ein Motorrad geschnallt an ihnen vorbeiziehen, die sich ebenfalls morgens noch munter im Matsch gesuhlt haben und nicht in riesigen Hallen zur Massentierhaltung in winzigste Ställe mit zig anderen Schweinen gezwängt wurden, wo sie niemals in ihrem kurzen elendigen Leben auch nur echtes Tageslicht sehen werden..

Da ist man dann schockiert über die barbarischen Zustände in einem augenscheinlich noch so primitiven Land, in dem es in Wahrheit in diesem Bezug eigentlich um einiges besser ist (zumindest für die Tiere) aber nunmal nicht für unser Auge, weil die Situation im eigenen Land nach aussen hin ja so schön verpackt wurde.

Natürlich finde ich es nicht total geil, dass hier das Huhn noch vor meinem Auge geschlachtet wird, ganz im Gegenteil allerdings ist es doch insoweit besser, dass man eben gezwungen ist sich damit auseinander zu setzen und es sich vielleicht unter Umständen auch zweimal überlegt, ob`s heut Abend wirklich das Grillhähnchen sein muss, wenn man dazu erstmal ein Tier auswählen und somit über dessen Tod entscheiden muss und den Tötungsvorgang verursacht durch die eigene Wahl schliesslich auch vor dem eigenen Auge durchgeführt wird.
Bei so einem Anblick und der zugehörigen Geräuschkulisse, die aus Todesgekrächze und Angstgeflatter besteht, denkt man sich dann zumindest hin und wieder, dass es vielleicht auch was feines mit Käse überbacken oder so tut.. :) 

Ich will niemanden zum völligen Fleischverzicht verdammen, obgleich das selbstverständlich für mich am erfreulichsten wäre, aber es wäre immerhin schon ein Erfolg, wenn ich ein paar von euch mit diesem Beitrag wenigstens ein klein wenig zum nachdenken- und eventuell dadurch dann auch zum runterschrauben, des eigenen Fleischverzehrs anregen konnte. In diesem Sinne: Lassts euch schmecken ;)

Mittwoch, 6. Februar 2013

Der Frauenmangel in China - Ein ernsthaftes Problem für die Frauen Vietnams

Hallo meine Lieben,

über Facebook hat gerade jemand aus meiner Freundesliste einen sehr interessanten Link geteilt,
den ich euch nicht vorenthalten möchte.

Es geht um ein sehr heikles Thema, dass ich bereits vor einiger Zeit schon einmal hier im Blog in der Reihe über die Ahnenverehrung angeschnitten hatte. Im aktuell dritten- od. vierten Beitrag dieser Serie über Ablaeufe und Hintergründe der Ahnenverehrung mit Titel (Ahnenverehrung II - Das Kreuz mit den maennlichen Nachkommen), habe ich damals erklaert, warum es für Laender wie Vietnam und China (die eine fast identische Form der Ahnenverehrung ausüben) so unerlaesslich ist, ausgerechnet einen maennlichen Nachkommen zu haben.

Dieser im Grunde genommen, fast schon zwanghafte Bedarf an einem Jungen in der Familie, gepaart mit der chinesischen Ein-Kind-Politik, hat in China tatsaechlich zu einem ernstzunehmenden Frauenmangel geführt.

Die wenigen die es gibt, entscheiden sich in der Regel natürlich für die beste Partie, sprich wohlhabende-, gebildete-, junge und gut-aussehende Staedter und für den grossen Rest, den vielleicht etwas weniger gebildeten, aermlichen oder nicht so hübsch aussehenden Maennern vom Lande, bleibt schlicht und ergreiffend einfach aufgrund des Mangels nichts mehr übrig.

Es gibt wahrhaftig nicht mehr genug Frauen, im heirats-od.gebaerfaehigen Alter beim "grossen Bruder".

Diese Tatsache hat nun dazu geführt, dass sich die Chinesen sozusagen am "Bestand" der Nachbarlaender (der in selbigen allerdings auch eher ein "Bedarf" ist, weil es selbst dort derzeit eigentlich nicht genug junge Frauen und Maedchen gibt) "bedienen".

