Willkommen auf meinem Blog

Auf dieser Seite findet ihr -in den verschiedenen Rubriken unter dem Titelbild- viele nützliche Infos rund um das Thema Vietnam und zudem jede Menge lustig-bis spannende Anekdoten aus meinem Alltag, als Schwiegertochter einer vietnamesischen Familie..

Donnerstag, 25. Juni 2015

Rueckkehr in die Heimat

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Kaum hab ich mich umgedreht,
sind schon wieder gut zweieinhalb Jahre vergangen, seit ich das
letzte Mal bei meiner Familie in Deutschland war. Damals hatten
Tung und ich geplant, spaetestens zur WM im Sommer 2014
zurueck zu sein, um nicht erneute drei Jahre vergehen zu lassen,
bevor wir meine Leute besuchen. Aber dann kamen Miu, Bi und
Na und mit ihnen die Problematik, kuenftig nicht mehr gemein-
sam verreisen zu koennen, da stets jemand Zuhause sein muss,
um unsere Ansammlung an Vierbeinern zu versorgen.

Wiedersehen mit meinem besten Freund
Bei Fremden werden die voellig panisch. Selbst meiner
Mama, die sie nun schon einige Male gesehen haben und die
stets ueber einen laengeren Zeitraum bei uns ist, trauen sie
nicht richtig ueber den Weg und verstecken sich auch nach
ueber vierzehn Tagen noch vor ihr. Zudem gibt es im naeheren
Umfeld niemanden, dem wir unsere Bande sorglos anvertrauen
wuerden, weil die meisten Vietnamesen im Umgang mit Tieren
doch noch recht unachtsam und unzuverlaessig sind.

Im Laden meiner Eltern, vor meinem Gang zum Friseur
Einzig unsere Tochter Bi kaeme fuer uns in Frage, jedoch ist
die durch das hohe Lernpensum das sie hat, letzlich ebenfalls
keine wirklich ernsthafte Option und so bleibt schlicht, dass
ich nurnoch alleine fliegen kann. Besser gesagt allein fliegen
"muss", denn Spass ist das keiner fuer mich. Zum einen, weil
ich unter schrecklicher Flugangst leide, zum anderen weil
Tung und ich seit ich herkam um mit ihm zu leben noch nie
auch nur eine Nacht voneinander getrennt verbracht haben..

..und hinterher!
Die Frage meiner Eltern kurz vor Weihnachten, ob ich nicht
fuer einige Zeit heimkommen koennte, um meinem Papa bei
einer baldigen Hueft-OP beizustehen und meiner Mama
unterdessen etwas im Laden zu helfen, stellte mich somit vor
eine schwierige Entscheidung. Mehr noch als ich erfuhr, dass
sogar mein so innig geliebter King Kong diesmal nicht mit
mir reisen koennte, da die einzig verbliebene Airline (die
kleine Hunde in der Kabine befoerdert hat) nun ebenfalls
ihre Bestimmungen geaendert hatte. Die Mitnahme von
Bubu als "Gepaeck" bzw Cargo stand fuer mich aus Sicher-
heitsgruenden und folglicher Sorge um sein Wohlergehen
nie zur Debatte.

krank und verfroren auf der Couch meiner Eltern
Obgleich Tung unsere Zwerge super gern hat und sie total
verwoehnt und verzieht, ist er beim Thema "Umsicht walten
lassen" leider sehr vietnamesisch veranlagt und nimmt
das nicht immer so genau, wie es mir lieb waere. Zu wissen,
dass er fuer mindestens eineneinhalb Monate, wenn nicht
sogar laenger nun der alleinige "care-taker"  fuer unsere
"Babies" sein sollte, loeste demnach in mir alles andere als
ein behagliches Gefuehl aus. Besonders wegen King Kong.
Mein King Kong...mein Schatten, der der so auf mich
fixiert ist, dass er mich nicht mal beim sch..... aus den
Augen laesst. ;) Und erklaeren kann man es ihnen ja auch
nicht, warum man nun ploetzlich nicht mehr da ist und
wann man wieder kommt.

Papa einige Tage nach der OP
Kurzum: mir ging's total schlecht damit, aber ich liebe
meine Eltern ueber alles und sie haben mein Leben lang
so viel fuer mich getan und alles fuer uns drei Kinder ge-
geben, dass ich trotz meiner Aengste gar nicht anders
konnte, als zuzusagen. Tung war ebenfalls nicht sonderlich
begeistert, stimmte dann aber trotzdem meinem ursprueng-
lichen Flugtermin einen Tag vor Weihnachten, bis Ende
Januar als Rueckflugsdatum zu und so ging ich buchen.

Das wunderschoene Winterwetter, dass mich empfing
Urspruenglicher Flugtermin uebrigens deshalb, weil am
eigentlichen Abflugtag etwas geschah, dass denke ich nur
uns passieren kann: In der Nacht auf den 23.Dezember
viel der Strom aus und weil unser elektronisch gesteuertes
Rolltor im Eingangsbereich derzeit noch an keinen
separaten Generator fuer solche Faelle angeschlossen ist,
sass ich hier fest. Gluecklicherweise konnte ich das Ticket
gegen eine "kleine" Gebuehr umbuchen und trat meine
alleinige und aeusserst traenenreiche Reise in die alte
Heimat kurz vor Silvester schliesslich doch noch an.

Extra zur Hochzeit angereist und eingeflogen ;)
Kaum daheim, wurde ich erstmal richtig krank und
verbrachte mein erstes Neujahrsfest auf deutschem Boden
seit 7(!) Jahren Zuhause im Bett. Die erste Zeit verstrich
unendlich langsam und ohne Tung fuehlte ich mich
ziemlich fehl am Platze und unaufgeraeumt. Ich weinte
und bereitete meine Mutter bereits darauf vor, dass ich
eventuell schon bald wieder abreisen wuerde. Allerdings
stand die Operation meines Vaters bevor und zudem
hatte ich versprochen zu helfen und konnte jetzt unmoeg-
lich einen Rueckzieher machen. Und als ich mich dann
erholte und anfing im Laden zu arbeiten und meinen
besten Freund Markus endlich wieder sah, fuehlte ich
mich langsam aber sicher wohler in meiner Haut.
Einzig die unbaendige-, fuer mich nach so langer Zeit
absolut ungewohnte Kaelte machte mir noch zu
schaffen, aber auch das wurde stetig besser.

total gluecklich
Nach wenigen Wochen hatte ich meinen Rhytmus ge-
funden. Den grossteil des Tages verbrachte ich im
Laden meiner Eltern und die Abende und Wochen-
enden Kaffee trinkend, ratschend und lachend mit
meinem Freund Markus. Viet Nam, mein Mann und
sogar mein geliebter King Kong waren in unver-
schaemt weite Ferne gerrueckt. Mein grosser Bruder,
der ebenfalls Markus heisst nahm mich dann auch
noch mit in die Kletterhalle und entfachte damit
meine Leidenschaft fuer diesen supergeilen Sport.