Hier "Werbung" für koreanische Ehemaenner..
Teilweise -zwar etwas fadenscheinig-, dafür aber ganz legal, beispielsweise über Anzeigen wie auf dem Foto oder "Ein-bzw Abkaeufe" der Maedchen und Frauen, bei denen die Chinesen in die Dörfer kommen, sich die "Ware Frau" zeigen lassen und im Anschluss mit den Eltern ihrer Auswahl einen Brautpreis vereinbaren,
grösstenteils jedoch illegal.

Bei diesen Aktionen werden die oftmals noch halben Kinder einfach aus den zumeist abgelegenen Bergregionen entführt und ins Nachbarland verschleppt, oder durch vorspielen falscher Tatsachen und Versprechungen über die Grenze gelockt, wo dann die Falle zuschnappt - und wer erst einmal in diese Falle getreten ist, für den gibt es so gut wie kein Entrinnen mehr.

Nur den wenigstens gelingt früher oder spaeter noch die Flucht.
All die anderen wehrlosen Opfer, die nicht mehr das Glück haben zu entkommen, werden dann als Braeute und Gebaermacshinen an chinesische Maenner verschachert.
Es soll sogar Faelle gaeben, in denen die vietnamesischen Frauen und Maedchen gleich für mehrere- oder im schlimmsten Falle gar für die gesamte maennliche Verwandtschaft, ihrer neuen chinesischen "Familie" als Braut und Brutkasten dienen mussten.

Viele erleiden aber auch das grauenvolle Schicksal, in einem der etlichen, heruntergekommenen Bordelle Chinas zu landen, wo sich ihnen Tag-taeglich dutzende von Maennern aufzwingen und sie vergewaltigen.

Und selbst für die geringe Anzahl derer, die es geschafft haben, aus den Klauen ihrer Peiniger zu entwischen ist das Martyrium deswegen noch lange nicht vorbei, denn zurück in ihren Dörfern, werden sie für gewöhnlich fortan geaechtet, weil sie ihre Unschuld bereits verloren haben.
Ob gewollt- oder ungewollt, durch eine Vergewaltigung, spielt für die zumeist noch stark konservativen Dorfgemeinden leider selten eine entscheidende Rolle.

In der kurzen Dokumentation, die ich vorhin darüber bei Facebook entdeckt habe, wird der Leidensweg zweier junger Vietnamesinnen wiedergegeben, denen es gelungen ist sich zu befreien und zu ihren Familien in Vietnam zurückzukehren.
Ausserdem wird über eine Frau berichtet, die sich dafür einsetzt den geschundeten Maedchen wieder in ein halbwegs normales Leben zu verhelfen.
Die versucht mit den jungen Frauen dere erlittenen Schicksalsschlaege zu verarbeiten und die zudem darum bemüht ist ihnen beizubringen, mit den Aechtungen umzugehen, die ihnen nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat oftmals wiederfaehrt.

Aber seht euch den Clip am besten nun selbst an. Hier ist der Link:




Eure Keo

Dienstag, 5. Februar 2013

Fortsetzung von "Meine Geschichte"

Hallo ihr Lieben,

ich weiss, ich weiss...es ist ewige Zeiten her, dass ich "Meine Geschichte" für euch fortgeführt habe.
Dafür gibt es heute aber gleich 2 (naja, eigentlich sind es ja sogar fast 3!) laaaange, laaaange
Teile und diese endlich auch, mit den bereits vor langem versprochenen Bilder von der Hochzeit
hier in Vietnam.

Ihr findet "Meine Geschichte" entweder hier: Link zu Meine Geschichte oder wie immer gleich unter dem Titelbild an 2.Stelle, direkt nach dem "Startseite"-Button.

Hier zumindest schonmal die Vorschau für euch, wo`s weitergeht:


Der vermeintlich letzte Flug Ende Juni 08

+ unsere Hochzeit in Vietnam

Das erste was ich sah, war ein riesengrosser Strauss Blumen, hinter dem sich das Gesicht meines Zukünftigen verbarg.........

und hier:


Allein in Deutschland - die Zeit nach der Hochzeit 
und unser Visumsbescheid

Über uns schwebte allerdings schon wieder das Darmokel des Abschieds.
Das Album mit den Hochzeitsbildern wurde genau im letzten Moment noch fertig, so dass ich es einpacken und mit nach Deutschland nehmen konnte....

Kleines "sorry" an alle, die schon gespannt auf die Fortsetzung gewartet haben und sich bis jetzt gedulden konnten und mir weiterhin die Stange halten! Ihr seid die Allerbesten!!
Ich hoffe das ich euch mit den gleich 2 neuen Fortsetzungsteilen etwas entlohnen kann und wünsche euch ganz viel Spass beim weiter- oder nochmal von vorne lesen, meiner Geschichte.

Grosses Indianerehrenwort, dass ihr auf den naechsten Teil nicht mehr so lange warten müsst!

Jetzt aber gute Unterhaltung und allen schon mal vorsorglich ein frohes neues Jahr der Schlange, dass am 10.Februar eingelaeutet wird. :)


Sonntag, 3. Februar 2013

Zurück in Hải Phòng

Nach unserem rund 3-taegigen sozusagen Abstecher nach Ha Noi, bei dem eigentlich
schon mal die Küche und ein Teil neuer Möbel kommen sollten, der dann allerdings
-wie so gut alles was diese Familie anfasst- lediglich in einen ziemlichen sinnlos-
Besichtigungstrip der neuen Wohnung ausgeartet war, sind wir nun wieder zurück
in Hai Phong.

King Kong auf dem Sims des Wohnzimmerfensters
Hier wollten wir den Geburtstag unserer Kleinen feiern, die dieses Jahr schon stolze
11 wurde und danach sollte wiederum eigentlich der Möbelwagen mit unseren
restlichen Sachen gepackt werden, um damit nochmal ab nach Ha Noi zu flitzen,
alles herzurichten und im Anschluss im Eilmarsch erneut zurück nach Hai Phong,
wo wir dann die Feiertage um Tet mit der Familie verbringen sollten.

Unser Wohnzimmer und Essbereich mit Balkon
Aber selbstverstaendlich wurde auch daraus nichts, weil scheinbar vor Neujahr nun
keine Transportfahrzeuge mehr in die Innenstadt von Ha Noi dürfen.
Somit wird nun alles um etwa 2-3 Wochen nach hinten- also nach Tet verschoben.

Mein künftiger Ausblick aus dem Wohnzimmerfenster
Die schönste Überraschung kommt jedoch erst noch: Auf der Fahrt nach Ha Noi
teilte uns genau die Tante, deren Sohn für meinen Mann die gute Position in der
Bank vermitteln sollte mit, dass sie das nun aktuell doch nicht für so eine gute Idee
halten würde...

Teil d.Wohnzimmers, li.Küche u.Balkon re.2 Badezimmer u.2 Schlafzimmer +Balkon
Macht ja nichts, das war ja nur einer der Gründe, warum wir überhaupt auch erst
den ganzen Umzug in die Hauptstadt auf uns nehmen wollten! >:)

Bubu vor der Balkontüre zur Küche
Da mein Göttergatte aber seit jeher gewohnt ist, sich ins gemachte Nest zu hocken
und für den Fronarbeit so rein gar nichts ist, werde vorraussichtlich ich vorlaeufig
den Weg nach Ha Noi allein antreten und mein Mann zunaechst noch in Hai Phong
seiner Arbeit nachgehen und mich lediglich an den Wochenenden besuchen kommen,
bis auch er eine für ihn akzeptable und vor allem rentable Stelle in Ha Noi gefunden
hat.

Blick vom 2.Balkon aufs Elternschlafzimmer mit separaten Bad
Weil wir bislang noch kein eigenes Auto haben, ist der Weg von Hai Phong
nach Ha Noi aber alles andere als sonderlich angenehm und wird auf Dauer
auch ganz schön ordentlich ins Geld gehen.
Ich bin gespannt, wie oft sich das anh Tung dann überhaupt antun wird.
Von der derzeitigen Entwicklung sind weder er noch ich begeistert, aber es
scheint so,als müssten wir da nun durch. Das wird nochmal eine harte Probe für uns.