Ausflug mit Markus ins Nachtleben
Gemeinsam mit einem weiteren Markus, dem besten
Freund meines Bruders Markus, "meinem" Markus
und den ehemals besten Freunden meines anderen
Bruders Daniel, Benni und Cengiz, sah ich zum ersten
Mal seit Jahren eine Diskothek von innen und feierte
und tanzte mit ihnen bis in die fruehen Morgenstunden.
So quaelend lang mir der Anfang vorgekommen war,
so rasend schnell verging der Rest meines Aufenthaltes.

Eine leichte Rute zum warm-werden
Nach der standesamtlichen Hochzeit meines grossen
Bruders und seiner langjaehrigen Freundin Ende
Januar, haette eigentlich schon der Abschied genaht,
aber Stimmen wurden laut, ich moege doch verlaengern
und als mein Vater erfuhr, dass die im Anschluss an die
OP festgesetzte Reha zwei Wochen laenger dauern
wuerde als geplant, tat ich das auch. Mein neues Rueck-
reisedatum sollte der 16. Februar sein. Genau einen Tag
vor dem anstehenden Tet-Fest in Viet Nam. Fuer mich
-auf die um diese Jahreszeit Zuhause unendlich viel
Arbeit wartet- eine ziemlich bescheuerte Aktion, aber
wann wuerde ich schon nochmal die Gelegenheit
haben, einen so unglaublich schoenen "Urlaub" mit
Familie und Freunden zu verbringen?!

Pause beim Klettern
Die letzten vierzehn Tage vergingen dann jedoch
ebenfalls wie im fluge und irgendwann war der
Moment der Abschiednahme gekommen, der mind.so
traenenreich verlief, wie der eineinhalb Monate zuvor
in Viet Nam. Aus meinem hoch und heiligen Ver-
sprechen, schon wenig spaeter wiederzukommen ist
natuerlich bis heute wieder nichts geworden. Die
eigentliche Hochzeitsfeier von Markus und meiner
Schwaegerin habe ich somit verpasst und bin im
nachhinein froh, wenigstens bei der standesamtlichen
mit von der Partie gewesen zu sein.

trotz Hoehenangst!
Jedenfalls moechte ich die Gelegenheit nutzen und
mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meiner
Familie und all meinen guten Freunden bedanken,
die mir die schoenste Zeit seit Jahren geschenkt
haben. Dankeschoen an meinen Bruder Markus,
dafuer dass er laestig geblieben ist und mich mit
zum Klettern geschleift hat, danke an alle, die mich
zum Gang zum Friseur ueberredet haben ;) und
ganz besonderen Dank an meine kleine Yolo-biene
Markus, der sich als selbstlosester, treuester und
wahrer Freund erwiesen hat und mich mangels
eigenen fahrbaren Untersatz immerzu herum-
kutschierte und trotz der vielen Arbeit und eines
grossen Freundeskreises so, so viel Zeit mit mir
verbracht hat!

Nach der standesamtlichen Hochzeit meines Bruders
Ich habe lang nicht mehr so viel Spass gehabt
und so ausgiebig gelacht. Und last but sicher
not least, danke auch an meine Eltern fuer all
die Liebe und Unterstuetzung, die sie mir seit jeher
zuteil-kommen lassen. Ihr alle habt mir waehrend
dieser Reise das unglaubliche Gefuehl gegeben
nach wie vor geliebt und vermisst zu werden und
immernoch fester Bestandteil dieses, euren Lebens
zu sein, obgleich ich mich schon so viele Jahre
daraus verabschiedet habe. Ihr habt mir gezeigt,
dass ich auch ausserhalb Viet Nams noch ein
Zuhause mit Menschen darin habe, fuer die es sich
lohnen wuerde zurueckzukommen!

Abschied am Muenchener Flughafen

Dienstag, 23. Juni 2015

Das traurige Schicksal von Bi

Einer der Gruende fuer den so langen stillstand des Blogs,
der mich in ein tiefes Loch hat fallen lassen, aus dem ich
auch nach mehreren Monaten nur schwerlich wieder heraus-
gefunden habe, ist das spurlose Verschwinden unseres kleinen,
dicken "Ungluecksraben" Bi.

Bi war der rot-weiss-gemusterte Kater, der etwa eine Viertel-
stunde vor seiner juengeren Schwester Na, als eines von 
lediglich zwei Kindern im Dezember des vorletzten Jahres
von unserer Katze Miu zur Welt gebracht worden war.


Damals war Miu (die wir mit einer kaputten Pfote, voellig
unterernaehrt, todkrank und geschwaecht), von unserem
direkten Nachbarn "uebernommen" hatten selbst noch fast
ein Kind und zum Zeitpunkt ihrer Schwangerschaft
geschaetzt wohl erst knapp ueber einem halben Jahr alt.

Geschaetzt deshalb, weil wir das genau Alter nie bestimmen
konnten, da wir den Geburtstermin nicht kennen. Allerdings
konnte uns meine Mama anhand einiger Merkmale zumindest
ein ungefaehres Alter nennen.


Tung und ich waren zwar nie sonderlich grosse Katzenfans,
aber Miu tat uns so leid und war zudem in einer so dermaßen
schlechten Verfassung, dass wir wussten wir haetten ihr
Todesurteil unterschrieben, haetten wir sie nicht zu uns ge-
nommen.

Es war ein langer und harter Kampf, aber letztlich haben wir
ihn gewonnen und Miu bis auf den irreparablen Schaden an der
rechten Vorderpfote gaenzlich wieder hinbekommen und kaum
dass die kleine Rotznase gesund war, hat sie uns auch schon mit
ihrer voellig ueberfruehten Schwangerschaft ueberrascht.


Die haben wir dann auch noch hinter uns gebracht und in der
Nacht vom 5.ten- auf den 6.Dezember, hat Miu uns die beiden
Zwerge in die Struempfe am Kaminsims (oder vielleicht auch in
eine normale "Wurfkiste", dass weiss ich nicht mehr so genau)
gelegt. ;) Ich weiss nurnoch, dass wir sie am Ende so lieb-
gewonnen haben, dass wir es nicht uebers Herz gebracht haben,
sie in Fremde Haende abzugeben. Die drei hatten ein so enges
Band, dass uns Miu das vermutlich auch nicht verziehen haette,
wenn wir ihr die beiden weggenommen haetten.

Nur leider hat es Bi's trauriges Schicksal nicht so gut gemeint
mit ihnen wie wir und so sind heute nurnoch Miu und Na bei
uns. Zwar ist unser Garten gesichert, Bi hat es aber dennoch
eines Nachts geschafft irgendwie daraus zu entwischen und
ist seither spurlos verschwunden :(


Noch in selbiger haben wir eine grossangelegte Suchaktion
gestartet, -jedoch ohne Erfolg. Auch in den darauffolgenden
Tagen: nichts, keine Spur von ihm. Danach haben wir fast
zwei Monate mit geoeffneter Haustuere geschlafen. Einer
eingesperrt im Schlafzimmer mit King Kong, Miu und Na
und der andere mit Messer und Schlagstock bewaffnet
(falls ein Einbrecher versucht sich die offene Tuere zu Nutzen
zu machen) unten im Wohnzimmer fuer den Fall, dass Bi
nach Hause gekommen waere. Aber er blieb wie vom
Erdboden verschluckt und ist es bis heute...

Acht Monate ist sein Verschwinden jetzt her. Die Flyer, mit
einer ungewoehnlich hohen Summe Finderlohn, die wir fast
ueberall aufgehaengt hatten sind verwaschen und vergilbt,
oder wurden laengst abgerissen oder mit neuen Anzeigen
ueberklebt. Das einzige was noch aktuell ist sind die Bilder
der zu Tode veraengstigten Katzen in meinem Kopf, die ich
auf der Suche nach Bi in den Katzenrestaurants in ihren
Kaefigen habe kauern sehen. Die werden mich sicher bis
an den Rest meines eigenen Lebens verfolgen. :(


Die Haustuere ist der verbliebenen 2 Maedels und King -
Kong zu liebe wieder zu. Nur den Garten wage ich auch
nach bald einem Jahr nicht zu schliessen. Das Tor steht
Nacht fuer Nacht einen Spalt breit offen und jeden Abend,
bevor wir die Lichter loeschen stelle ich ein Schaelchen
mit Wasser und einen kleinen Teller Futter fuer Bi bereit,
auch wenn unser geliebter "Bi Beo" (der dicke Bi) wohl
nie wieder heimkommen wird........


Zum Gedenken an Bi hier noch ein paar weitere Aufnahmen:


Montag, 22. Juni 2015

Về đi Vàng ơi! (Komm zurueck Vàng!) - Die Kampagne gegen den Handel von Hundefleisch

Um bei den positiven Neuerungen und Fortschritten zu
bleiben die das Land die juengste Zeit so durchlebt,
befasse ich mich heute mit den Veraenderungen eines Bereiches,
der mir ganz besonders am Herzen liegt: Dem Tierschutz!
Insbesondere dem Handel von Hunde- und Katzenfleisch
zum Verzehr.

Als Halterin beider Rassen, beruehrt mich dieses Thema
natuerlich immens und umso gluecklicher macht es mich,
dass sich auch hier endlich etwas regt!


Vor kurzem erst veroeffentlichten vietnamesische Stars und
Sternchen (darunter Kuenstler, Schauspieler und Saenger) in
Zusammenarbeit mit der vietn.Tierschutzorganisation ACPA
ein Video ueber Youtube, in dem "der beste Freund des
Menschen" kurz vor-, oder waehrend seiner Schlachtung gezeigt
wurde. Mit diesen -bewusst grausam gehaltenen- Aufnahmen,
haben sich die Idole explizit gegen die grauenvolle Tortour
ausgesprochen, die die Hunde hierbei durchleiden und die
Bevoelkerung zum Boykott vomVerzehr ihres Fleisches
aufgerufen.

Gleichzeitig war dem ganzen eine -ich denke fuer Viet Nam
bislang einmalige- Petition angeschlossen, mit der die
Allianz sich Gehoer in der Nationalversammlung von Anfang
Mai verschaffen wollte. In letzterer wurde in diesem Jahr
naemlich erstmalig der Entwurf fuer ein neues Veterinaergesetz
diskutiert, in dem es unter anderen nun endlich auch um den
Schutz der Tiere geht!
Dieser neuartige Gesetzesentwurf beinhaltet nicht nur die
artgerechte Haltung und Versorgung der Tiere sowie deren
"artgerechten" Transport, sondern auch dass ihr Leid im Falle
einer Schlachtung moeglichst gering zu halten ist.


Das liest sich auf dem Papier zwar ganz toll, ist in der Praxis
aber leider nur schwer zu realisieren, wie man an Laendern wie
Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und so weiter
sehen kann. Die haetten allesamt bereits Gesetze zum
Tierschutz und trotzdem jagt ein Skandal den naechsten..
 
Zudem war das urspruengliche Ziel von einer Millionen(!)
Unterschriften, die erreicht werden wollten oder sollten
ziemlich hoch gesteckt, wie ich finde. Als alter Online-
Petitionshase weiss ich, dass es bei anderen Petitionen dieser Art
eher bei maximal ein paar hundert-Tausend liegt.
Erschwerend kam hinzu, dass die gesamte Aktion selbst erst
gegen Mitte April so richtig anlief und erst ab da auch
ausserhalb des Netzes, in den staatlichen Medien zu sehen war.
Das hat natuerlich dazu beigetragen, dass am Ende lediglich
etwas ueber 450.000 Unterschriften vor Ablauf der Frist
zusammengekommen sind.

Fuer ein Land, in dem Hundefleisch bislang noch als
Delikatesse gilt und der Hund an sich vor nicht allzu langer
Zeit noch mehr Nutz-als Haustier war, ist das jedoch
trotzdem eine beachtliche Zahl! Sie steht zwar noch
in keiner Relation zu den geschaetzten 5 Millionen Tieren,
die laut Tierschutzorganisationen pro Jahr hier verspeist werden,
aber sie zeigt, dass gerade ein Umdenken stattfindet und
sich schon jetzt eine nicht zu verachtende Menge an
Hundefleischgegnern unter den Buergern befindet.


Fuer mich nicht weiter verwunderlich. Ich beobachte schon
laenger, wie die Vierbeiner in ihrem noch recht jungen Status als
Haustiere in einem stetig wachsendem Tempo die Zuneigung und
Wertschaetzung ihrer Besitzer gewinnen und mehr und mehr
von ihnen als festes Mitglied der Familie oder treuer Freund
wahrgenommen werden.
Besonders die naechste Generation waechst mit diesem Bild
auf und hat schon heute einen ganz anderen Bezug und eine
ganz andere Bindung zu den Hunden und Katzen in ihrem
Haushalt, als dass noch bei meiner oder der meines Mannes
der Fall war.

Dieser Wandel ist schoen mit anzusehen und mir kann er
gar nicht schnell genug von statten gehen. Wird aber genau
wie die Sache mit der Polizei, nicht mehr allzu lange dauern.