Das Kinderschlafzimmer
Wir sind eigentlich naemlich eines, von diesen "Gruselpaerchen", die wie siamesische
Zwillinge staendig nur aneinanderkleben und schon fast eine Metamorphose bilden.
In all den Jahren, waren wir wenns hochkommt 2 Naechte voneinander getrennt-
und auch die nur ungewollt.

Unsere Grosse beim Anschneiden einer ihrer Torten
Hinzu kommt für mich noch, dass ich in der letzten Nacht vor unserer Rückfahrt
nach Hai Phong das Gefühl hatte, die Bude würde wackeln. Nach anfaenglicher
und überraschender Unproblematik, was den 25.Stock und meine Höhenangst
anbelangt, scheiss ich mir nun zugegeben doch ganz schön ein da oben, in windigen
Höhen. Ansonsten ist die Wohnung aber wirklich sehr schön. Etwas blöde
geschnitten zwar, so dass bei 124 Quadratmetern die einzelnen Zimmer trotzdem
relativ klein ausfallen, aber dennoch schön.

Han im Kreise ihre Freundinnen
Auch für King Kong haben wir unmittelbar vor der Haustüre schon 2 neue Freunde-,
nein eigentlich sind es 4 mit den beiden Hunden in dem Restaurant, gleich über der
Strasse gerechnet, gefunden und auch sonst scheint die naehere Umgebung dort recht
nett zu sein.

Im "Zweikampf" mit einem der Jungs beim Spielen
Ruhige Strassen mit wenig Verkehr und zu meinem Erstaunen einem ganzen Haufen
an Gaerten, wo Gemüse, Obst, Salate und Blumen angepflanzt werden.
Nicht schlecht also, für unsere ausgedehnten Spaziergaenge.

Die Maedels in Position um gegen die Jungs anzutreten
Jetzt müssen wir nurnoch die Neujahrszeit überstehen, waehrend der es aber für
gewöhnlich jedes Jahr aufs neue bei uns Kracht, weil die Nerven blank liegen und
wir am besten überall gleichzeitig sein sollten und wenn das dann hoffentlich
einigermaßen schadlos überstanden ist, können wir den restlichen Umzug anpacken.
Eingekauft habe ich zumindest schon mal jede Menge, um uns das neue Heim
ordentlich gemütlich zu machen.

2 der ganzen 6(!) Geburtstagstorten, die es dieses Jahr für Han gab :)
Das einzige, was ansonsten bislang nach Plan verlief, war die Geburtstagsfeier,
von unserer kleinen Prinzessin, die am 31.01. nun schon 11 Jahre alt geworden
ist, was sie zuerst in der Schule gefeiert hatte und im Anschluss am Freitag
Abend nochmal Zuhause mit ihren Freundinnen und Freunden.
Es ist der Wahnsinn, wie schnell sie gross wird.
Damals, als ich in ihr Leben trat, war sie noch ein total winziges Zwetschlein mit
grossen, runden Kulleraugen, einem winzigen Stupsnaeslein und so richtigen
Stummelbeinchen- und Aermchen. So ein richtiges Baby einfach irgendwo noch.
Haha und jetzt waechst sie uns bald über den Kopf, wenn wir nicht aufpassen und
die Ernaehrung etwas reduzieren.. ;)

Naschkatzen
War ein richtig schöner und lustiger Abend, an dem sie DJ spielte,
waehrend ihr Maedels Gesaenge und Taenze vorgeführt haben, die sie
gemeinsam für sie einstudiert hatten, an dem wir uns alle gegenseitig mit Torte
eingeschmiert haben und zum Abschluss die Jungs gegen die Maedchen
draussen in Spielen angetreten sind. Ich habe schon lange nicht mehr
so viel gelacht wie da.

Meine kleine Grinsebacke :)
Ich bin gespannt, ob das mit Ha Noi was wird und ob wir uns dann auch
endlich mal dazu entschliessen werden, auch noch eines gemeinsam zu
bekommen..Immerhin sind wir diesen Juli bereits 5 Jahre verheiratet und es
wird langsam aber sicher mehr als Zeit, dass böse Gerücht -ich könne keine
Kinder zeugen- zu widerlegen, dass die Familie unserer beiden Ex-Partner
in die Welt gesetzt hatte, denn scheinbar nimmt meine Schwiegermutter,
dass noch dieser für vietnamesische Verhaeltnisse schrecklich langen Ehezeit
ohne Kinder auch langsam für bare Münze und wird mir gegenüber ablehnender,
wie ich finde.