Vielerorts werden Tierkliniken, Kleintier-Hotels (in denen
die lieben Kleinen bei Abwesenheit oder Zeitmangel ihrer
Halter versorgt werden), sowie "Pflegestudios" und Hunde-
schulen eroeffnet und auch der Bedarf an Tierprodukten
wie Futter, Bettchen, Leinen, Halsbaender, Naepfen,
Maentelchen, Leckerlies und so weiter und so weiter ist
mittlerweile fast genauso umfangreich gedeckt wie andernorts
auch. Meine fuer Hai Phong damals schon fast pionierhaften
Gassigaenge, sind zwischenzeitlich gar nicht mehr so
pionierhaft und ich treffe immer haeufiger auf andere Leute,
die ihren Vierbeinern Auslauf verschaffen.


Bei ihrem letzten Besuch vor wenigen Wochen haben meine
Mama und ich sogar eine Hundewiese entdeckt. Eine riesen
Gruenflaeche im Park auf der sich massenweise Hundebesitzer
einzig und allein zu dem Zwecke versammeln, um ihre
Koeterchen zu sozialisieren und mit Artgenossen spielen zu
lassen. Der allerneueste Schrei ist jedoch, seinem Pudel, Spitz
Cockerspaniel und Co die Rute (vorzugsweise pink) einzufaerben.
Da muss sogar ich den Kopf schuetteln und mir denken, dass
man es auch uebertreiben kann mit seiner Tier"liebe".

Aber um beim eigentlichen ernst des Themas zu bleiben:
Die Unterschriftenaktion scheint bisweilen noch nicht gestoppt zu
sein, daher moechte ich euch allen ans Herz legen, auf folgende
Seite zu gehen:  http://baovecho.org/
und die Petition ebenfalls zu unterzeichnen. Wer weiss, vielleicht
bringt es ja noch was, auch wenn die Nationalversammlung bereits
Anfang Mai einberufen worden war.

Wer es sich zutraut, kann sich ausserdem das Video mit dem die
Stars gegen den Handel von Hundefleisch aufrufen hier ansehen
(ich wuerde das allerdings wirklich nur den ganz hartgesottenen
raten, weil der Clip bewusst sehr schockierende und brutale Auf-
nahmen zeigt, um die Menschen hier wachzuruetteln, da diese
zumindest den eigentlichen Verzehr von Hunden nach wie vor
noch gewoehnt sind):


Samstag, 20. Juni 2015

Wissen ist Macht - Kiến thức là quyền lực

Eine alte Weissheit bewahrheitet sich seit geraumer Zeit in
meiner Wahlheimat und schafft einen schier unglaublichen
Wandel!

Noch vor wenigen Jahren, als ich die ersten Male im Land
war, war es Gang und Gebe, dass die Bevoelkerung sich
vor einer aeusserst korrupten und wilkuerlichen Polizei
duckte, die wie am Fliessband Motorraeder einkassierte,
die man hinterher freikaufen musste und die gerne auch
mal die ein oder andere Schelle verteilte...



Aber wie alles andere in Viet Nam, hat sich auch dieses
Bild komplett gewandelt und solche Vorgaenge und Bilder
sind heute eher die Ausnahme.

Was fuer Vorgaenge und Bilder derzeit hingegen viral die
Runde machen und "en masse" auf Youtube und Co zu
finden sind, sind selbstgedrehte Videos von aufgebrachten
Buergern, die -angehalten von der Verkehrspolizei-
(kurz CSGT= Cảnh Sát Giao Thông) wie wild mit irgend-
welchen Paragraphen, Beschluessen und Gesetzen um sich
werfen und auf ihr Recht pochen.

Welches sie -und dass ist das fuer mich sehr beeindruck-
ende daran- zwischenzeitlich in der Regel am Ende auch
bekommen! Die Polizei gibt mittlerweile meist klein bei
wenn sie merkt, dass sie im Unrecht ist und der
Aufgehaltene ueber sein Recht bescheid weiss und dies
auch wortgewandt zum Ausdruck bringt.


Ins Rollen gebracht hat diesen Wandel einzig und allein das
vietnamesische Volk, dass einer ueber die Straenge geschla-
genen Exekutive ueberdruessig geworden war und anfing
sich dagegen zu wehren.
Etwas, wovon Deutschland mit seinen lethargischen Ein-
wohnern bestimmt noch laaaange, laaange nur traeumen
kann.. >:)

Im Viet Nam von Heute muss kaum noch jemand fuerchten,
dass er mit einem Knueppel vom Motorrad geholt wird oder
voellig grundlos irgendwelche Scheine ihren Besitzer
wechseln.

Die Polizei im modernen Viet Nam gruesst und traegt die
Beweispflicht am Vergehen des Beschuldigten. Natuerlich
ist das Ganze noch verbesserungsbeduerftig, aber nicht
einmal hier - in einem Land das binnen Kuerze so viel
an positiver Veraenderung und Fortschritt hingelegt hat,
geht sowas ueber Nacht.

 
Doch jetzt, wo das Wissen und Handeln der Bevoelkerung
eine Reformation der Polizei ins Leben gerufen hat,
sollte vielleicht auch die Bevoelkerung selbst an sich
arbeiten und selbst lernen, sich ans geltende Recht und
Gesetze zu halten und beispielsweise bei Rot auch wirklich
stehen zu bleiben, nicht mehr in den Gegenverkehr zu
fahren, weil dort die Spur gerade frei ist, sich
anzuschnallen, oder in Einbahnstrassen auch die
vorgegebene Richtung einzuhalten etc.. ;)

Und: wer Recht haben will, sollte auch im Recht sein! ;)
Viele debattieren voellig gegenstandslos obwohl sie
tatsaechlich gegen eine Regel verstossen haben und
stellen ihre Aufnahmen danach stolz ins Netz und teilen
sie auf den Social Media Plattformen. Hierfuer kassieren
sie jedoch nicht selten "regelrechte" Shitstorms wie man
so schoen sagt von ihren Mitmenschen.

Auch die "der Bruder vom Schwager meines Vaters ist der
oberste So-und-so"-Typen, die bisweilen durch Ansehen,
Reichtum, Beziehungen oder aehnlichen, etwaigen Re-
pressalien entgangen sind, sollten sich kuenftig warm
anziehen, denn eine Polizei die absolut gesetzmaessig
handelt, wird nicht nur ihre negativen Eigenschaften ein-
stellen, sondern auch die, die fuer einige Buerger der
besser gestellten Bevoelkerungsschicht durchaus recht
positiv zu bewerten waren.


Diese mussten naemlich fuer gewoehnlich lediglich einen
Namen nennen, einen Anruf taetigen oder einen Rang
angeben und wurden dann mit einer "Entschuldigung fuer
die Stoerung", unbehelligt weitergeleitet.
Allerdings war dies wie gesagt nur den bessergestellten
vorbehalten und trotz allem eine Ungerechtigkeit, die
jedoch ebenso schon bald der Vergangenheit angehoeren
wird.

Ich ziehe tief meinen Hut vor den stetigen Veraenderungen
und Neuerungen, die Viet Nam jeden Tag auf's neue durch-
laeuft und bin stolz darauf zu sehen, wie viel Aktionismus
dabei auch die Bevoelkerung selbst an den Tag legt und
wie aktiv sie sich daran beteiligt, dass das Viet Nam von
Morgen auch ihren Wuenschen und Vorstellungen fuer das
Land und dem Miteinander der Menschen darin entspricht.

Die Polizei dein Freund und Helfer...in meiner Wahlheimat
kein allzu weiter Weg mehr..

Mittwoch, 11. Juni 2014

Das Ende der grossen Pause

Die war diesmal aus gutem Grunde: Die Gesundheit laesst die
letzte Zeit bei mir naemlich sehr zu wuenschen uebrig.
Im Moment lasse ich wirklich nichts aus. So habe ich mich
beispielsweise wochenlang von einem ziemlich widerlichen Virus
niederstrecken lassen-, mir den Finger gefaehrlich tief aufgeschnitten-,
und meine neueste "Errungenschaft" aus der Sammlung illustrer
Krankheiten und koerperliche Einschraenkungen ist eine gleicher-
massen (entschuldigt bitte das fehlende, scharfe "s") schmerzhafte-, wie
laestige-, bakteriell-bedingte Mittelohrentzuendung. (yeeeeeey!!) :) :)

Diese zieht sich wie der Virus zuvor schon seit einigen Tagen hin und
beeintraechtigt mein Allgemeinempfinden immens, da ich kaum etwas
hoere und ein permanentes Gefuehl von "raschelnder" Watte im Ohr habe.
Ihr wisst schon..so wie wenn man nach dem Baden Wasser im Ohr hat.
(Selbstverstaendlich nur vieeeel, vieeeel schlimmer!) ;)

Dieser miese, miese Umstand macht mich gelinde gesagt so wahnsinnig,
dass ich mich zwischenzeitlich sogar verhalte wie ein Mann-, sprich:
ich heule und jammere was das Zeug haelt -und das haelt derzeit
ununterbrochen (sehr zum leidwesen des echten Mannes im
Hause nebenbei bemerkt) ;) Waere ich nicht so sehr damit beschaeftigt
mich selbst zu bemittleiden, wuerde er mir richtig leidtun, der Arme..

Nicht einmal den alljaehrlichen -leider stets sehr kurzen- Besuch meiner
geliebten Mama habe ich diesmal unbeschadet ueberstanden. :(
Auch da lag ich bereits mit fortwaehrenden Schuettelfrost, Fieberschueben,
Schmerzen in der Leber (sofern die da tatsaechlich sitzt) ;) , Appetitverlust,
trockenem Mund, usw...usf.., flach und konnte nur schwerlich aufrecht
sitzen. Das hat dazu gefuehrt, dass meine Mama sich das Gro' der Zeit
allein mit ihrer Freundin (die sie gluecklicherweise mit dabei hatte)
durchschlagen musste.

Zumindest hatte dies den entscheidenden Vorteil, dass meine Mama auf
diese Weise Dinge sehen- und selbst erleben konnte, die sie unter unserer
"Aufsicht" so sonst nie zu Gesicht bekommen-, oder erfahren haette.
Denn fuer gewoehnlich bringen wir meine Leute von A nach B, versorgen
sie rundum und besonders mein Mann gibt sich normalerweise die grosste
Muehe, sie vor allen moeglichen Anblicken abzuschirmen, die wie er meint
nicht fuer ihre -oder im allgemeinen westliche Augen bestimmt sind.
Er ist da ein wenig eigen was seiner Auffassung nach unschoene Eindruecke
fuer andere sind..

Jedenfalls haben wir ihnen durch all dies ueber die Jahre aber scheinbar das
Gefuehl vermittelt, sie koennten hier keinen Schritt ohne uns tun.
-Ist natuerlich voelliger Quatsch! Warum auch nicht. Schon seit jahr-
zehnte stroemen -einzig mit Rucksack u. Reisefuehrer bewaffnete-,
ansonsten aber mindestens genauso "aufgeschmissene" Touristen ins Land,
deren Sprachkennstnisse ebenso wie die meiner Familie gerademal auf ein
"ich hab Hunger", "ich hab Durst", "Hallo" und "wie geht es dir"
 hinauslaufen. Wenn selbst solche Leute hier ueberleben-, sich sogar eigen-
staendig von Ha Noi bis runter nach Sai Gon durchschlagen koennen, dann
muessten laut Adam Ries(e) meine Leute ja wenigstens im Stande dazu sein,
sich hier gleich gegenueber allein ein Baguette kaufen zu gehen ;)

Was, -wie der etwas ungewollte, diesjaherige "Abenteuerurlaub" meiner
Mutter gezeigt hat-, im Uebrigen auch ganz wunderbar klappt. Komplett
ohne Tote, ohne Verletzte. Niemand wurde ausgeraubt und keiner ueberfallen
 oder aufs Kreuz gelegt. (Ich glaube so sagen wir in Bayern fuer "ueber den
Tisch ziehen", "auf's Ohr hauen" oder einfach jemanden reinlegen.)

Achtung Insider: "Macht ihr den Laden heut nochmal auf?!" ;)
Und so hat meine Mama diese Jahr im Grunde zum ersten Mal das echte
Leben in Viet Nam gesehen. Anders als Tungs Befuerchtungen:
Es hat ihr riiiichtig, riiiichtig gut gefallen!
Zum ersten Mal ist sie mit Farbe aus ihrem Urlaub bei uns gekommen.
(War das Resultat der unzaehligen -zu Fuss zurueckgelegten- Kilometer
aufgrund meiner krankheitsbedingten "Motorrad-Lenkens-Intoleranz" ).
Sie hat Kontakte zu meinen Nachbarn geknuepft (die noch nicht mal
Tung und ich haben) und zarte Marktfreundschaften geknuepft.
Kein Mensch hat versucht sie abzuzocken (worueber ich mich insgeheim
am meisten freue, da Abzocke bei anderen Expats, die genau wie ich
schon lange Zeit hier leben, offensichtlich an der Tagesordnung zu sein
scheint.