Bi als DJ für eine der Tanzaufführungen
Kein Wunder, denn anh Tung ist ihr einziger Sohn und wenn sie nun
tatsaechlich anfangen sollte zu glauben, was die anderen ihr da ins Ohr
setzten, dann würde sie ihrer Meinung nach mit mir als Schwiegertochter
in der Familie nicht mehr die kleinste Aussicht auf den Stammhalter haben,
den maennlichen Nachkommen, der die Ahnenverehrung in der Familie
fortführen würde..

Unser Geburtstagskind (mitte)
Demnach ist es höchste Eisenbahn für uns, ihr das Gegenteil zu beweisen,
wenn wir nicht wollen, dass sie mich nicht über kurz oder lang ganz
als Schwiegertochter ablehnt.

Dienstag, 22. Januar 2013

Der vorlaeufige Lageplan

Der bevorstehende Umzug ist momentan ein völlig unwirkliches Ereignis, das über uns schwebt und noch nicht greifbar ist.
Anh Tung nimmt das alles irgendwie ganz schön mit :) Ist für mich auch verstaendlich weil es ja für ihn der erste grosse Schnitt im Leben dieser Art wird.
Seit dem frühen Teenageralter lebt er nun hier in Hai Phong, hat hier seine Schule und seinen Abschluss gemacht und geht hier seither Tag ein, Tag aus auf das immer gleiche Firmengelaende.
Hier kam seine Tochter zur Welt, hier hat er zweimal geheiratet und wurde geschieden, hier hat er seine Freunde, seine Stammlokale und seine festen Plaetze und Gewohnheiten.

Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Erging mir damals ja nicht sonderlich anders, abgesehen davon, dass ich den Start ins Ungewisse allein bewaeltigen musste, dass ich die Sprache nicht konnte, nicht die Möglichkeit haben würde stetig hin-und her zu pendeln und das es bei mir keine 120 sondern fast 13000 Kilometer waren, die es weg ging von zu Hause..

Das wir es noch nicht richtig fassen können, liegt mit Sicherheit zu einem grossen Teil daran, dass bislang alles nur Theorie war, denn bis zum jetzigen Zeitpunkt hatten wir weder etwas in der Hand, dass mit dem Umzug zu tun hat, noch haben wir die neue Wohnung betreten.

So gesehen war ich uns damals also einen Schritt voraus, denn da kannte ich wenigstens schon das künftige Umfeld.

Aber Morgen gehts nun trotzdem erstmal los. Packen steht auf dem Plan.
Zwar geht noch nicht alles mit, aber das Nötigste will bereits schon mal verstaut werden.
Das nehmen wir dann am Sonntag gleich im Auto mit, wenn es zum ersten Mal in unser neues Reich geht.

Vorraussichtlich werden wir Sonntag früh von hier direkt in die neue Wohnung fahren und uns kurz etwas umsehen und danach dann auch gleich weiter zu meiner Lieblingbeschaeftigung:
Shoppen fürs neue Zuhause.

Ein Teil der Möbel und Gebrauchsgegenstaende, die wir ja erst vor rund 2 Jahren für unser neues Heim hier in Hai Phong gekauft hatten, wird zwar mitgehen, aber die Dinge, die für den sofortigen Einzug gebraucht werden, wie eine Küche, Bettzeug und so einiges, von dem wir uns verabschieden "wollen", werden wir uns direkt in Ha Noi besorgen.

Nachdem unser Haus in Hai Phong so ein richtig schöner Griff ins Klo war und darum für uns feststand, dass das keine Ehe auf Lebzeiten wird und uns deshalb auch gar nicht mehr umfassend heimelig eingerichtet haben, freue ich mich natürlich nun umso mehr, dass wir uns jetzt ein gemütliches, schönes, neues Zuhause einrichten werden.

Sobald es soweit ist, gibts für euch selbstverstaendlich eine Reihe von Fotos.
Bis dahin wünsche ich euch aber jetzt erstmal eine schöne Woche.