Geschieht denen aber ehrlich gesagt recht, denn wer so viele Jahre in
einem anderen Land lebt und sich dann nichtmal die Muehe macht ein
ordentlich-verstaendliches"Xin Chao" (geschweige den Hoeheres) auf
die Reihe zu kriegen, der wuerde von mir persoenlich auch (achtung
die eben gelernte-, bayerische Passage folgt) uebers Kreuz gelegt werden!
Jawoi'! Kreiz'kruazi'fix'nochamoi! So schaugts' naemi' aus!
(Ebenfalls eine bayerische Passage die sich jedoch aus Gruenden des
Jugendschutzgesetzes nicht uebersetzen laesst)      
Der diesjaehrige Aufenthalt hat jedenfalls betraechtlich dazu beigetragen,
dass meine Mama sich ein Leben hier bei uns immer mehr vorstellen kann.
Das waere natuerlich unser groesster Wunschtraum, der dann in Erfuellung
ginge. Heute haben wir uns sogar schon darueber unterhalten, welche
Maschine Mama denn dann kuenftig unter den Hintern kriegen
wuerde, weil da hat sie sich bei diesem Urlaub auch gemacht. :)

Waehrend sie bei ihrer ersten Reise zu uns stocksteif und angstverspannt
hinter mir auf dem "Sozius" sass und ausser verkniffenen "Aaahs" und
"Oooohs -das war jetzt aber knapp", keinen Ton ueber die Lippen gebracht
hat, ging das heuer ohne weitere, nennenswerten Verhaltensauffaelligkeiten
von statten. Teilweise hat Mama nicht mal noch registriert, dass wir
gerade auf dem Zweirad mitten durch den Feierabendverkehr duesen-
und mir darum munter und realaxed sitzend, irgendwelche Geschichten
erzaehlt. Falschfahrer, Gegenverkehr, falsch gesetzte Blinker und fast-
Zusammenstoesse dabei voellig ausser Acht lassend.  :))

So nun bin ich etwas abgeschweift, war der eigentliche Zweck des heutigen
Beitrages doch urspruenglich euch lediglich von den Gruenden der letzten,
langen Abwesenheitsperiode in Kenntnis zu setzen.. ;)

Ereignet hat sich auf alle Faelle trotz Krankheit eine ganze Menge in der
Zwischenzeit. Von daher gilt fuer den aktuellen Blogeintrag:

To be continued soon....

(Ich nehm' jetzt aber erstmal meine Litanei an Arzneien. Darunter zum X-
ten Male irgendein Antibiotika, dass ich klugerweise durch die Start-
einnahme um 13 Uhr Mittags plus der 12-Stunden Faustregel die fuer
Antibiotika in der Regel gilt, folglich immer erst um 1 Uhr nachts
einwerfen kann. Wo ich jedoch schon eine gute Dreiviertelstunde drueber
bin, weil ich mich nach so langer Blogpause heute restlos mit euch
verplappert hab..) ;)

Fuer all diejenigen, die's bis hierher geschafft haben: euer Durchhaltever-
moegen ist bemerkenswert! Habt ne gute Nacht und eine schoene restliche
Woche. Geniesst die hochsommerlichen Temperaturen (der Winter kommt
frueh genug wieder!) und: auf bald ihr Lieben und treuesten Leser, die ein
so unzuverlaessiger Blogschreiber wie ich ueberhaupt haben kann!

P.s.: Dickes Ehrenwort das irgendeiner der kommenden Beitraege endlich
auch die Bilder unseres neuen Zuhauses beinhalten wird!

Over und out aus Hai Phong (bei schlappen 28 von 34 Grad Deutsch) ;) :p

Freitag, 14. März 2014

Engel fliegen tief

Traurigerweise werden unsere Vierbeiner offensichtlich genauso vom
Unglueck verfolgt wie wir. Das Gute daran ist jedoch, dass sie am Ende
dann genau wie wir auch trotzdem immer irgendwie die Kurve kratzen
und mit einem blauen Auge davonkommen.

So hat King Kong wie ihr sicherlich noch alle wisst, den mit Sicherheit
leicht haette toedlich endenden Angriff eines Riesenkoeters aus der
unmittelbaren Nachbarschaft, wie Wunder und bis auf ein paar bleibende
Narben, gaenzlich unbeschadet ueberstanden.

Die Angst sitzt noch ganz schoen tief, allerdings werde ich mich davor
hueten, es kuenftig noch einmal zu solch einer Gelegenheit kommen zu
lassen. Was King Kong anbelangt kann ich zwar leider nicht unbedingt
behaupten, dass er nun zum frommen Laemmchen mutiert ist, aber zu-
mindest gewinnt er seither recht zuegig Land, sobald ein etwas
groesserkalibriger Koeter auf der Mattscheibe zu sehen ist.

Bi mit seiner kleinen Schwester Nga kurz nach dem schlimmen Unfall
Einen neuen sehr ungluecklichen Zwischenfall gab es seither aber
dennoch. Der betraf aber nicht King Kong sondern unseren kleinen,
knapp 3-monatigen Kater "Bi", der eines der 2 ungeplanten Katzen-
kinder unserer damals von uns geretteten "Miu" ist. Ich sags euch
Leute das war auch wieder was, was ich meinen Lebtag nicht mehr
vergessen werde. Diese Hilflosigkeit und das Bangen um das Leben
des kleinen Mannes...buaar da laeufts mir schon wieder eiskalt den
Ruecken runter, wenn ich nur dran denke..Aber von vorne:

Ich war oben im 3.Stock um die Waesche aufzuhaengen. Tung hat
es doch tatsaechlich geschafft das neue Gartentor zu zerstoeren, so
dass ich unsere Sachen zum trocknen nicht im Vorgarten wie sonst
aufhaengen konnte sondern dies wie gesagt oben im 3.Stock auf
einem Kleiderstaender tun musste. Der ist jedoch zu klein fuer
grosse Handtuecher oder Decken, wovon ich selbstverstaendlich
an diesem Unglueckstag- oder besser Ungluecksabend eine zu
trocknen hatte..

Demnach hing ich die noch feuchte Bettdecke kurzerhand ueber das
offene Treppengelaender, von dem aus es direkt runter in den
2.Stock- bzw sogar erkennbar noch bis hinunter auf die Treppe
ins Erdgeschoss geht. Ich kucke mal ob ich ein Bild fuer euch
von diesem Bereich im Haus finde, damit ihr euch darunter
etwas vorstellen koennt. Jedenfalls ist es sehr hoch und
natuerlich alles auch komplett gefliest. Sorgen musste ich mir
bis Dato der Katzen oder King Kong wegen trotzdem keine
machen. Die Tiger haben nie irgendwelche Anstalten gemacht,
da irgendwie rumhuepfen oder tollen zu wollen und mein alter
Herr (Kiko) hat schon als Baby von mir gelernt gekriegt, dass es da
wo's weit runtergeht auch gefaehlrich ist und er sich fernhalten soll.

Unsere Stubentiger haben das scheinbar jedenfalls ebenso begriffen,
aber wie das Leben manchmal so spielt..
Ich hing als erstes die Decke uebers Gelaender und machte mich dann
-begleitet von Bi's aufmerksamen Augen, der sich mit mir im Dach-
geschoss befand- daran, die restlichen Kleidungsstuecke auf den
dafuer vorgesehenen Staender zu haengen.

Blick ueber das offene Treppengelaender des dritten Stocks
Ploetzlich hoerte ich etwas platschen und dachte zuerst geistes-
abwesend, es sei ein nasses Handtuch-, oder aber die schwere
Zudecke ueber dem Gelaender gewesen, die nach unten ge-
plumpst war. Es musste wohl irgendetwas noch sehr feuchtes 
gewesen sein, wie sonst haette es so schwer sein koennen um
so einen lauten Platscher zu verursachen?!..dachte ich noch bei mir
bis mir auf einmal auffiel, dass Bi gar nicht mehr da war! Ich geriet
in Panik und bekam eine hoellische Angst, dass er es gewesen sein
koennte, der diesen Platscher verursacht hatte. Verzweifelt suchte
ich noch nach irgendeiner anderen banalen Erklaerung waehrend ich
von oben ins Treppenhaus hinab sah um zu sehen, was es gewesen
war. Zu meinem steigenden Entsetzen lag unten aber weder ein
nasses Handtuch noch sonst irgendetwas, was hinuntergeflogen war.
Die einzig schluessige Erklaerung blieb, dass es Bi gewesen sein
musste. Die Bettdecke musste ihm die Sicht versperrt haben-, er
an dieser hochgeklettert- und anschliessend von dort aus abgerutscht
sein, oder aber er war direkt darueber gesprungen, weil er wegen der
bloeden Decke den Abgrund dahinter nicht sah...!

Waehrend ich versuchte meine wild durcheinanderrasenden
Gedanken zu sortieren und Tung -der sich im Erdgeschoss aufhielt-
zurief ob Bi bei ihm waere, rief der auch schon von unten zu mir
herauf, was ich mit Bi gemacht haette, aber da hoerte ich sein
herzzerreissendes Geweine und Wehklagen schon selbst..
Im handumdrehen stuerzte ich hinunter in die Kueche,
wo Tung mit dem kleinen laut weinenden Bi auf dem
Schoss am Kuechentisch sass und mich immer wieder
fragte, was ich dem Kleinen denn nur getan haette und
was hier los sei. Es dauerte sicher eine kleine Ewigkeit
bis anh Tung meinem Geschluchze entnehmen konnte, was
ich selbst noch zu begreiffen versuchte, naemlich dass der
kleine Bi tatsaechlich ueber das Treppengelaender gestuerzt
sein musste!

Ich hatte keine Ahnung wo und wie er aufgeschlagen war,
wusste nur eines: er musste sich schwer verletzt haben und
wuerde das -wenn ueberhaupt- bestimmt nicht so ohne weiteres
ueberleben. Allerdings war es bereits Abend und die Praxis
von unserem Tierarzt des Vertrauens geschlossen und selbst
wenn..Roentgen, Not-OP...Fehlanzeige. Dazu waere die
Praxis nicht ausgestattet..Wir gerieten in Streit darueber ob
ich nicht dennoch nach der Notfall-Nummer suchen- und anrufen
sollte. Anh Tung wollte mich beruhigen und meinte Bi wuerde
das schon schaffen, er weine nur weil er sich ziemlich erschreckt-
und natuerlich ja auch ganz schoen weh getan haben musste.

Meine Mama die ich ueber Skype anrief um nach Rat zu fragen
sah das genau wie ich aber etwas anders. Ihr stockte schier der
Atem als sie den Kleinen wimmern und schreien hoerte. Ich
sollte ihm Traumeel-Tabletten gegen den Schock verabreichen
so dass eventuell wenigstens verhindert werden konnte, dass er
an einem solchen starb. Recht viel mehr konnten wir ohne Tier-
klinik leider wohl auch nicht tun, wie auch meine Mutter traurig
eingestehen musste. Es hiess also ein weiteres Mal beten und
hoffen. "Bi" humpelte unterdessen in King Kongs Hundebettchen
wo ich ihn zudeckte und versuchte ihm ein wenig von dem Mittel
gegen den Schock unter die Leftzen zu schmieren.

Waehrend ich instaendig darum flehte Tung moege mal wieder Recht
behalten, sah ich ein Broeckelchen der Tablette die ich Bi eben
verabreicht hatte auf dem Boden vor dem Bettchen liegen und was
ich als naechstes erkennen musste als ich mich bueckte um das
Stueckchen aufzuheben war, dass sie blutrot verfaerbt gewesen ist,
woraufhin ich erneut schrecklich zu weinen anfing. Ich warf einen
Blick auf Bi's Mund und wahrhaftig: es war voller Blut! Er blutete
aus dem Mund. Sein sicheres Todesurteil, wie ich erschuettert dachte!
Und mir blieb nichts anderes als zuzusehen und fuer ihn da zu sein.

Bi und Nga wenige Tage spaeter
Er schlief eine Weile fest und atmete schwer. King Kong schlich
sich zu ihm und leckte ihn ueber den Kopf. Dann riefen wir nach Miu
und Nga damit diese sich zu Bi legten und ihm Trost und Naehe
spendeten und er da nicht so allein liegen musste. Wir hofften das
wuerde ihm Kraft geben.

Und wisst ihr was? Scheinbar hat es das auch! Denn nur wenige
Stunden spaeter stand Bi ganz zaghaft auf und ging: zur Futterschuessel
um ein paar Happen zu essen. Danach trank er ein wenig Wasser und
ging auf die Toilette um im Anschluss ein bisschen mit seiner juengeren
Schwester zu spielen! Ich konnte meinen Augen nicht trauen! Rang er
nicht eben noch mit dem Tode?! Es muss ein Wunder gewesen sein!
Aber voellig gleich was es war, er war ueber den Berg! Er war auf einen
Schlag wieder ganz der Alte und weder das Bein, dass er zuvor ange-
zogen hatte schien ihm noch irgendwelche Schmerzen zu bereiten,
noch entdeckte ich irgendeine Verletzung im Maul von der das Blut
haette stammen koennen. Innere Verletzungen hatte er ja aber
offensichtlich ebensowenig davongetragen, denn dann haette er nicht
bereits wieder essen, trinken, spielen und auf's Klo gehen koennen..

Meine Mama -die die ganze Nacht um ihn gebangt und ebenfalls um
ihn geweint hatte konnte es am naechsten Tag gar nicht fassen, als
ich ihr von seinem Zustand berichtete. Wir sind uns sicher, dass Bi
einen riesen Schutzengel gehabt haben muss und Tung ist der festen
Ueberzeugung, dass uns all die kleinen Ungluecke, die uns tag-taeg-
lich widerfahren -die am Ende aber allesamt dann doch noch
glimpflich ausgehen-, uns insgeheim vor einem einzigen, wirklich
grossen und schweren Schicksalsschlag bewahren und das wohl
irgendjemand von unseren Ahnen schuetzend die Hand ueber uns
haelt! Eine schoene Vorstellung, der ich mittlerweile auch grossen
Glauben schenke! Wir sollten nicht mit unserem Schicksal hadern
und uns fuer all die kleinen Dinge kraemen, die uns im Alltag
zustossen sondern fuer all die Dinge dankbar sein, die wir nicht
sehen koennen-, vor denen wir aber bewahrt wurden...

Inzwischen ist der Unfall schon wieder einige Tage her und Bi
geht es tatsaechlich gut. Das einzige was ihm geblieben ist, ist
eine wahnsinns Anhaenglichkeit und Verschmustheit, aber
damit koennen wir ohne weiteres leben... :)

Dienstag, 11. März 2014

Der Name Nguyen

Amtlich ist es zwar bald schon rund ein Jahr, doch musste ich bislang
ohne Nachweis darueber auskommen, dass auch ich nun wie gut 40%
der Vietnamesen den Nachnamen Nguyen (vietn. Nguyễn) trage.

Das so viele Menschen einer Nation den selben Familiennamen tragen
ist fuer viele Deutsche offensichtlich eine etwas verwirrende Situation
und darum ist eine der haeufigsten Fragen: "Sind die eigentlich alle
miteinander verwandt?"

Nein. Sind "wir" (ich gehoere ja seit neuestem auch dazu ;) ) natuerlich
nicht! :) Das waere bei knappen 40% der Gesamtbevoelkerung Vietnams
auch eine echt glaenzende Leistung von irgendwem gewesen...
(-ihr versteht...). ;)

Das Ganze ist eher vergleichbar mit den deutschen Namen Mueller,
Maier, Huber, Schneider usw. Jedoch nur vergleichbar, denn diese
Namen haben ihren Ursprung in der Regel allesamt in den damaligen
Berufen -nach denen die Familie (deren Oberhaupt diese Arbeit meist
verrichtete), dann einfach gleich benannt wurde.

In Viet Nam hingegen geht die Haeufigkeit des Nachnamen Nguyen
allerdings zurueck in die Kaiserzeit. In dieser gab es die Nguyen-
Dynastie in welcher der Kaiser eben diesen Namen Nguyen trug und
eines schoenen Tages dann just entschied, dass fortan alle Menschen
die seiner Regentschaft angehoerten auch diesen -seinen-
Namen tragen sollten.

So ergab es sich, dass bis heute fast jeder zweite Vietnamese diesen
Familiennamen traegt, ohne dass zwangslaeufig die halbe Einwohner-
schaft miteinander verwandt ist.

Um aber dennoch ein klein wenig unterscheiden zu koennen, wer nun
tatsaechlich welcher Familie zugehoerig war, hat man schlicht einen
Zwischennamen, den sogenannten "dệm" dem gesamten Namen bei-
gefuegt. Dadurch entstand schliesslich der weitlaeufig-bekannte,
3-teilige Name der Vietnamesen.

Als Beispiel fuer den "dệm" werden auf Wiki Nguyễn Hữu ..., Nguyễn
Văn .... und Nguyễn Tiến .... genannt. Erst dann kommt der eigentliche
Rufname, so wie wir ihn kennen. Ein Maedchen mit dem ebenso recht
haeufig verwendeten Vornamen Phuong koennte demnach mit vollem
Namen z.B. "Nguyễn Việt Phương" heissen, wobei das "Việt" im
Zwischenteil des Namens vermutlich meist auch gleich der Zwischenteil
des Namens ihrer Mutter (bei Maedchen), oder der des Vaters (bei
Soehnen) gewesen ist.


Die sowohl am haeufigsten auftretenden-, als auch am bezeichnends-
ten Mittelnamen duerften meiner Meinung nach "Văn" (fuer Jungen)
und Thị (bei Maedchen) sein.

Der Mittelname ist also nicht nur ein Hinweis darauf zu welcher
Familie man gehoert, sondern kennzeichnet in der Regel auch gleich
noch das Geschlecht der jeweiligen Person. In der heutigen Zeit kommt
das allerdings immer mehr aus der Mode und mittlerweile ist eigentlich
fast jede nur erdenkliche Kombination aus Namen-, Mittelnamen und
Rufnamen moeglich.

Aber auch sonst sind den Vietnamesen bei der Namenswahl wenig- bis
keine Grenzen gesetzt. Eine feste Regel jedoch gibt es und diese bezieht
sich auf den Nachnamen. Dieser richtet sich bei ausnahmslos Jedem,
nach dem des Vaters. Aus diesem Grund tragen Kinder (egal ob nun
Junge oder Maedchen) haeufig einen voellig anderen Familien-
namen als ihre Muetter und auch Ehepartner haben deshalb nicht selten
ganz unterschiedliche Nachnamen.

Das eine Frau hier nach der Heirat den Namen ihres Gatten annimt
ist absolut unueblich - waere auf Wunsch (wie in meinem Fall) aber
trotzdem ohne weiteres moeglich.

Wir haben uns zum einen aus Liebe-, zum anderen aber auch aus ganz
pragmatischen Gruenden dazu entschlossen, dass ich entgegen der
Norm, den Namen meines Mannes tragen sollte. Einerseits tue ich mich
schlicht einfach leichter, weil sich die Vietnamesen leichter tun wenn
sie bei Eintragungen und dergleichen nicht mit einem auslaendischen
Namen kaempfen muessen und andererseits wird es auch fuer kuenftige,
gemeinsame Kinder eine Erleichterung sein, wenn sie nicht mit einem
"nicht-vietnamesischen" Namen sozusagen gebrandtmarkt sind.

Wie anh Tung und ich hoffen wird das Haenseleien in der Schule
vorbeugen, gleichzeitig aber auch sicherstellen, dass das Kind wie
hierzulande ueblich auch wirklich Tungs Namen bekommen wird.
Da ich Auslaenderin bin ist das ansonsten nicht ganz klar, weil wir
nicht genau wissen ob die Gesetzgebung bei mir so greift wie sonst
ueblich. Das gemeinsamer Nachwuchs den Namen Nguyễn (was
uebrigens "schoener Reichtum" bedeutet und uns somit hoffentlich
auch einen "schoenen" finanziellen Auftrieb liefern wird ;) ) fortfuehrt
ist -besonders bei einem Jungen-, fuer meinen Mann von grosser
Wichtigkeit. Fuer mich selber aber auch und ebenso das man leicht
erkennen kann, wer da zu wem gehoert und dass Tung und ich
verheiratet sind.

Der ist jedenfalls momentan erstmal stolz wie Bolle darueber das
seine Frau ihn so liebt und ehrt, dass sie (also ich) diese Zugehoerig-
keit auch gleich noch ueber den Namen fuer Jedermann offensichtlich
macht. :) Und fuer mich selbst fuehlt es sich ein wenig so an, als haetten
wir eben erst geheiratet und ist auch ein Stueckchen weit eine neue
Assimilation mit der neuen Heimat. Ich kanns jedenfalls nur waermstens
empfehlen. :)

Hier koennt ihr uebrigens die fuer viele etwas komplizierte Aussprache
von "Nguyễn" ueben (viel Spass dabei):